Knisternde Zeiten – warum im Winter die Funken so leicht überspringen!

Jetzt im Winter kommt es wieder vermehrt zu Funkenbildung und elektrischen Schlägen zwischen Menschen untereinander oder zwischen Menschen und allerlei Gegenständen.

Das sind keine Zeichen für besondere Zuneigung oder die Übertragung von Energie, damit man sich wohler und gesünder fühlt. Ganz im Gegenteil sind diese elektrostatischen Entladungen die sichtbaren Symptome für schlechtes Raumklima oder zumindest für die Verwendung von fragwürdigen Textilien und Gegenständen.
In den meisten modernen Wohnungen wird die Raumluft an Heizkörpern oder durch Öfen erwärmt und durch Konvektion, also Luftströmungen im jeweiligen Raum verteilt.

Das führt nicht nur dazu, dass am Boden oft unangenehme, kühle Luft an den Beinen der Menschen vorbeistreicht, während gleichzeitig in Kopfhöhe und darüber recht hohe Luft-Temperaturen herrschen. Die Luftbewegungen erzeugen auch Reibung an allen umströmten Gegenständen. An allen Oberflächen aus Kunststoff ist diese Reibung die Ursache für elektrostatische Ladungen in Form von positiven Luftionen. Dadurch ergibt sich eine Überzahl an solchen Ionen in der Raumluft – in einer sauberen, unbelasteten Außenluft herrscht üblicherweise wie im Freien ein Gleichgewicht zwischen Plus- und Minus-Ionen. In den geschlossenen Räumen wird das Ungleichgewicht aber immer größer. Je mehr künstliche Oberflächen vorhanden sind, desto schlimmer wird es.

Künstliche Oberflächen in diesem Zusammenhang sind Laminat-, PVC- oder Teppichböden und Teppiche aus Synthetikstoffen, Vinylschaumtapeten, Kunststoffdispersionsfarbschichten, Vorhänge, Stores, Decken, Kissen und Polstermöbel aus Nylon, Polyester und Polyamid, kunststoffbeschichtete Möbel aus Pressspan, lackierte Oberflächen auf Holz oder Stein, kurz: Alle Gegenstände aus Kunststoffen bzw. mit kunststoffbeschichteten Oberflächen.

Da die Menschen im Winter die Fenster naturgemäß nicht oft und lange öffnen, können diese elektrostatischen Felder nicht ins Freie gelangen, um dort an leitfähigen Flächen ihr Ladungspotential wieder auszugleichen. Satt dessen werden die Felder immer stärker und Entladungen gibt es meist dann, wenn die Menschen in der aufgeladenen Luft eine Brücke zu einem leitfähigen Gegenstand oder einem anderen Menschen bilden. Dann sprühen die Funken und man bekommt einen elektrischen Schlag, meist an unbedeckten Körperstellen wie Fingern oder Teilen des Gesichts, was oft recht schmerzhaft sein kann.

Das aber sind nur die direkt spürbaren Auswirkungen dieses Phänomens. Viel schlimmer, weil zunächst unmerklich, ist folgender Sachverhalt: Die positiv geladenen Ionen heften sich an Staubteilchen in der Luft, die normalerweise recht schnell wieder zu Boden sinken und halten sie viel länger als normal in der Schwebe. An diesen Feinstäuben befinden sich auch Schadstoffe aller Art – Ruß, Weichmacher, Wohngifte wie Benzol und Toluol oder Aldehyde, Keime und Schimmelpilze sowie Schwermetalle. Diese Schadstoffe gelangen so in vermehrtem Maße in die Atemwege und in den Körper. Das ist aber noch nicht alles. Die positiv geladenen Ionen reizen die Schleimhäute in Nase und Mund, weshalb man in solchen Räumen immer das Gefühl von trockener Luft hat, weil die Schleimhäute austrocknen.

Der Schadstoffeintrag und die Schleimhautreizungen belasten nicht nur das Immunsystem des Körpers, sondern führen durch regulatorische Prozesse auch dazu, dass man sich in so belasteter Luft schneller müde fühlt. Auch Kopfschmerzen, allgemeine Unruhe, stressbedingtes Unwohlsein und sogar Herz- und Kreislaufprobleme können durch die elektrostatischen Ladungsungleichgewichte entstehen.

Manche Menschen versuchen, diesen Problemen zu begegnen, indem die Luft befeuchtet wird. Das aber ist in der Regel nicht ausreichend, weil damit das Ungleichgewicht der Ionen nicht ausgeglichen wird, sondern durch die Feuchtigkeit in der Luft nur deren Leitfähigkeit etwas verbessert wird, so dass die Entladungen etwas leichter stattfinden. Am grundlegenden Problem wird dadurch nichts geändert.

Das Beste, was man tun könnte, ist gleichzeitig recht aufwendig: Alle Kunststoffoberflächen sollten durch natürliche ersetzt werden. Pures, naturbelassenes oder nur geöltes Holz für Möbel, Wände oder Decken ist das Mittel der Wahl, Wandflächen kann man streichen mit Kalk-, Lehm- oder Silikatfarben, für alle Kleider, Möbel und Polster sind Naturfasern das Beste, Plastiktapeten kann man entweder ganz weglassen oder ersetzen durch solche aus Papier. Auch der Austausch der normalen Heizkörper gegen Fußboden- oder Wandheizungen oder Randheizleisten sind Möglichkeiten für das Vermeiden von elektrostatischen Aufladungen und schlechter Luft in Wohnräumen.

Die genannten Maßnahmen scheinen zwar aufwendig zu sein, aber jeder Mensch, der im Winter schon mal in solchen „Öko-Wohnräumen“ war, der oder die wird nichts mehr anderes haben wollen. Die Raumluft kann dabei relativ kühl gehalten werden, während die Umfassungswände bzw. der Boden die Wärme als Strahlung abgeben. Es gibt keine Zugerscheinungen mehr, der Kopf bleibt kühl und die Atemwege werden nicht belastet.

Als Erstmaßnahme bis zu einer entsprechenden Renovierung der Wohnung, um die große Zahl der positiven Ionen in der Luft vollständig zu vermeiden, kann man durch häufiges richtiges Lüften die unerwünschten Zustände wenigstens etwas verbessern. Dabei sollte man am Besten alle drei Stunden für etwa 10 Minuten für Durchzug in der Wohnung sorgen. Mit solch einem winterlichen Luftwechsel hat man die Feuchtigkeit durch die Bewohnung, den Staub, die Schadstoffe und die positiven Ladungen in der Luft hinaus transportiert und ausgewechselt gegen saubere Frischluft mit geringem Feuchte- und Staubgehalt. Das funktioniert natürlich nur, wenn man nicht an einer Hauptverkehrsstraße wohnt. In solchen Fällen und dann, wenn man nicht so oft zuhause sein kann, wäre eine automatische Lüftungsanlage mit Grob- und Feinfilterung der Außenluft das Sinnvollste.

Fragen Sie Ihren Baubiologen, der oder die kann die Qualität Ihrer Raumluft messen und Ihnen die besten Vorschläge für eine Optimierung der Verhältnisse machen.

Uwe Dippold
www.baubiologie-nuernberg.de


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