Hoch hinaus – am Seil

Industrieschornstein

Ein potentielles Objekt für einen Industriekletterer

Die meisten Eigenheimbesitzer werden mit dem Gegenstand dieses Artikels kaum in Berührung kommen, es sei denn, sie besitzen eine Eigentumswohnung in einem Hochhaus. Es geht um Industriekletterer.

Ein Beruf, der für die meisten Menschen immer noch recht exotisch wirkt, obwohl er sich mittlerweile gut etabliert hat. Und er ist im Kommen, denn je mehr Gebäude immer weiter in den Himmel wachsen, desto größer wird der Bedarf an Leuten, die Reparatur- und Wartungsarbeiten in diesen großen Höhen durchführen können.

Während die Reparatur an z.B. der Fassade bei einem Ein- oder kleineren Mehrfamilienhaus noch einfach mit Gerüst oder gar einer mobilen Arbeitsbühne erledigt werden kann, wird das bei zunehmender Höhe schwierig. Ein Gerüst aufzustellen ist oft viel zu teuer und bei manchen Objekten schlicht gar nicht möglich. Oder wer hat schon einmal einen Fernsehturm oder einen Hochspannungsmasten im Gerüst gesehen?

Also werden Arbeiter benötigt, die an ihren Arbeitsort klettern, oder sich dorthin abseilen können. Industriekletterer eben. Dieser Beruf ist einer derjenigen, die erst durch unsere moderne Welt überhaupt notwendig geworden sind.

So kamen Seilsicherungen erst in den 1930er Jahren auf. Es gab zwar vorher schon genügend hohe Baustellen, allerdings wurde dort in der Regel ohne Sicherung gearbeitet. Das erste prominente Beispiel für den Einsatz von Seilsicherungen war übrigens der Bau der der Golden Gate Bridge in den späteren 1930er Jahren. Man konnte so die Zahl der tödlichen Unfälle signifikant senken.

Allerdings wurde damals noch nicht am Seil geklettert, es wurde nur zur Sicherung eingesetzt. Wirkliche Industriekletterer kamen in den 1970er Jahren auf. Damals begannen britische Arbeiter damit, zur Wartung von Bohrinseln in der Nordsee erste Seiltechniken zu entwickeln. Denn das Aufstellen von Gerüsten war auf den Bohrinseln kaum möglich, wie sollte ein Gerüst auch dorthin gelangen?

Auch in der DDR gab es zu dieser Zeit bereits Industriekletterer, sie wurden beispielsweise zum Abdichten der Fugen an Plattenbauten eingesetzt. Hier war das Aufstellen eines Gerüstes schlicht zu teuer. Diese Arbeitstechniken wurden in der DDR unter dem Begriff „Technosport“ zusammengefasst und staatlich anerkannt.

Nach der Wende wurde die Industriekletterei dann erst einmal nicht von den Berufsgenossenschaften anerkannt, weil entsprechende Regelwerk efehlten. Erst der 1995 gegründete Fach- und Interessenverband für seilunterstützte Arbeitstechniken e.V. konnte die Zulassung solcher Verfahren erwirken.

Seit 1997 gibt es vom Verband erarbeitete Richtlinien zur Ausbildung und Arbeitssicherheit für seilunterstützte Zugangstechniken und auch eine anerkannte Ausbildung die internationalen Standards entspricht.

So sieht man Industriekletterer immer häufiger, sie sanieren Hochspannungsmasten, Fassaden und schwer zugängliche Dächer. Bringen Werbeanlagen an und warten sie, sie reinigen Fassaden und große Glasflächen oder montieren Windkraftanlagen.

Mittlerweile gibt es für solche Aufgaben auch spezialisierte Fachfirmen wie z.B. PIGO Extremtechnik, die wissen was sie tun und für jede Aufgabe den passenden Fachmann bereit halten. Denn ein Industriekletterer ist nicht zwangsläufig ein ausgebildeter Handwerker und kaum ein gewöhnlicher Handwerker ist mit der Klettertechnik vertraut. So fällt die Suche nach dem genau passenden Fachmann ohne kompetenten Partner mehr als schwer.


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