Einiges zum Schimmel

Folgend ein fiktives aber informatives Telefonat zum Thema Schimmel. Entworfen hat das Szenario der Baubiologe Joachim Maxeiner.

Hallo, ist dort Baubiologie Maxi?

Ja, da sind Sie richtig, was kann ich für Sie tun?

Mein Name ist Kern, in meiner Wohnung wachsen Pilze, können Sie mir helfen?

Pilze? Sie meinen sicher Schimmelpilze!

Na das ist ja wohl egal, Pilze sind Pilze, oder?

Nicht so ganz, Schimmelpilze gehören zwar zu den Pilzen, haben auch vieles gemeinsam, sind aber doch anders. Beide besitzen einen Fruchtkörper, bilden ein Mycel (Wurzelgeflecht) und vermehren sich durch Sporenbildung. Außerdem lieben beide ein feuchtes Klima und benötigen einen Nährboden. „Pilze“ wachsen überwiegend im Wald, sind wichtig für den Naturkreislauf, die Verrottung kranker und toter Pflanzen, man kann einige davon sogar essen. Schimmelpilze kommen überall vor, befinden sich in unserer Atemluft – drinnen und draußen. Schimmelpilze können sogar Pilze befallen, ihn zersetzten. Schimmelpilze sind Mikroorganismen, teilweise so klein, dass sie lungengängig sein können. Das ist das gefährliche an Ihnen. Gut 10.000 Schimmelpilzarten gibt es und darunter sind nur einige wenige sogar giftig. Und wenn sie auch nicht giftig sind, so können sie starke Allergien auslösen, unsere Gesundheit schwächen.

Wenn aber die Schimmelpilze immer in der Luft sind, warum kommen die erst jetzt an meiner Wand zum Vorschein?

Schimmelpilze benötigen eine bestimmte Lebensgrundlage: Sie brauchen einen geeigneten Nährboden wie z.B. Tapete, Kleister, Stoffe, Papier – organische Stoffe. Sie benötigen eine bestimmte Feuchtigkeit, in der Regel ab ca. 70% relative Feuchte, einen PH-Wert von ca. 5 – 7 – also sauer. Zudem fühlen sie sich bei Zimmertemperatur am wohlsten, dann können die Sporen aus der Luft innerhalb von 3-5 Tagen zu einem Schimmelpilz heranwachsen. Sauerstoff und Licht brauchen sie nur sehr wenig, viel weniger als wir selbst zum Leben brauchen.

Relative Feuchte? Was ist das denn – bei mir ist es eher relativ trocken, denke ich jedenfalls.

Die relative Feuchte errechnet sich aus der Masse an Wasser in g/m³ Luft, wobei die Temperatur immer eine wesentliche Rolle spielt. Je höher die Temperatur umso mehr Wasserdampf kann diese aufnehmen.

Äh, das versteh ich jetzt nicht ganz…

Nehmen wir an, wir haben bei einer Zimmertemperatur von 20°C einen Wasserdampfgehalt von 13g/m² – das würde einer relativen Luftfeuchtigkeit von 75% entsprechen. Im Kellerbereich haben wir oft nur eine Temperatur von 15°C. Mit dem gleichen Wasserdampfgehalt von 13g/m² hätten wir nun eine relative Luftfeuchtigkeit von 100% erreicht. Das bedeutet, mehr Wasserdampf kann die Luft bei dieser Temperatur nicht aufnehmen. Senken wir diese Temperatur nun noch auf 10°C so kann die Luft nur 9,5g/m³ Wasser aufnehmen!

Und was passiert mit dem Rest?

Der Rest von 3,5g schlägt sich an der kältesten Raumoberfläche als Kondensat nieder! Tauwasser fällt aus! Die Wand wird nass! Wobei der Schimmelpilz so viel Nässe gar nicht unbedingt braucht… Ihm reichen schon die anfangs 75% rel. Luftfeuchte – genug Feuchtigkeit in der Luft um sie heraus zu filtern und zu wachsen…

…und wie gefährlich ist so ein Schimmelpilz nun?

Schimmelpilze gefährden unsere Gesundheit auf zwei verschiedene Arten. Zum einen verursachen sie allergische Reaktionen auf Haut und Atemorgane, zum anderen können Schimmelpilze Giftstoffe enthalten die eine toxische Wirkung auf unseren Körper haben. Lungeninfektionen, Atemwegserkrankungen, Mykosen, Organschäden bis hin zu Krebs und Erbschäden können auftreten.

Woran erkenne ich, dass ich vom Schimmelpilz „krank“ bin?

Das ist das schwierige daran. Schimmelpilze verursachen keine typischen Schimmelpílz-Symptome sondern eher allgemeine Symptome wie Nasenbluten, Atemnot, Husten, Aufstoßen, Blähungen, Durchfall, Hautjucken, Kopfschmerzen, Augenjucken, Erbrechen, Übelkeit, Immun-schwäche, Hautentzündungen oder asthmatische Beschwerden. Treten nun mehrere dieser Symptome auf sollte man auch an Schimmelpilze denken!

Gibt´s denn noch woanders Schimmelpilze?

Ja, zum Beispiel bei unseren Nahrungsmitteln – Brot, Wurst, Gemüse, Obst, Kuchen. Aber auch in unserem Kompost und der Biomülltonne finden wir ihn, deshalb sollten diese nicht unbedingt in direkter Nähe des Hauses stehen, schon gar nicht unterm Fenster. Und wie zu Beginn erwähnt gibt es Schimmelpilze natürlich auch im Wald. Jedoch die meisten Probleme haben wir mit Schimmelpilzen in Innenräumen – dort wollen wir Ihn überhaupt nicht haben, dort hat er eigentlich auch nichts zu suchen.

Welche Stellen im Haus sind denn besonders gefährdet?

Überall wo kalte Oberflächen sind. Ob durch Luftundichtigkeiten oder schlechte Dämmung von Wärmebrücken, ist egal. Besonders gefährdet sind deshalb die Fensterleibungen und Außenwände – insbesondere die Ecken, hinter Schränken, in Kellerräumen. Aber wir finden den Schimmelpilz auch hinterm Kühlschrank (Wasserverdunstungsbehälter), in Blumentöpfen oder auch in Wasch-maschinen (Waschpulverschublade).

Was ist denn die Ursache für die Bildung von Schimmelpilzen?

Das Wesentliche bei der Ursache für die Bildung von Schimmelpilzen ist die Feuchtigkeit! Feuchtigkeit kann auf verschiedene Arten im Haus entstehen. Bauschäden wie Wasserrohrbrüche, ein undichtes Dach, also eindringendes Wasser ist eine Ursache. Eine weitere sind Baumängel, die durch Wärmebrücken eine Kondensation an der Wandoberfläche begünstigen oder auch aufsteigende Feuchtigkeit vom Fundament her.

Aber dafür kann ich ja selber nichts und kann auch nicht wirklich was daran ändern!

Schon, aber die größte Ursache für die Bildung von Schimmelpilzen in Innenräumen ist mit 80% ein falsches Nutzerverhalten, sprich: falsches Lüften und Heizen!

Falsches Lüften? Was kann man da denn falsch machen – alle Fenster immer auf Kipp und fertig.

Eben nicht. Gerade in der kalten Jahreszeit gibt es einige Regeln zu beachten! Gelüftet wird immer nur Raumweise und nur für kurze Zeit, das aber öfter am Tag. Also Heizung aus, Fenster ganz auf, Tür zu. 2 bis 5 Minuten sollten ausreichen.

Aber warum denn immer nur Raumweise?

Raumweise deshalb, weil bei Durchzug über mehrere Räume Nischen entstehen, in denen kein Luftaustauch stattfindet. Dort bleibt die Feuchtigkeit erhalten und kann sich an der Wand als Kondensat absetzen.

Und warum nicht immer auf Kipp?

Stehen die Fenster immer auf Kipp so kühlt die Fensterleibung aus. Und was haben wir bereits gelernt? Feuchtigkeit setzt sich immer an der kältesten Oberfläche ab! Zudem heizen wir die ganze Energie zum Fenster raus!

Gibt´s noch mehr zu beachten?

Ja, hier ein paar Tipps: Gleich nach dem Aufstehen lüften! In der Nacht stoßen wir je Person ca. 2-3ltr. Wasser aus. Heizkörper immer aus beim Lüften ( Energieverschwendung ). Sofort nach dem Baden oder Duschen unbedingt lüften, aber bitte die Tür zu machen – sonst verteilt sich die Feuchtigkeit im ganzen Haus. Ebenso nach dem Kochen oder Putzen, da ist jede Menge Wasser in der Luft. Kalte Räume, wie z. B. eine Vorratskammer, sollten immer geschlossen gehalten werden, die warme Luft vom Wohnraum verteilt sich sonst auch in diesen Räume und kühlt dort ab…

… und kann dann nicht mehr so viel Feuchtigkeit aufnehmen – Kondensat entsteht!

Richtig!

Was kann ich denn beim Heizen falsch machen? Ich heize immer dann, wenn mir kalt ist. Tagsüber ist eh niemand zuhause, dann ist die Heizung aus, und im Schlafzimmer kann ich das nicht brauchen.

Die Heizung sollte den ganzen Tag über auf kleiner Stufe laufen, sonst können die Wände auskühlen und es entstehen wieder gefährliche Stellen, an denen sich Tauwasser bilden kann. Nur unmittelbar während des Lüftens sollte die Heizung aus sein. Zudem sollten Sie kalte Räume nicht mitheizen, so treiben wir die warme Luft mit seiner Feuchtigkeit in den kühleren Raum…

… und wieder entsteht Kondensat an den kühlen Oberflächen!

Genau, und das Schlafzimmer wird auch schnell zu einem kalten Raum, wenn nicht hin und wieder dort geheizt wird. Sie sollten kurz vor dem schlafen gehen noch einmal richtig lüften. Dann ist nicht nur die Temperatur für Sie o.k. sondern Sie haben auch noch richtig frische Luft.

Ja, und was mach ich nun mit meinem Schimmel?

Wichtig ist immer das Auffinden der Ursache! Sollten Sie diese nicht selbst kennen oder finden, muss professionelle Hilfe her – dafür haben Sie mich ja angerufen. Jedoch kann diese Diagnose nicht pauschal übers Telefon gestellt werden. Hier ist eine genaue Analyse vor Ort angesagt.

Kann ich so einen Schimmelbefall selbst sanieren?

Leider gibt es hierzu keinerlei gesetzlichen Grundlagen. Jedoch hat das Umweltbundesamt in Zusammenarbeit mit dem Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg einen Leitfaden zur Schimmelbewertung heraus gegeben. Demnach ist ein Schimmelbefall in 3 Kategorien eingestuft. Kategorie 1 geht von einem geringen Schaden mit einer befallenen Fläche von <20cm² aus. Das entspricht einer Fläche von maximal 4 x 5 cm! Diese Schäden können ohne weiteres von den Wohnungsnutzern selbst entsorgt werden. Wichtig ist ein ausreichender persönlicher Schutz (Handschuhe, Staubschutzmaske) sowie die Vermeidung von umherfliegenden Schimmelsporen. Kategorie 2 geht von einem leichten Schaden mit der Größe von <50cm² ( 5 x 10 cm ) aus. Zudem sollten tiefere Schichten nicht zu stark betroffen sein. Wichtig in beiden Fällen ist immer das entsorgen der befallenen Oberflächen (Tapete entfernen). Taugen denn diese Schimmelsprays etwas?

Von den meisten Schimmelsprays sollte man Abstand halten, damit holt man sich mehr Chemie ins Haus als dass diese Wirkung zeigen.

Was ist mit der 3. Kategorie?

Die 3. Kategorie umfasst größere Schäden baulicher oder nutzungsbedingter Ursache. Hier sind sicherlich auch tiefere Schichten der befallenen Stelle betroffen. Der Leitfaden empfiehlt hier, die Ursache kurzfristig von einem Fachmann beseitigen zu lassen, Umweltmedizinische Betreuung aufzusuchen, ggf. Luftproben vor und nach der Sanierung zu nehmen.

Medizinische Betreuung?

Ja, so ernst nimmt jedenfalls das Umweltbundesamt die Belastungen mit Schimmelpilzsporen! Und das kann ich nur so unterstreichen.

Woran erkenne ich einen geeigneten Fachmann?

Das ist nicht immer leicht, es gibt Handwerker die nehmen solche Aufträge an ohne jemals wirklich etwas über Schimmelpilze gelesen zu haben. Fragen Sie den gewählten Handwerker, ob er diese Sanierung nach dem Leitfaden des Umweltbundesamtes ausführt. Zudem hat er selbst während der Sanierung die notwendige persönliche Schutzausrüstung an, klärt Sie über die durchzuführenden Maßnahmen auf, schottet die Baustelle zum restlichen Wohnraum ab, entsorgt die kontaminierten Baustoffe nicht durch ihr ganzes Haus, sorgt während der Sanierung für einen gefilterten Luftaustausch und … er hinterlässt keine Spuren, schon gar keine Sporen.

O.k. jetzt bin ich schon mal ein gutes Stück schlauer als zuvor. Können wir nun einen Termin zur Ursachenanalyse machen? Sicherlich können Sie mir dann nochmal einige Punkte unseres Telefonats wiederholen – damit ich in Zukunft alles richtig mache, vor allem richtig Lüften und Heizen…

Joachim Maxeiner
Baubiologie
www.baubiologie-maxeiner.de


Ähnliche Artikel:

Gastautor werden? Möchten Sie gerne einen Gastartikel auf Haus Bau Planung veröffentlichen? Kein Problem, hier finden Sie die nötigen Infos: Gastautoren ... >>

Diese Seite zu Mister Wong hinzufügen

Keine Kommentare vorhanden

Sorry, the comment form is closed at this time.