Elektrosmogarme Elektroinstallation aus baubiologischer Sicht

Die meisten Elektrosmogfelder in unseren Wohnbereichen sind „hausgemacht“. Bei der üblichen Installation auf der Basis von Wechselstromspannung entstehen elektrische Wechselfelder. Diese werden von jeder Stromleitung, Schalter, Steckdose und eingesteckten Geräten bei anliegender Spannung in die Umgebung abgegeben. Bei Gerätenutzung, also wenn Strom fließt, entstehen zusätzlich magnetische Felder.

Mit einer optimierten, baubiologisch geplanten Elektroinstallation ist es aber mit meist einfachen Maßnahmen möglich, die üblicherweise vorhandenen technischen Störfelder gering zu halten.Baubiologische Elektroinstallationen für Wohngebäude sollen elektrische, magnetische und elektromagnetische Feldausbreitungen reduzieren. Die Installationen sollten dem aktuellen Standard der Baubiologischen Messtechnik entsprechen.
Bei einem Neubau kann durch gezielte Planung der Elektroinstallation die Elektrosmog- Auswirkung insbesondere für die Wohn- und Schlafräume vermieden werden. Aber auch nachträglich lassen sich durch einzelne Veränderungen Belastungen reduzieren.

In der Praxis werden häufig drei Maßnahmen kombiniert:

Die Feldvermeidung, die Feldabschaltung und die Feldabschirmung.

Bereits beim Hausanschluß durch den Stromanbieter kann man einige Vorkehrungen berücksichtigen:
– Verwendung eines geeigneten Elektrohausnetzes (TT-Netz, TN-S-Netz, Erdkabel nicht unter dem Haus, Verteiler im geerdeten Stahlblechgehäuse),
– Verwendung von Schutzklasse 1-Verteilerkästen zur Ableitung der elektrischen Wechselfelder,
– Verzicht auf Smartmeter mit Funktechnik.

Eine solide Erdung ist von besonderer Bedeutung: Fundamenterdungsleitungen sollten als geschlossene Ringe mit möglichst geringen Potentialdifferenzen ausgeführt werden, vagabundierende Ströme im Hausnetz oder auf Metallrohren im Haus müssen vermieden werden. Die Fundamenterder sollten am besten bis zum Grundwasser reichen, Erdspieße können dafür sinnvoll sein.
Für die Schutzerde und die Feld ableitenden Beidrähte der abgeschirmten Kabel sollten separate Sammelschienen eingerichtet werden. Anschließend sind diese beiden Sammelschienen zum Hauptpotentialausgleich zu führen und zu verbinden. So ist eine saubere Erdung ohne Fehlerströme gegeben.

Für die weitere Elektroverteilung gelten folgende Empfehlungen:

– Die Leitungen sollten möglichst sternförmig und nicht als Ringleitungen verlegt werden, – bei allen fest eingebauten Schaltern ist darauf zu achten und zu überprüfen, dass die Phase durch die Schaltung unterbrochen wird, nicht der Neutralleiter, den Phasenleiter entsprechend VDE-Vorschrift immer auf die linke Steckbuchse der Steckdose legen,
– Schlaf- und Ruheplätze (auch Wohnraum) möglichst weit vom Hausanschluss, der Hauptzuleitung, dem Zählerschrank, der Steigleitung und den Unterverteilungen einrichten,
– zusätzlich lassen sich für diese sensiblen Bereiche installationsfreie Zonen einplanen, in denen sich keine Leitungen und Verbrauchesgeräte befinden sollten.
– für die Sicherungskreise der Schlaf- und Kinderzimmer werden zusätzlich Netzfreischalter empfohlen, die die Wechselstromspannung automatisch gezielt bei Bedarf zuschalten und nach dem Bedarf wieder abschalten,
– falls in den freizuschaltenden Bereichen Dauerstromverbraucher vorhanden sind, die nicht abgeschaltet werden können, sollten diese einzeln abgesichert werden und ggf.
abgeschirmt werden. Hierzu zählen z.B. Rollladensteuerungen, Antennenanlagen, Alarmanlagen, Außenlampen o.ä.,
– wenn weder die Vermeidung noch die Abschaltung der Felder möglich ist, werden Abschirmungen erforderlich.
Hierzu stehen dem Planer abgeschirmte Produkte für die gesamte elektrische Anlage von der Schalterdose in der Wand über die Leitung bis zur Steckdose zur Verfügung. Bei Abschirmprodukten ist jedoch zu bedenken, dass nur die elektrischen Felder geschirmt werden, die Abschirmung magnetischer Felder ist in der Regel nicht möglich.
In hochwertigen abgeschirmten Kabeln werden sie aber durch eine Verdrillung der einzelnen Adern stark reduziert.
Bei abgeschirmten Leitungen gilt:
– Verwendung möglichst PVC- und Halogen- freier Produkte. Die Beidrähte der geschirmten Leitungen werden miteinander verbunden und an einem Ende bis zur Potentialausgleichschiene geführt. Das andere Ende wird nirgends angeschlossen. Die Beidrähte werden auch nicht mit der Schutzerde verbunden.
– Antennenanlagen werden fachgerecht auf der Potentialausgleichsschiene geerdet.
– Bei der Nutzung des Gebäudes ist auf feld- und emissionsarme Geräte zu achten: d.h. Verzicht auf dauersendende Funkeinrichtungen (insbesondere Schnurlostelefone nach dem DECT- Standard, W-LAN-Netzwerke etc.). Zusätzliche Telefon- und Datenkabel- Anschlüsse sind deshalb sinnvoll.

Bei der Beleuchtung sind konventionelle Glühbirnen und Hochvolt-Halogenbirnen mit einem Lichtfarbspektrum ähnlich dem des Sonnenlichtes den moderneren, aber baubiologisch bedenklichen Energiespar- und LED-Birnen wegen deren starken Elektrosmogs vorzuziehen. Trafos von Niedervolt-Halogenbirnen erzeugen in der Regel starke magnetische Felder. Inzwischen gibt es aber auch baubiologisch unbedenkliche LED-Birnen für Wechselspannung.

Möglich wäre auch die Installation eines feldarmen Gleichstrom-Niedervoltsystems für die Lichtquellen im Haus, mit dem Halogenlampen und ggf. später auch LED-Lampen betrieben werden könnten. Solch ein System lohnt sich besonders dann, wenn man auf dem Hausdach eine Fotovoltaikanlage hat, deren Strom man in Batterien zwischenspeichern und für den Eigenbedarf nutzen kann.

Es sollte vorausschauend geplant werden: Für evtl. spätere Nutzung sollten Telefon- und Netzwerkkabel oder Leerrohre zu potentiellen Nutzerräumen wie Kinder- oder Arbeitszimmer gelegt werden.

Der Aufbau einer baubiologischen Elektro-Installation sollte von einem erfahrenen baubiologischen Messtechniker begleitet und betreut werden. Während der Planung und Durchführung der Arbeiten kann er beratend zur Verfügung stehen. Nach Fertigstellung sollte eine Kontrollmessung durchgeführt werden.

Gerade bei Holzhäusern sollte man der Elektroinstallation eine besondere Beachtung schenken, da sich die technischen Felder hier noch stärker ausbreiten können als bei Massivhäusern aus Stein.

Uwe Dippold
www.baubiologie-nuernberg.de


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