7. EMV-Tagung des Verband der deutschen Baubiologen VDB in München

Nach sechs Jahren Pause führte der VDB seine Fortbildungen zur elektromagnetischen Verträglichkeit (EMV) weiter und es hat sich gelohnt. Der Autor dieser Zeilen war als Teilnehmer dabei.

Der VDB ist als Berufsverband der Baubiologen und Veranstalter von fachlich anspruchsvollen Tagungen und Kongressen allgemein anerkannt. Die technische Entwicklungen bei der Stromversorgung in Deutschland aufgrund der Zunahme der regenerativen Energieerzeugung und beim Mobilfunk mit drahtlosem Datenverkehr machen es für alle Baubiologen nötig, sich damit zu befassen und ihre Messtechnik entsprechend anzupassen.

Themen der Tagung am Freitag waren die Vorstellung eines nichtmetallischen, magnetisch nicht wirksamen Bewehrungsmaterials für Betonbauteile, aktuelle politische Entwicklungen beim öffentlichen Umgang mit Mobilfunktechnologien, ein Überblick über RFID-Technik, die Vorstellung einer Messreihe von Belastungen aus dem Betrieb von Smartphones, der Stand und die Immissionsproblematik bei der neuen Mobilfunktechnologie LTE.

Am Tag darauf ging es um neue Hoch und-Höchstspannungstrassen sowie die unterschiedlichen technischen Möglichkeiten zu ihrer Realisierung, die Technik bei Smart Metern und verwandten Anwendungen sowie die dabei entstehenden elektromagnetischen Belastungen durch Power Line Communication (PLC), die zu einer Verstärkung der Befeldung durch elektrischen Strom führt, sogenannte „Dirty Power“. Zwei Vorträge drehten sich dann um Möglichkeiten zur Vermeidung von solchen Belastungen durch moderne Zähler sowie um die Störungsreduzierung durch Netzfilter. Zum Abschluss gab es Infos und Zahlen über die Politik zur Energiewende.

Hier sollen kurz die wichtigsten Einzelheiten vorgestellt werden:

Mit der Entwicklung eines Bewehrungsmaterials aus mit Kunstharz vergossenen Glasfasern ist es möglich, Betonbauteile zu erstellen, die keinerlei Verzerrungen des natürlichen Magnetfeldes mehr verursachen. Damit ist es möglich, baubiologisch unbedenkliche Fundamente und Bodenplatten völlig ohne Metall herzustellen. Das Produkt ist zwar teurer als die konventionelle Bauweise, aber da die Betonüberdeckungsstärke der Armierung nicht so dick sein muss wie bei Stahl, halten sich die Mehrkosten in Grenzen.

Moderne Smartphones sollte man nicht unbeaufsichtigt liegen lassen, sie nehmen ständig Kontakt zum Internet und diversen Aktualisierungsdiensten ihrer installierten Programme sowie den Anbietern ihrer Betriebssysteme auf, um sich zu melden, zu synchronisieren oder den Standort zu melden. Das tun sie regelmäßig und immer auch im Standby, während der Ladezyklen und im normalen Betrieb sowieso. Einige der modernen Handies holen solche Kontakte sogar exzessiv nach, wenn sie einige Zeit vollständig ausgeschaltet waren. Wenn man also sein Smartphone unter Kontrolle haben möchte und nur dann belastet werden möchte, wenn man es auch selber will, so sollte man den Geräten einfach den Internetzugang sperren und verbieten. Ausschalten und Nichtbenutzen ist natürlich noch besser.

Die zunehmende Verbreitung von neuartigen Stromzählern und die Bestrebungen der Industrie führen dazu, dass die Zähler entweder per Mobilfunk, WLAN oder über die Stromkabel per Power Line Communication (PLC) mit den Stromanbietern kommunizieren. Die PLC-Technologie führt dazu, dass die Stromkabel eines Hauses plötzlich zu Sendeanlagen bzw. Abstrahlern von allen möglichen Signalen werden, die zum Teil als Störsignale andere Geräte beeinträchtigen oder die Gesundheit von Menschen belasten.
Störsignale kommen auch von außen über die Stromleitungen in die Häuser. Diese Signale werden erzeugt durch Wechselrichter von Fotovoltaik- oder Winkraftanalagen, durch die Unzahl moderner Schaltnetzteile für unsere mobilen Endgeräte und Ladestationen für Elektroautos.

Die durch diese Geräte entstehenden unregelmäßigen Oberschwingungen liegen auf den sauberen Sinusschwingungen unserer 50-Hertz-Stromversorgung auf und können auch zu Geräteüberhitzungen und Zerstörungen von Kondensatoren etc. führen.

Abhilfemöglichkeiten gegen hausgemachte Störsignale bieten Smart Meter, die per Datenkabel mit dem Internetrouter verbunden werden (bei der Installation der Zähler in einem Gebäude hat der Eigentümer die freie Auswahl des Anbieters solcher Geräte). Gegen die Signale und Schwingungen, die von außen über die Stromleitung ins Haus kommen können (sogenannte Dirty Power) kann die Installation eines Netzfilters in die Stromleitung nach dem Hausanschluss helfen.

Generell müssen Baubiologen aufrüsten bei der Messtechnik, um die sehr breitbandigen Funksignale von LTE-Mobilfunksendern messen und korrekt interpretieren zu können. Die momentan am Markt befindlichen Breitbandmessgeräte sind in Bezug auf LTE und auch bei TETRA-Funkanwendungen eher als Schätzeisen denn als genaue Messgeräte anzusehen. Für die Messungen von Dirty Power gibt es momentan nur wenige Messgeräte und die Problematik hinter diesen Belastungen ist den meisten noch gar nicht geläufig.

Auf die Bevölkerung und die Baubiologen kommt also eine riesige Menge an zusätzlichen Belastungen durch die Energiewende, moderne elektrische Geräte und neuartige Mobilfunkanwendungen zu. Das wird uns allen noch zu schaffen machen….

Uwe Dippold
www.baubiologie-nuernberg.de


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