Gebaute Zeichen – Teil 2: Runen

aFortsetzung von Teil 1

Runen sind frühe in Europa verwendete Schriftzeichen. Sie bilden jedoch kein allgemeinverbindliches Alphabet. Jedoch waren die wichtigsten Runen bis auf lokale Varianten in ihrer Bedeutung weitgehend stabil.

Das Verbreitungsgebiet der Runen reichte von Skandinavien und Island, über England, Friesland und Deutschland bis nach Russland, ja gelegentlich sogar bis in den Mittelmeerraum.

Runen wurden als Schriftzeichen in Mitteleuropa bis ins frühe Mittelalter hinein (etwa 6./7.Jahrhundert), in Skandinavien sogar bis ins 16.Jahrhundert verwendet. Die Formensprache der Runen-Schriftzeichen ist etwa zu einem Drittel von lateinischen Buchstaben abgeleitet, zu etwa einem Drittel von anderen Schriften des Mittelmeerraumes und zu etwa einem Drittel in Nord- und Mitteleuropa selbst entstanden.

Sprache und Schrift sind symbolisch. Ein Buchstabe (“Buchen-Stab”) ist die abstrahierte Form eines symbolischen Bildes. Der Buchstabe A zum Beispiel entstammt wie das griechische Alpha auch dem Bild eines Kuhkopfes (Das A quasi auf dem Kopf stehend, das Alpha seitlich liegend). Das Rind war die Urquelle der Lebenskraft und damit der Lebensgrundlage unserer Ahnen. Es wundert daher nicht, wenn Ihr Abbild den ersten Buchstaben in unserem Alphabet bestimmt.

Zudem setzt sich das Zeichen aus dem (weiblichen Schoß)-Dreieck und der Mondsichel zusammen, die Ihrerseits eine starke weibliche Symbolik haben. Dieser kurze Exkurs soll zeigen wie stark symbolisch durchdrungen unsere Schrift ist. Ein A ist nicht nur ein Laut, es ist ein symbolgeschichtliches Urprinzip der Schöpfung. Runen bilden eine ebensolche symbolisch durchdrungene Schrift.

Im Fachwerk, das vor allem im Hochmittelalter und späten Mittelalter eine Blüte erlebte, wird diese Symbolsprache weitergetragen. Ohne nun jede Stabilität verleihende Verstrebung zur Rune stilisieren zu wollen, finden wir doch eine Reihe möglicher Analogien zwischen verwendeter Formensprache im Fachwerkbau und der Runenbedeutung.

Das zu Beginn erwähnte Netzgefüge oder Gittersymbol, dass auch an Steinbauten zu finden ist und eine Beziehung zu apotropäischen Geisterabwehr ebenso hat, wie zum Urbild der Grossen Göttin (“Große Weberin”), findet eine Beziehung in der Rune Inguz (Ing).

t3-inguz-2Die Bedeutung dieser Rune könnte man umschreiben mit “Vervollkommnung” und “Neubeginn”, aber auch “fruchtbarkeitsbescherend”.

Ein altenglisches Runengedicht belegt zum Beispiel einen Fruchtbarkeitsgott “Ing” im östlichen Dänemark.

Die Rune Inguz, auch als Rautengitter ist wohl eine der häufigsten Symbole im Fachwerk und findet gerne in Form der expandierenden Raute auch Verwendung auf Türen und Toren.


odalEng mit dieser Formensprache verbunden ist die Rune Odal (Othila). Sie wird als starke Schutzrune gerade an Gebäude- und Grundstücksgrenzen gerne verwendet. Ihre Bedeutung reicht von Trennung” und “Rückzug” (darum auch gerade im Grenzbereich eingesetzt), bis hin zur Bedeutung “Erbe”.


t2-hagal-1Das oben beschriebene Ursymbol des Rades dagegen, mit seiner Konnotation an die Sonne, die Bewusstheit, ja Göttlichkeit, finden wir u.a. in der Hagal-Rune (Hagalaz) wieder, vor allem in ihrem Formenausdruck als sechsstrahliger Stern, aber auch in der m.E. später auftretenden (und vom lateinischen “H” abgeleiteten) Form.


t2-hagal-2Diese findet durch schräge kurze Querverstrebungen im Fachwerk Anwendung. Hier begegnen wir in ihrer Bedeutung der “Elementargewalt” (vergl. “Hagal-Hagel”), aber auch der Grenze, dem Hag. Die Rune wurde wiederum sowohl als Schutzrune für die Grenze (Hag), als auch gegen Unwetter eingesetzt, trägt aber zugleich die Bedeutung des “Unter höherer Macht stehend” in sich.


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Stefan Brönnle
Büro für geomantische Planung
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