Magnetfelder – eine unterschätzte Gefahr

Elektrischer Strom wird bedenkenlos benutzt, weil man ihn nicht unmittelbar spürt und nur seine technische Wirkung bemerkt. Aber durch die Wechselspannung entstehen zwei physikalische Felder, die organische Wirkungen haben können.

Das eine sind elektrische Wechselfelder, die alleine schon dann existieren, wenn auf einer Leitung Spannung anliegt. Das andere Phänomen sind die magnetischen Wechselfelder, die entstehen, sobald Strom fließt. Diese Felder sind umso stärker, je höher die Leistung des Gerätes ist, welches eingeschaltet ist.

Die meisten Menschen unterschätzen die Stärke und die Wirkungen dieser magnetischen Felder. Sie werden zum Teil von außen in die Wohnungen hineingetragen durch die Nähe zu Hochspannungsleitungen, Umspannwerken und Trafostationen, Erd- und Oberleitungen und elektrifizierten Bahnlinien. Manchmal gelangen sie auch durch parallel zu Stromleitern verlegte Gas- und Wasserleitungen aus Metall in die Häuser. Bei Defekten in der Isolation dieser Stromleiter sind die Felder dann sogar besonders stark.

Magnetfelder werden aber auch von Elektrogeräten selbst erzeugt. Die Felder sind quasi Abfallphänomene beim Verwenden des Stromes, zum Beispiel beim Benutzen von Heizdecken und elektrischen Heizgeräten wie Radiatoren oder Nachtspeicherheizungen. Auch die Heizungen von Wasserbetten oder Heißwasserbereitern und Elektroherden erzeugen nebenbei Magnetfelder.

Absichtlich erzeugt werden Magnetfelder, um mittels Induktion den Inhalt von Töpfen zu erhitzen. Hier kann man die Wirkung von Magnetfeldern indirekt bemerken, denn das Erhitzen der Speisen erfolgt über das Induzieren von sogenannten Wirbelströmen im Topfboden, wodurch die Eisenatome in verstärkte Schwingung versetzt werden und dadurch Hitze erzeugen. Solche Wirbelströme werden durch Magnetfelder auch in den Körpern der Menschen induziert, was zu Fehlfunktionen innerhalb der Zellen bzw. des Stoffwechsels führen kann.

Mit starken Magnetfeldern zum Beispiel kann man gezielt bestimmte Gehirnfunktionen nach Belieben ein- und ausschalten. Induktionskochfelder und andere starke Magnetfelderzeuger werden zum Glück meist nicht dort benutzt, wo sich Menschen lange Zeit und oft aufhalten: An Schlafstätten, in Kinderzimmern oder neben Sofas. Dort findet man aber häufig kleinere Magnetfelderquellen wie Netzteile und Trafos für alle Arten von kleinen und akkubetriebenen Geräten. Diese Geräte kommen immer häufiger in den Wohnungen vor.

Alle Geräte mit relativ geringem Verbrauch benötigen im Inneren mindestens einen kleinen Trafo, der die Netzspannung auf die gewünschte Kleinspannung umwandelt. Netzteile von Elektronikgeräten enthalten entweder einen konventionellen Netztransformator mit Wicklungen und Eisenkern oder einen Schaltwandler, der aus einem elektronischen Zerhacker und einem Hochfrequenztransformator besteht. Erstere verbrauchen auch im Leerlauf Strom, erkennbar an einer Wärmeabgabe auch dann, wenn das Gerät selbst nicht eingeschaltet ist. Das Magnetfeld solcher Geräte ist relativ klein. Die elektronische Variante der Netzteile hat zwar den Vorteil, dass nur dann Strom verbraucht wird, wenn das Gerät läuft, aber leider ist das emittierte Magnetfeld im Betrieb wesentlich stärker als bei einem Eisenkerntrafo.

Elektronische Schaltnetzteile sind u.a. oft in leistungsfähigen Ladeteilen für Notebooks oder in PCs enthalten. Die Netzteile sind aus baubiologische Sicht ein Problem, weil immer mehr elektrische Geräte und Spielzeug in den Wohnungen vorhanden sind. Die Netzteile von Mobiltelefonen, PCs mit allerlei Peripheriegeräten, netzbetriebenen Radioweckern oder auch modernen Nachttischlampen mit LED-Leuchtkörpern erzeugen in ihrer Umgebung bis 100 cm Entfernung so starke Magnetfelder, dass die Belastung aus baubiologischer Sicht stark bzw. extrem ist.

In Zahlen bedeutet das, dass die Felder eine Feldstärke von 100 – 500 Nanotesla oder sogar über 500 nT haben (Einteilung nach dem Standard der Baubiologischen Messtechnik SBM 2008). Relevant werden diese Felder für die Gesundheit, wenn sie dauerhaft an Ruheplätzen vorhanden sind und das körpereigene Hormonsystem in den Phasen der körperlichen Regeneration durcheinanderbringen.

Die Felder aus den internen Quellen können relativ leicht vermieden werden, weil man einfach den Stecker aus der Steckdose ziehen oder die Sicherung abschalten kann. Die Felder von außen lassen sich leider nur unter extremem Aufwand bzw. gar nicht abschirmen und die einzige Vermeidungsmöglichkeit ist eine möglichst große Entfernung zum Felderzeuger.

Das kann im Extremfall bedeuten, dass man umziehen muss. Welche Maßnahmen die besten sind, kann nur eine baubiologische Messung klären. Oft begegnet dem Autor dieser Zeilen beim Messen von hohen Belastungswerten auch ein gewisses Unverständnis darüber, dass so kleine Geräte so starke und durchaus schädliche Felder erzeugen. Viele Menschen in Deutschland glauben nämlich, dass der Staat uns schützen würde, dass es Vorschriften und Gesetze gebe, die alle möglichen Gefahren so minimieren, dass keine Schadwirkungen davon ausgehen.

Das ist leider nicht so, gerade auch bei elektrischen und magnetischen Feldern, deren Auswirkungen auf Geräte, Maschinen und Anlagen zwar mit Grenzwerten geregelt sind, damit alle Geräte ohne Probleme funktionieren. Organische Wirkungen bleiben in der Regel aber völlig unbeachtet, weil sie immer erst nach einer gewissen Zeit und Kumulation auftreten!

In diesem Zusammenhang gibt es Grenzwerte der immer gerne erwähnten zur Zeit geltenden 26. Bundesimmissionsschutzverordnung (26. BImSchV.). Aber was die wenigsten wissen: Die Werte gelten nur für Freileitungen und Erdkabel, Bahnstromfern- und -oberleitungen sowie von Elektroumspannanlagen von mindestens 1.000 Volt. Alles unter 1000 Volt Spannung wird nicht erfasst und somit gibt es da auch keine Grenzwerte.

Eine einzige offizielle Stellungnahme gibt es allerdings doch: Das Bundesamt für Strahlenschutz hat 2005 in einer Verlautbarung zu elektrischen und magnetischen Feldern bei der Stromversorgung darauf hingewiesen, dass solche Felder gefährlich sein können und die Gesundheit beeinträchtigen können. Das Bundesamt hat weitere Forschungen in diesem Zusammenhang gefordert. Passiert ist leider nichts!

Uwe Dippold
www.baubiologie-nuernberg.de


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