Der Container, das verkannte Genie

Container Gästehaus von Poteet Architekten

Container Gästehaus von Poteet Architekten

“Was will er denn jetzt mit Containern?” werden sich einige meiner Leser sicher fragen, angesichts dieser Überschrift. Die ist kein Scherz, es geht wirklich um Container. Je genau, diese großen Blechkisten, die auf Schiffe verladen und um die halbe Welt gefahren werden.

Diese Art des Warentransports hat so ganz nebenbei die Transportwirtschaft revolutioniert. Zu früheren Zeiten wurden Waren aller Art einfach lose, so wie sie waren auf Schiffe, Kutschen oder in Züge verladen. Je nachdem wie unhandlich die Fracht war, brauchte man Unmengen von Arbeitern zum Be- und Entladen und natürlich jede Menge Zeit.

Im 18. Jahrhundert begann man damit, lose Waren in große Holzkisten zu verpacken. Das vereinfachte den Transport schon um einiges. Problematisch waren allerdings immer noch die vielen verschiedenen Größen und Formate, die sich nie ordentlich stapeln ließen. So kamen im 20. Jahrhundert schon erste Vorläufer genormter Kisten auf, so in Holland beispielsweise die Laadkist TRM 903 als Eisenbahncontainer. In den 1920er Jahren begann das Railway Clearing House in Großbritannien damit, eine erste Norm zu entwickeln. Es gab Container in 5 oder 10 Fuß Länge.

20 Jahre später gab es in Deutschland und der Schweiz genormte Container und 1956 wurden erstmals Seecontainer von Newark nach Houston verschifft, 1961 legte die Internationale Organisation für Normung (ISO) internationale gültige Maße fest, der heutige Seecontainer war geboren.

Den gibt es in mehreren Größen, die bekanntesten sind der 40-Fuß-Container in den Maßen 12,192 × 2,438 × 2,591 Meter, von dem über 15 Millionen Stück im Verkehr sind und der 20-Fuß-Container in den Maßen 6,058 × 2,438 × 2,591 Meter. Eine überaus praktische Sache, aber was haben Frachtcontainer auf einer Seite zu suchen, die sich mit Bauthemen beschäftigt? Ganz einfach, weil findige Leute auf die Idee gekommen sind, Container als Gebäude zu nutzen.

Solche Wohn- oder Bürocontainer sind den meisten Menschen durchaus bekannt, meistens sieht man sie auf Baustellen als Unterkünfte für die Arbeiter oder auch mal als temporäre Bürogebäude, wenn gerade saniert oder neu gebaut wird. In der Regel stellen solche Containerhäuser keinen all zu schönen Anblick dar, zweckmäßig müssen sie halt sein und schnell auf- und abzubauen.

Aber wo es zweckmäßige Bauweisen gibt, da kommen früher oder später findige Architekten daher und machen etwas schönes daraus. Und genau das passiert in den letzten Jahren immer öfter mit Wohncontainern. Sie werden umgestaltet, bearbeitet und immer wieder neu kombiniert, Dabei entstehen wunderschöne Objekte, die auf den ersten Blick so gar nicht mehr wie Containerhäuser aussehen.

Ein Container-Gästehaus

Container Gästehaus von Poteet Architekten

Container Gästehaus von Poteet Architekten

Ein besonders schönes Exemplar haben die Poteet Architekten entworfen und zwar ein Container-Gästehaus. Es besteht aus nur einem einzigen gebrauchen 40 Fuß Seecontainer und verwandelt ihn in ein wunderschönes Häuschen mit einer Menge Platz und viel Gemütlichkeit.

Die Zukunft: Das Hive Inn Projekt

Ein Haus aus Containern ist ja eigentlich nichts Besonderes, eher schon ein ganzes Hotel aus Containern. So ein Projekt hat das Architekturbüro Ova-Studio aus Hongkong vorgestellt. Ein Turm aus übereinander gestapelten Seecontainern sollte es werden und zwar einer der es in sich hat. Nicht nur optisch wirft der Entwurf die gesamte Branche der Hotelarchitektur durcheinander, auch funktional.

Das HIVE-INN Projekt der Architekten von OVA-Studio

Das HIVE-INN Projekt der Architekten von OVA-Studio

Die Module werden nämlich nicht einfach “nur” gestapelt, vielmehr sitzen sie in einer Stahlstruktur aus der sie jederzeit herausgezogen werden können. So wäre es Langzeitreisenden oder Menschen die immer mal wieder den Wohnort wechseln möchten möglich, ihren Container einfach aus der Halterung zu ziehen und zum neuen Wohnort mitzunehmen. Ein weiteres Hive Inn Hotel am Zielort oder ein geeigneter Stellplatz vorausgesetzt.

Zusätzliche Container ließen sich jederzeit hinzufügen wenn mehr Platz benötigt wird. Auch für Unternehmen wäre das ein interessantes Konzept, so könnten sie je nach Bedarf anstatt Wohncontainern natürlich auch Bürocontainer einschieben.

Aber das Architekturbüro denkt noch weiter und hat ihr Konzept gleich mal in ganz ökologischer Manier zur Hive-Inn City Farm weiterentwickelt. Hier werden nicht alle Slots mit Wohncontainern besetzt, sondern es kommen Farmcontainer hinzu. So könnten sich die Bewohner gleich noch ihren Garten anlegen und ihn bei Bedarf sogar mitnehmen.

Das HIVE-INN City Farm Projekt der Architekten von OVA-Studio

Das HIVE-INN City Farm Projekt der Architekten von OVA-Studio

Auch wenn dieses Projekt wohl nicht in absehbarer Zeitrealisiert wird, zeigt es doch wie viel Potential noch im Container steckt, wenn man nur findige Leute an das Thema heran lässt.

Selbermachen?

Aber braucht man denn einen Architekten dazu? Nein, ein Heimwerker genügt vollkommen, denn das gute an so einem Seecontainer ist, dass er bereits eine tragende Struktur darstellt. Sicher, ein wenig Erfahrung und das richtige Werkzeug ist schon erforderlich um einen Container in ein Haus oder ein kleines Büro umzubauen, aber machbar ist es durchaus.

Die Aufstellung ist ebenfalls mehr als simpel, ein einfaches Betonfundament genügt, bei festem Untergrund geht es sogar ohne. Zu beachten sind lediglich die lokalen Bauvorschriften, nicht in jedem Garten darf man einfach so einen Container aufstellen, da sollte vorher auf jeden Fall der Gang zur zuständigen Bauaufsichtsbehörde stehen. Nicht dass man in hernach wieder entfernen muss – was bei einem Container allerdings nicht all zu schwierig wäre.

Gebrauchte und neue Container bekommt man bei einschlägigen Händlern, bei Ebay oder sogar im Kleinanzeigenteil der lokalen Zeitung. Wer sich aber weder um den Zustand seiner Neuerwerbung Sorgen machen, noch den Transport selbst organisieren möchte, dem sei der Gang zu einem Händler angeraten. Die Seite containerbasis.de ist dafür eine gute Anlaufstelle, dort findet sich so ziemlich alles was es über Container zu wissen gibt, inklusive einem Service für Käufer, zu finden unter www.containerbasis.de/seecontainer-kaufen/

Dort wird einem sogar der Transport organisiert, der ist zwar keine große Sache, immerhin kann fast jede Spedition mit Containern umgehen, aber die Preise gehen weit auseinander und nicht jeder Transporteur ist scharf auf Privatkunden die in engen Wohngebieten leben.


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