Gebaute Zeichen – Teil 3: Formen mit starkem statischem Nutzen

fachwerk-3Fortsetzung von Teil 2

Weitere verwendete Runen sind oft gerade wegen ihrer hohen statisch-konstruktiven Eigenschaften problematisch. Hatte der Erbauer wirklich damit im Sinn eine entsprechende Rune abzubilden?

Hier ist der Einspruch Gegner einer Runenbedeutung im Fachwerk oft verständlich. Doch gerade diese Doppelfunktion von Nutzen und Bedeutung ist typisch für die Verwendung magischer Hauszeichen.

Zudem muß für die traditionelle Verwendung von Formen der einzelne Erbauer nichts von der Bedeutung wissen.

In diese Rubrik gehört mit Sicherheit die Rune Algiz (Eol, manchmal auch MAN-Rune genannt). Ihr Bild entspringt der Abbildung eines Geweihs oder Grases. Manchmal wird sie auch als Mensch mit nach oben gereckten Armen gedeutet (daher auch MAN).

algizSie gehört mit zu den häufigsten Runen im Fachwerkbau. Im Bild des Binsens oder Grases offenbart sich eine Bedeutung, die ebenfalls auf die Fruchtbarkeit verweist, im Bild des Geweihs erkennen wir die Anbindung an göttliche Kräfte (ähnlich dem Hubertus-Hirsch), da das Geweih, einer Antenne gleich, stets als geistiges Attribut galt. Algiz ist eine typische Rune des Schutzes und des Glücks (Fruchtbarkeit).


geboGebo (Geofu), auch als “Andreaskreuz” bekannt, hat durch seine Querverstrebung starken statischen Nutzen. Ihre Bedeutung liegt in der Verbindung, der Überkreuzung und wird daher oft mit “Partnerschaft” oder “Eheleben” wiedergegeben. Wir bemerken wiederum die starke Fruchbarkeitskonnotation. In seiner Aneinanderreihung ist Gebo praktisch nicht mehr von Inguz zu unterscheiden, wobei sich auch die Bedeutungen durchdringen.


dagazÄhnlich sieht es mit der Rune Dagaz (Daeg) aus. Dagaz hängt ethymologisch mit unserem Wort “Tag” zusammen”, steht also für das Licht, die Sonne, das Bewusstsein. Ähnlich wie der Hahn auf dem Dach, der durch sein Schreien, die Sonne, die Bewusstheit, ruft und die Dunkelheit und die Nacht verjagt, versinnbildlicht Dagaz das apotropäische Bedürfnis der Unheilsabwehr.

Im Fachwerk verbaut, ist wiederum oft eine Überlagerung mit einer Variante von Algiz/Man zu erkennen. Auch in der Bedeutung verschmilzt das Bild der Sonne mit der “höheren Macht”.


isaÄußerst problematisch ist sicherlich die Deutung von Isa (Is), dem geraden, vertikalen Strich. Als Rune versinnbildlicht sie das Eis (Is), den Wunsch des “Stillstandes”, oder besser der “Dauerhaftigkeit. Das 13. und 14. Jahrhundert kannte den Fachwerkbau aus langen geraden Hölzern, die über mehrere Geschosse hinweg reichten (Pfostenbau). Kann eine solche Bauform mit der so schlichten Rune in Zusammenhang gebracht werden?

Die Deutung der Symbolsprache von Fachwerk ist sicherlich problematisch, doch problematischer erscheint mir eine jeglichen Symbolismus negierende Weltsicht, die die tiefe psychische Wirkung unserer Bauformen nicht mehr zu erkennen weiss.

Stefan Brönnle
Büro für geomantische Planung
www.stefan-broennle.de
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