Yin und Yang

„Die Kenntnis von den uralten Anfängen ist die Essenz des Weges“

Das schrieb schon der chinesische Weise Lao Tse im „Tao Te King“, den Grundwerk des Taoismus. Das Konzept von Yin und Yang gehört zu den ältesten Grundlagen der chinesischen Wissenschaften und Philosophien. Es beschreibt den dualen Aufbau unseres Universums und die sich daraus ergebenden Zusammenhänge.



Yin und Yang ist nicht nur die Grundlage des Feng Shui, auch die traditionelle chinesische Medizin, die chinesische Astrologie, das I-Ging und viele weitere Methoden basieren auf diesem Konzept. Auch hierzulande gibt es diese Sichtweise der Dinge, wenn auch unter anderem Namen.

Letztendlich sind die wissenschaftlichen Erkenntnisse über Materie und Antimaterie, die christliche Schöpfungsgeschichte (Adam und Eva) oder die ganz normale Sichtweise von gut und böse nichts anderes als Erklärungsmodelle ähnlich Yin und Yang.

Unterschied zum Westen:

Während man bei sich uns in der westlichen Welt von je her eher mit materiellen Dingen beschäftigte, sie erforschte und ihre Zusammenhänge auf rein mechanische Beziehungen reduzierte, beschäftigten sich die Chinesen mehr mit den grundsätzlichen energetischen Zusammenhängen ihrer Welt.

Die moderne Quantenphysik hat mittlerweile erkannt, dass dieser Ansatz grundsätzlich nicht ganz falsch war. Ist man sich doch heute sicher, dass Materie und Energie aus den gleichen Grundbausteinen bestehen. Letztendlich ist Materie nur verdichtete Energie.

Die Theorie:

Am Anfang aller Dinge war das „Nichts“, chinesisch mit Wu Ji bezeichnet. Dieses „Nichts“ kann mit dem Verständnis unserer westlichen Welt nicht sicher definiert werden, genau wie auch die Energie vor dem Urknall war nicht näher definiert ist oder das was vor Adam und Eva existiert haben mag.

Dabei versteht man unter dem „Nichts“ kein Vakuum oder das vollkommene Nichtvorhandensein von Energie. Vielmehr ist das „Nichts“ die Basis aus dem etwas entstehen kann. Sozusagen die Urenergie.

Ähnlich dem Blick in einen wolkenlosen Himmel, in dem sich langsam Wolken bilden. Zuerst ist nichts als leerer Himmel zusehen. Aus dieser scheinbaren Leere entstehen dann plötzlich Wolken. Sie formieren sich, werden größer, nehmen Struktur an.

yinyang-1Symbolisiert wird dieses „Nichts“ mit einem vollkommenen Kreis. Mit ihm werden gleichzeitig Fülle und Leere, endlose Bewegung und vollkommene Ruhe ausgedrückt.


yinyang-2Dieses „Nichts“ wird nun mit „Etwas“ befruchtet. Ähnlich der Befruchtung einer Eizelle aus der neues Leben entsteht. Was vorher nur die Basis aller Existenz darstellte ist jetzt befruchtet und bereit Leben und Bewegung entstehen zu lassen.


yinyang-3Aus dem befruchteten „Nichts“ entsteht nun „Etwas“ und „Etwas Anderes“. Yin und Yang, Materie und Antimaterie, Adam und Eva waren geboren.


Beide Hälften können koexistieren, weil sie sich gegenseitig zum Ganzen addieren. Keines der beiden kann alleine bestehen. Yin nicht ohne Yang, Adam nicht ohne Eva, Materie nicht ohne Antimaterie, gut nicht ohne böse.

Diese Koexistenz nennt man auf chinesisch Tai Ji.

Aus der alleinigen Koexistenz entsteht aber noch kein Leben, es gibt keine Bewegung. Erst wenn ein Kreislauf entsteht, entstehen die Dinge unseres Lebens. Die „Zehntausend Dinge“ sind entstanden. Dieser Kreislauf wird dargestellt mit dem allseits bekannten Yin-Yang Symbol:

yinyang-4Dieses Symbol wir oft fälschlicherweise als Feng Shui Symbol bezeichnet, obwohl es nichts geringeres als die Beschreibung des dualistischen Aufbaus unseres Universums darstellt. Feng Shui ist nur eine der vielen Philosophien und Wissenschaften die auf dem Prinzip von Yin und Yang basieren.


Es beschreibt die ständige Wandlung von Yin zu Yang und von Yang zu Yin. Die beiden Punkte bedeuten, dass im Maximum des Yang der Beginn des Yin liegt und im Maximum des Yin der Beginn des Yang.

Das ist die Basis des ständigen Kreislaufs unseres Universums.

Sichtbar wird dieser Kreislauf beispielsweise im Kreislauf der Jahreszeiten. Der Winter stellt ein Maximum an Yin dar, enthält aber gleichzeitig den Beginn des neuen Jahres. Der Kreislauf geht über den Frühling zum Maximum des Yang, dem Sommer.

Der Sommer enthält aber gleichzeitig den Beginn der zweiten Jahreshälfte in der sich die Jahreszeiten über den Herbst wieder dem Winter nähern.

Anwendung:

Als alleinige Methode ist das Prinzip von Yin und Yang eher theoretisch anwendbar. Es muss immer in Zusammenhang mit weiteren geeigneten Methoden betrachtet werden. Im Fall des Feng Shui sind das die fünf Elemente, das Qi, die fliegenden Sterne und so weiter.

Zudem stellt Yin und Yang keine absolute Methode dar. Es ist nicht möglich Dinge absolut dem Yin oder dem Yang zuzuordnen. Die Beziehung Yin – Yang ist immer relativ zu sehen.

So wird eine leuchtende Glühbirne gegenüber einer nicht leuchtenden Yang sein. Der Sonne gegenüber aber Yin.

Ein fahrendes Auto ist gegenüber einem parkenden Auto Yang, da es sich bewegt. Gegenüber einem schnelleren Auto oder einem Flugzeug ist es Yin.

Die Farbe Rot ist Yang gegenüber der Farbe Blau. Gegenüber einem noch helleren, leuchtenderen Rot ist sie Yin.

Yin und Yang stellen also niemals absolute Eigenschaften dar, sondern immer relative Beziehungen zwischen den Dingen. Ein Gegenstand kann immer nur in Relation zu einem anderen Gegenstand als Yin oder Yang bezeichnet werden.

Um Ihnen eine Orientierung zu geben, welche Eigenschaften in Frage kommen um Yin oder Yang zu definieren, wird die folgende Tabelle hilfreich sein. Aber immer daran denken, die Beziehungen sind Relativ, nicht Absolut. Alles befindet sich in ständigen Wandel.

Im Feng Shui geht es nicht darum, absolute Zustände zu definieren, sondern Zusammenhänge zu erkennen und zu beeinflussen.

Yin – Yang

Erde – Himmel
Mond – Sonne

Nacht – Tag
Dunkel – Hell
Schatten – Licht
Kalt – Heiß

Schwarz – Weiß

Stofflich – Nicht stofflich
Weich – Fest
Wasser – Feuer

Weiblich – Männlich
Tod – Leben
Mutter – Vater
Tochter – Sohn

Passiv – Aktiv
Beruhigend – Anregend
Ruhe – Aktivität
Ruhiges Wasser – Belebtes Wasser
Stille – Bewegung
Traurig – Wütend

Zusammenziehen – Ausdehnung
Abwärts – Aufwärts
Unten – Oben
Tief – Hoch
Rücken – Vorderseite
Boden – Spitze

Süß – Sauer

Um ganze Räume danach zu beurteilen ob die eher Yin oder eher Yang sind, bedarf es einiger Übung. Denn es muss zu diesem Zweck das große Ganze wahrgenommen werden. Einzelne Gegenstände definieren zu wollen, wird nicht funktionieren.

Zudem hängt die Yin-Yang Qualität eines Raumes stark von dessen Nutzung ab. Es kann also durchaus sein, dass ein Raum tagsüber eher als Yang einzustufen ist, nachts eher als Yin.


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