Der chinesische Drache 龙

Kaum ein anderes Fabelwesen spielt in der chinesischen Mythologie eine so große Rolle wie der Drache. China wird nicht umsonst auch als Heimat der Drachen oder Land der Drachen bezeichnet.

In unzähligen Erzählungen, Legenden, Geschichten und Märchen kommen Drachen in den verschiedensten Größen und Arten vor.



Der chinesische Drache ist traditionell der Überbringer der Wünsche und Hoffnungen der Menschen zum Himmel. Von dort brachte er dann den göttlichen Segen zu den Menschen zurück. Allerdings durften nur taoistische Priester oder der Kaiser selbst die Drachen direkt anrufen.

Die chinesische Bezeichnung für den Drachen ist „long“. Das zugehörige Schriftzeichen 龙 entstand aus der Orakelknochenschrift der Shang-Zeit (ca. 2000 v. Chr.). Es machte die komplette Entwicklung über die Bronzeschrift, Sigelschrift, Kurialschrift über die historische Normalschrift (Langzeichen) bis zur heutigen Kurzform durch.

Im Unterschied zu den im westlichen Kulturkreis bekannten Drachen ist die chinesische Variante kein feuerspeiendes Ungeheuer das bekämpft werden muss. Vielmehr wird er als Glückssymbol angesehen und verehrt. Er gilt sogar als Urahn der Menschen und ist ein Symbol für Glück, Frieden, Schutz, Schicksal, Göttlichkeit und die Macht des Kaisers.

Ausnahmen sind natürlich auch bekannt, so wurde vor allem der schwarze Drache der Flut, der für Überschwemmungen und Stürme verantwortlich war gefürchtet.

Der Kaiser selbst bat die Drachen um Schutz und Bestand für sein Reich. In der Umgebung des Kaisers fanden sich überall Drachenmotive. Bezeichnungen wie Drachenthron für den Thron des Kaisers, Drachenbett für seine Schlafstätte oder Drachenkörper für seinen Körper waren sehr gebräuchlich.

1. Geschichtliches
2. Mythologie
3. Aussehen
4. Verschiedene bekannte Drachen
5. Neun Drachenkinder
6. Drachen im Feng Shui
7. Drachen in der chinesischen Astrologie
8. Drachen in der Kunst
9. Geschichten über und mit Drachen
9.1 Geschichte von Kinabalu
9.2 Die vier Flüsse Chinas
10. Veranstaltungen rund um den Drachen
10.1 Der Drachenzug
10.2 Das Drachenbootrennen
11. Drachen-Orte
12. Warum es Heute keine Drachen mehr gibt

1. Geschichtliches

Schon seit Urzeiten wird das Leben der Chinesen von Drachen bestimmt. Selbst im Jahrtausendealten I-Ging hat der Drache seinen festen Platz. Die ältesten bekannten chinesischen Drachendarstellungen sind etwa 5000 Jahre alt.

1988 fand man in einer aus der Yangshao-Kultur (5000 bis 3000 v. Chr. ) stammenden Ruine eine graphische Darstellung eines Drachen aus Knochen und Muscheln. Dies ist die derzeit älteste archäologische Entdeckung des chinesischen Drachen.

Erste schriftliche Überlieferungen des chinesischen Schriftzeichens für Drache 龙 stammen aus der Shang Dynastie (16. Jahrhundert v. Chr. bis 11. Jahrhundert v. Chr.).

Mindestens seit dieser Zeit wurde der Drache als göttliches Symbol oder gar selbst als Gott angesehen.

Seit der Han-Dynastie ist der Drache das Symbol für Unsterblichkeit und damit natürlich das Symbol der Kaiser. Zudem steht der Drache für Würde und Weisheit, ebenfalls Eigenschaften des Kaisers. Entsprechend häufig findet man seit dieser Zeit Drachenstatuen, Bilder und Verzierungen in der Umgebung des Kaisers.

So bald in dieser Zeit in China ein Tempel gebaut wurde, der irgend etwas mit Wasser oder Regen zu tun hatte, konnte man davon ausgehen dass daraus ein Drachentempel wurde.

Drachen bestimmen nach traditioneller Auffassung das Wetter. Im Winter lebt er im Wasser, im Frühjahr steigt er gen Himmel auf. Sein Schlafen und sein Erwachen stellen Nacht und Tag dar, sein Atem steht für Wetter und Jahreszeit.

Steigt er zu weit auf, erreicht der Regen den Boden nicht mehr, es folgt eine Dürre. Steigt er nicht weit genug, regnet es zu viel und es kommt zu Überschwemmungen. Man bat die Drachen um günstiges Wetter für die Landwirtschaft.

Das Erscheinen eines Drachen wird in China als Vorzeichen für ein wichtiges Ereignis gewertet. Häufig werden Drachen vor der Geburt eines neuen Kaisers oder einer anderen wichtigen Persönlichkeit gesichtet.

Nicht wenige Kaiser haben sich selbst als direkte Nachfahren der Drachen gesehen. Urkaiser und Urkaiserin Chinas sollen halb Mensch halb Drache gewesen sein. Ihre Überreste liegen der Legende nach in der Stadt Huaiyang, der Drachenstadt, begraben.

Einer anderen Legende nach, erschien der erste Drache am Himmel Chinas, als der erste Kaiser geboren wurde. Er füllte die Löcher am Himmel, die zuvor das Monster Hung Hung hineingerissen hatte.

Das erklärt auch, warum der Drache unbedingt zu den Insignien eines Kaisers gehört. Drachenmotive fanden sich an Gebäuden, Kleidern und Gebrauchsgegenständen wieder. Der kaiserliche Thron wurde Drachenthron genannt, die Wirtschaftsmacht China wird häufig „Drache China“ genannt.

2. Mythologie

Der Drache ist neben dem Einhorn, dem Phönix und der Schildkröte eines der vier Totemtiere der alten chinesischen Religion. Er wird als Totem der Seen, Flüsse und Meere angesehen und verehrt.

Er ist verantwortlich für den Regen und somit für das Wachstum in der Natur. Der Tod eines solchen Drachen verursacht ungeheure Flutkatastrophen. Der Drache ist das ranghöchste der Schuppentiere.

Die Drachen bewachen nicht selten große Schätze und werden als Halbgötter verehrt. Den Menschen sind sie zumeist wohl gesonnen, unterstützen sie sogar. Angeblich sollen die Drachen die Kunst des Schreibens an den Kaiser Fu Xi weitergegeben haben.

3. Aussehen

Wie schon eingangs erwähnt unterscheiden sich chinesische Drachen von den uns bekannten feuerspeienden Ungeheuern.

Sie werden oftmals als schlangenförmige, fantasievolle und oft recht bunte Mischwesen aus neun verschiedenen Tieren dargestellt.

Chinesische Drachen besitzen den Kopf eines Kamels bzw. Pferdes, die Augen eines Dämons oder Teufels, die Ohren eines Ochsen, das Geweih eines Hirsches, den Hals einer Schlange, den Unterleib einer Muschel, die Klauen eines Adlers, die Tatzen eines Tigers und den schuppigen Körper eines Fisches.

Traditionell sollen die Drachen 117 Schuppen aufweisen. 81 davon mit Einfluss des Yang und 36 mit Einfluss des Yin.

Chinesische Drachen gibt es in unterschiedlichen Größen. Von der Größe einer winzigen Seidenraupe bis zur Größe der ganzen Welt findet sich nahezu alles.

Hin und wieder finden sich auch Beschreibungen die von der obigen abweichen. Das liegt teilweise auch daran, dass der Begriff Drache nicht nur für den Drachen an sich gebraucht wird, sondern auch für philosophische und mythologische Zusammenhänge oder Landschaftsformationen.

Drachen werden oftmals dem Kaiser und seinen hohen Beamten zugeordnet. Wobei nur der Kaiserdrache mit fünf Klauen dargestellt werden durfte. Die Drachen der Prinzen hatte nur vier, die der Höflinge gar nur drei Klauen. Das unberechtigte Führen von fünfklauigen Drachen wurde mit der Todesstrafe geahndet.

Die männlichen chinesischen Drachen haben unter dem Kinn oder an der Kehle eine große leuchtende Perle. Diese steht für die große Weisheit und Glück bringende Energie des Drachen, sowie für absolute Reinheit und Ordnung. Sie wird mit den Gegensätzen des Yin und Yang in Verbindung gebracht. Eine weitere Bezeichnung für diese Drachenperle ist Mondperle.

Der chinesische Drache ernährt sich von Bambus, Milch und zuweilen Schwalbenfleisch. Auch von der Einnahme von Arsen wird berichtet, das für einen Drachen ungiftig ist. Das soll vermutlich seine Unverwundbarkeit ausdrücken. Es soll sogar vom Kaiser bezahlte Beamte gegeben haben, die nur für die Fütterung der Drachen zuständig gewesen sind. Menschenfleisch haben Drachen aber wohl nicht verzehrt.

4. Verschiedene bekannte Drachen

Chien Tang

Chien Tang ist das Oberhaupt der Drachen. Er wird nicht wie üblich mit Schuppen dargestellt, sondern mit einer roten Mähne. Der Legende nach soll er mindestens 275 Meter lang sein.

Fu-Ts’ang

Fu Ts’ang sind Drachen der Unterwelt. Sie bewachen die Bodenschätze der Erde, wie Edelsteine, Gold, Silber, Erz, Kohle, Öl und so weiter.

I Ching

I Ching ist der Botschafter des Drachenkönigs Long Wang. Er ist ein Feuerdrache.

Long Wang

Long Wang ist die Bezeichnung für die Könige der Drachen. Drachenkönige waren Herren über Leben und Tod auf Erden. Long Wang soll der Legende nach in einem Palast auf dem Grund des Meeres leben und unsterblich sein. Ein Leben ohne ihn wäre nicht möglich

Shen Long

Shen Long sind Drachengeister und Beschützer der Weisheit. Sie regieren über Regen und Wind.

T´ao t`ieh

T’ao t’ieh ist der Urahn und damit älteste aller Drachen. Er wurde vom Kaiser Shin (ca. 2000 v. Chr.) in den äußersten Weltraum verbannt, weil er sich zu bösartig für die menschliche Welt verhalten hatte.

Tien-Long

Tien Long sind Himmelsdrachen. Sie beschützen den Himmel und die Behausungen der Götter. Der Begriff Himmlischer chinesischer Drache ist zudem ein Symbol für die chinesische Rasse an sich. Chinesen in aller Welt bezeichnen sich selbst als „Tik Lung Chuan Ren“ was so viel wie Nachkommenschaft des Drachen bedeutet.

Ti Long

Ti Long sind Erddrachen und somit Wächter über Meere, Flüsse, Seen und die Erde.

Yu

Yu ist der Kaiserdrache und repräsentiert sämtliche Herrscherhäuser Chinas. Der halb als Drache und halb als Mensche geborene Yu gilt als Sohn des Himmels. Er machte die Erde zu fruchtbarem Land, aus Dankbarkeit gaben ihn die Menschen den Thron Chinas.

Sämtliche Herrscher Chinas verstanden sich als Reinkarnation von Yu. Im Gegensatz zu den übrigen Drachen hat er als einziger fünf Klauen.

5. Neun Drachenkinder

Der Legende nach hatte der erste chinesische Drache neun Söhne. Von daher kennt die chinesische Mythologie neun Drachenkinder von denen jedes eine spezielle Aufgabe und die entsprechende übernatürliche Macht dafür besitzt. Eines ist für die Musik zuständig, ein anderes für die Literatur, oder für Kampf und Wachsamkeit und so weiter.

Entsprechend ihrer Aufgaben ist auch die Art ihrer Darstellung in Kunst und Architektur. Festgehalten wurde die Geschichte dieser Himmelssöhne im Geschichtsbuch „Jin-Werk“. Erstmals erwähnt wurde sie vor ca. 1500 Jahren.

Ba Xia (1. Sohn)

Ba Xia ist dafür verantwortlich schwere Dinge zu transportieren. Meist in Gestalt einer Schildkröte dargestellt, hat er sämtlich wichtigen Plätze Chinas an ihren jetzigen Ort transportiert. Er ist ein guter Schwimmer und sein Bild findet sich oft auf Brückenpfeilern und Torbögen.

Bixi (2. Sohn)

Bixi ist der klügste unter den neun Drachenbrüdern. Er kann stets gut von böse unterscheiden und ist von daher der Schutzherr der Gerichte und Gefängnisse. Dargestellt wird er häufig in der Gestalt eines Tigers.

Suan Mi (3. Sohn)

Suan Mi liebt Feuer, Hitze und Rauch. Dargestellt wird er zumeist in der Gestalt eines Löwen, er ist der Wächter der Haupttüren des Palastes. Sein Abbild findet sich oft auf den Beinen von Weihrauchgefäßen oder als Schutz vor Feuer auf den Dächern von wichtigen Gebäuden.

Jiao Tou (Jiaotu) (4. Sohn)

Jiao Tou ist der Charakterstarke, verschwiegene und verlässliche Drache. Aufgrund dieser Eigenschaften wurde er zum Torwächter des Kaiserpalastes ernannt.

Qiu Niu (5. Sohn)

Qiu Niu ist der musikalische der Drachenbrüder. Er liebt Musik über alles und bringt den Menschen Musik und Instrumente. Er wird üblicherweise mit einem Instrument dargestellt.

Pu Lao (6. Sohn)

Pu Lao ist sehr laut und liebt es zu brüllen. Er lebt in der Nähe der großen Meere. Seine Abbildung findet sich oft auf Glocken.

Chao Feng (Haoxian) (7. Sohn)

Chao Feng ist der furchtlose unter den neun Brüdern. Er liebt die Gefahr, das Abenteuer und die Herausforderung. Deshalb ist er häufig der Wächter wichtiger Plätze.

Fu Xi (Chiwen) (8. Sohn)

Fu Xi ist der philosophische Bruder. Er liebt die Literatur, das Schreiben und Dichten. Er blickt gerne in die Ferne, sein Bild findet sich oft auf Zinnen.

Ya Zi (9. Sohn)

Ya Zi ist der Kämpfer unter den Drachenbrüdern. Er wird meist in stolzer Rüstung und mit Messern, Axt und anderen Waffen dargestellt. Auf Waffen finden sich oft Darstellungen von Ya Zi.

6. Drachen im Feng Shui

Der Drache ist von jeher der Herr über sämtliche Gewässer (Meere, Seen, Flüsse, Bäche, Regen). Deshalb hat er auch die Herrschaft über den Ackerbau, denn es gibt keine Ernte ohne Regen. Er ist die personifizierte Natur.

Baute man sein Haus nicht mit den Geboten des Drachen, so konnte man sich nicht auf die Standfestigkeit seines Heims verlassen.

Oft werden im Feng Shui Bergformationen als Drachen bezeichnet. Man spricht von Drachenlinien oder Drachenadern. In der Methode der fliegenden Sterne werden die Sterne auch gerne als Drachen bezeichnen. Analog zu den Sternen als Wasser- oder Bergdrachen.

Der Drache steht symbolisch für das Yang, das männliche Prinzip von Yin und Yang.

In der Lehre der vier Tiere des Feng Shui steht es für die Himmelsrichtung Osten. Somit steht er dem Tiger (Westen) gegenüber. Der Osten symbolisiert den Sonnenaufgang und somit den Frühling und die Fruchtbarkeit, während der weiße Tiger für den Sonnenuntergang und den Tod steht.

7. Drachen in der chinesischen Astrologie

Der Drache ist in China ein wichtiger Bestandteil der Astrologie. Abhängig vom Zeitpunkt der Geburt eines Menschen können mit Hilfe der chinesischen Astrologie genaue Aussagen zu Charakter und Lebensweg eines Menschen getroffen werden.

Wie in unserer westlichen Astrologie gibt es auch in China zwölf Tierkreiszeichen. Eines davon ist der Drache.

Das Zeichen des Drachen ist eines der beliebtesten der zwölf Zeichen. Ein Kind das im Zeichen des Drachen geboren wurde, erhält die gleichen Eigenschaften wie der Drache selbst. Es wird intelligent, gütig, stark und gerecht. Da die Chinesen größtenteils nur ein Kind pro Familie haben dürfen gibt es in Jahren des Drachen immer einen regelrechten Babyboom.

Die Warenhäuser sind dann voll mit Kinderkleidung mit Drachenmotiven.

Auch für Geschäftsgründungen, wichtige Transaktionen oder Hochzeiten sind Drachenjahre besonders gut geeignet.

Die Drachen-Jahre:

17.02.1904 bis 04.02.1905
04.02.1916 bis 22.01.1917
23.01.1928 bis 09.02.1929
09.02.1940 bis 26.01.1941
27.01.1952 bis 13.02.1953
13.02.1964 bis 01.02.1965
31.01.1976 bis 17.02.1977
17.02.1988 bis 05.02.1989
05.02.2000 bis 23.01.2001
23.01.2012 bis 09.02.2013

Im Zeichen des Drachen geborenen Menschen können, vereinfacht gesagt, folgende Eigenschaften zu gewiesen werden:

Positive Eigenschaften des Drachen:

Gewissenhaft, enthusiastisch, sentimental , intuitiv, schlau, hartnäckig, einflussreich, vital, großzügig, beherzt, einnehmend, künstlerisch begabt, bewunderungswürdig, glücklich, erfolgreich, autonom.

Negative Eigenschaften des Drachen:

Unruhig, stur, eigensinnig, anspruchsvoll, reizbar, großsprecherisch, unzufrieden, weltfremd, hitzig, rasch im Urteil.

In Drachen-Jahren geborene Menschen:

Immanuel Kant: 22.04.1724
Friedrich Nietzsche: 15.10.1844
Sigmund Freud: 06.05.1856
Martin Luther King: 15.01.1929
John Lennon: 09.10.1940
Pelé: 23.10.1940
Bruce Lee: 27.11.1940
Frank Zappa: 21.12.1940
Plácido Domingo: 21.01.1941
Jürgen Klinsmann: 30.07.1964
Michael Ballack: 26.09.1976

8. Drachen in der Kunst

In der chinesischen Kunst ist der Drache seit jeher ein beliebtes Motiv. Ursprünglich nur dem Kaiser vorbehalten ziert es mittlerweile Steinpfosten, Tore, Bilder, Schnitzereien, Möbelstücke, Instrumente, Schriftstücke, Glocken, Klingen und viele mehr.

9. Geschichten über und mit Drachen

Nicht nur die Drachen in lebendiger Form brachten Glück, Frieden und Gesundheit sondern auch ihre Gliedmaßen und Körpersäfte.

Der Speichel eines Drachen soll zur Markierung von Jade und Gold geeignet sein. Zudem bildet er eine gute Grundlage für verschiedene Duftwässerchen.

Der Kaiser war befugt Drachenfleisch zu verzehren, es soll intelligent machen. Auf dem Hofe des Kaisers Chao soll einmal ein toter Drache aufgefunden worden sein. Dieser wurde sogleich vom Kaiser und seinen Ministern verspeist. Unter Anderem soll es eine feine Drachensuppe gegeben haben.

9.1 Geschichte von Kinabalu

Kinabalu ist ein Drache der östlichen Mythologie. Der Legende nach lebte er in Borneo und bewachte dort eine wunderschöne und wertvolle Perle die jeder haben wollte. Der Chinesische Kaiser schickte nun viele Männer aus um dem Drachen die Perle abzujagen. Die meisten davon scheiterten allerdings und wurden getötet.

Da schickte der Kaiser in seiner Not die beiden Knaben Ping und San. Diese warteten bis der Drache seine Höhle verlassen hatte und versuchten auf einem Papierdrachen auf den Berg zu fliegen, die Perle zu entwenden und durch eine Fälschung zu ersetzen.

Der Drache bemerkte den Schwindel allerdings schnell und nahm die Verfolgung auf. Die beiden Knaben befanden sich schon auf dem Schiff als er angriff und schossen mit einer Kanone nach dem herannahenden Drachen. Dieser hielt die Kanonenkugel für seine Perle und versuchte sie zu fangen. Dabei verletzte er sich so schwer, dass er kurz darauf starb.

9.2 Die vier Flüsse Chinas

Vor langer Zeit war China ein Land ohne Flüsse und damit vollständig vom Regen abhängig. Im Osten befand sich das große östliche Meer.

In diesem Meer lebten vier Drachen, der Lange Drache, der gelbe Drache, der schwarze Drache und der Perlendrache. Diese lebten im Meer, hielten sich aber oft in den Wolken auf.

Eines Tages spielten sie in den Wolken über dem Land als der Perlendrachen eine große Aufregung auf der Erde bemerkte. Er sah genauer hin und bemerkte viele Menschen die für Regen beteten, weil ihre Ernte zu vertrocknen drohte.

Die Drachen fühlten sich verantwortlich für die Menschen und beschlossen den Kaiser des Himmels um Hilfe zu bitten. Der Kaiser des Himmels lebte in seinem Palast und kümmerte sich nicht um die Menschen.

Der lange Drache bat den Kaiser um ein Treffen und bat ihn den Menschen mit Regen zu helfen. Nach dem Treffen flogen sie zurück und waren sich sicher den Menschen geholfen zu haben.

Kurze Zeit darauf hörten sie von der Erde Schreie der Verzweiflung. Der Regen um den sie gebeten hatten war nicht gekommen und die Menschen waren kurz vor dem Verhungern.

Da sogen die Drachen so viel Wasser aus dem Meer auf wie sie konnten und spieen es über die Erde um den Menschen zu helfen. Die Pflanzen wuchsen wieder und die Menschen waren glücklich. Ganz im Gegensatz zum Himmelskaiser, den das sehr wütend machte.

Er wies den Gott der Berge an, seine Berge in den Himmel zu erheben und die Drachen im Flug zu zerquetschen. Dieser gehorchte und tötete die vier Drachen.

Die Körperteile und Organe der Drachen fielen zur Erde und verwandelten sich in Seen und Flüsse.

Dem schwarzen Drachen wurde der Der Amur oder Hēilóng Jiāng im Norden zugewiesen, dem gelben Drachen der Gelbe Fluss (Hwangho) in Mittelchina, dem langen Drachen der Jangtse im Süden und dem Perlendrachen der Der Perlfluss (chin. Zhūjiāng bzw. Zhu Jiang), auch Perlstrom genannt im äußersten Süden.

10. Veranstaltungen rund um den Drachen

10.1 Der Drachenzug

Jedes Jahr wird in China zum Neujahrsfest ein Drachenumzug veranstaltet. Dabei wird ein aus Papier und Stoffbahnen bestehender Drache durch die Straßen getragen. Das soll Glück und Frieden für das kommende Jahr bringen indem die Drachen geweckt werden, die den Winter im Erdinneren verbracht haben.

10.2 Das Drachenbootrennen

Das Drachenbootfest gehört neben den Neujahrsfest zu den wichtigsten gesellschaftlichen Ereignissen in China. Heute dauert die Drachenbootsaison mehrere Monate. Die für die Rennen verwendeten Boote bieten 80 Personen Platz. In der Mitte befindet sich eine große Trommel mit der den Ruderern der Takt vorgegeben wird. Jedes Dorf der Umgebung stellt dazu sein eigenes Boot, an dessen Spitze sich ein geschnitzter Drachenkopf befindet.

Entstanden ist diese Tradition aus der Legende um den Staatsmann und Dichter Zhu Yuan. Dieser ertrank vor über zweitausend Jahren im Milo Fluss in der Provinz Henan. Das Unglück ereignete sich am fünften Tag des fünften Mondmonats, also in einer Zeit in der dort große Überschwemmungen nicht selten sind.

Dennoch war man sich schnell einig, dass daran nur der Drache des Flusses schuld sein kann. Deshalb wird das Drachenbootfest veranstaltet um den Drachen friedlich zu stimmen, auf dass er Zhu Yuan in Ruhe lassen möge.

11. Drachen-Orte

Die Halbinsel Kowloon vor Hongkong Island heißt übersetzt „9 Drachen“, der Kowloon Park in Hong Kong lässt sich mit „9 Drachen Park“ übersetzen. 1279 soll Kublai der Mongole den Kaiser Ping Ti in die Flucht geschlagen haben. Dieser gelangte schließlich an die Südküste Chinas, an den Ort an dem jetzt Hong Kong liegt.

Er sah in seiner Nähe 8 Berge und hielt diese für steinerne Drachen. Da er als Kaiser schließlich auch ein Drache war, wurde die Siedlung dort 9 Drachen genannt.

12. Warum es Heute keine Drachen mehr gibt

Die Menschen waren der festen Überzeugung, dass die Gliedmaßen und Säfte eines Drachen magische und heilende Fähigkeiten besaßen. Diese Annahme lockte Drachenjäger aus der ganzen Welt an, die ein Geschäft damit machen wollten.

Andere Jäger hatten es auf die wertvollen Drachenperlen oder auf die Dracheneier abgesehen. Der Besitz eines mit Gold und Diamanten verzierten Dracheneis steigerte das Ansehen seines Besitzer beträchtlich.

Auch strenge Gesetze gegen das Jagen und Töten von Drachen brachten keinerlei Erfolg, sie wurden weiterhin verbissen gejagt.

Da die Drachen keine Feindseligkeit von den Menschen erwarteten wurden sie ein leichtes Ziel für ausländische Drachentöter. Das führte im Endeffekt zur Ausrottung dieser Gattung.


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Das vorliegende Buch soll kein Fachbuch für chinesische Mythologie sein, vielmehr versucht es durch die geeignete Auswahl einiger Legenden ein gewisses Verständnis für die chinesische Kultur zu schaffen.

Von der Entstehung der Welt über die Ordnung derselben bis hin zu den Göttern und deren himmlischen Alltag soll es einen Überblick über die chinesische Weltvorstellung geben.

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Entstanden ist alles aus dem Chaos, das ja schon in der Lehre von Yin und Yang als Wu Ji eine Rolle spielt. Durch den Einfluss unterschiedlicher Kräfte wurde das Chaos in unseren jetzigen Lebensraum verwandelt.

Von der Entstehung unseres jetzigen Lebensraumes aus dem Chaos mit Hilfe der Kaiser des Süd- und des Nordmeeres und des Riese Pangu, über die Göttin Nüwa bis hin zu heutigen Vorbildern und den Göttern des täglichen Gebrauchs spannt sich der Bogen der Legenden.

Es wird erklärt, warum die Menschen sind wie sie sind, wieso der Himmel nicht herab fällt und wo der Herdgott hergekommen ist. Aber nicht nur Legenden aus alter Zeit sondern auch recht moderne Vorbilder wie z.B. die Legende Lei Feng aus der Zeit Maos werden im Buch behandelt.

Denn es ist in China nach wie vor so, dass man sich gerne nach großen Vorbildern richtet, die nach einiger Zeit durchaus den Status eines Gottes erhalten können.

Fazit:

Will man sich ein wenig näher mit der Mythologie Chinas beschäftigen um die Grundlagen der chinesischen Philosophie und Wissenschaft zu verstehen, für den ist das vorliegende Buch genau richtig.

Auf unterhaltsame Weise lernt man die wichtigsten Legenden von der Entstehung der Welt bis zur heutigen Zeit kennen. Die Erläuterungen der beiden Autoren zwischen den Geschichten lesen sich zwar manchmal etwas trocken, aber alles in allem ist es ein sehr gelungenes Werk

Die Autoren:

Astrid Zimmermann, Jahrgang 1962, studierte Sinologie und Ethnologie und reist seit fast 20 Jahren als Studienreiseleiterin durch China.

Andreas Gruschke, Jahrgang 1960, studierte Geographie, Ethnologie und Sinologie. Mehrmals im Jahr besucht er das Reich der Mitte zu Forschungszwecken. Seit 2004 arbeitet er als wissenschaftlicher Mitarbeiter in einem Sonderforschungsbereich der Universitäten Leipzig und Halle.


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Astrid Zimmermann und Andreas Gruschke
Als das Weltenei zerbrach
Mythen und Legenden Chinas
März 2008. 256 Seiten
Format 12,8 x 19,2 cm. Gebunden mit Schutzumschlag
€ [D] 19,95; € [A] 20,60; SFr 36.-
ISBN-10: 3720530523
ISBN-13: 9783720530521


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Dieses Buch und das wird schon im Vorwort angekündigt, soll keine quellenkritische Darstellung chinesischer Mythen und Legenden darstellen. Vielmehr soll durch die geeignete Auswahl einiger Legenden ein gewisses Verständnis für die chinesische Kultur geschaffen werden.

Denn viele Dinge, die wir Europäer an den Chinesen eigenartig finden, begründen sich in den alten Mythen und Legenden aus der Vorzeit. Der Bogen soll dabei von der Entstehung der Welt über die Ordnung derselben bis hin zu den Göttern und deren himmlischen Alltag gespannt werden.

Der wichtigste Unterschied zu unserer westlichen Vorstellung wird recht schnell klar. Die chinesische Welt wurde nicht von einem Schöpfer geschaffen wie wir es gewohnt sind, sie wandelte sich durch den Einfluss vieler mythischer Wesen vom Urzustand in den heutigen Zustand.

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