Gebaute Zeichen – Teil1 : Die Symbolsprache des Fachwerkbaus

t1-fachwerkhausDie Mauer ist die heilige Grenze des Hauses, seine Umhegung: Sie trennt das Außen vom Innen und schafft damit einen eigenständigen, geheiligten, Raum. Dieser geschaffene Innenraum und seine Grenze gelten auch heute noch als etwas Besonderes, denn ein mutwilliges, respektloses Ignorieren dieser Grenze wird auch heute noch als “Hausfriedensbruch” geahndet.

Mit der Errichtung der Mauer, der “Haut” wird ein Raum geschaffen, indem ein Bereich aus der unmittelbaren Einheit des Ortes herausgenommen wird. Deshalb waren traditionell eine Reihe von Maßnahmen erforderlich, um die Ortskräfte zu besänftigen und den Schutz der Grenze zu gewährleisten.

Sich so erklärende Schutzzeichen gelten heute meist nur noch als formaler Zierrat. Dabei sollte man bedenken, dass vor der Aufklärung KEINE Form einfach nur hübsches Zeichen, sondern stets auch Symbol war und damit magische Funktion hatte:

Fachwerk NetzDas Gitter oder Netz (oft in der Variation als Rautennetz) hat den Sinn des Einfangens von geistigen Kräften – ähnlich den in Mode gekommenen indianischen Traumfängern. Als “Geisterfalle” schützte es das Haus vor üblen Mächten.

Gleichzeitig steht es aber auch in Beziehung zum Spinnennetz und damit zur “großen Weberin”, der Grossen Mutter. Wir werden gleich noch sehen, dass speziell dieses Grundsymbol gerne auch in Form genutzter Runen in Fachwerkbau grundlegende Verwendung fand.

Ein weiteres häufiges Schutzsymbol an der Hausmauer oder Grundstücksgrenze sind Wagenräder. Heute oft nicht mehr als ein rustikaler Formalismus, stand das Rad einst als Symbol für die Welt, denn es verbindet die Symbole Kreis (Schutz, Vollkommenheit, Gott) und gleichschenkliges Kreuz (Vierung der Welt, Mitte der Welt). Gleichzeitig steht das Rad für die Jahreszyklen, die Wandlung und Wiederkehr und damit wiederum für die Fruchtbarkeit. Nicht zuletzt ist das Rad ein klassisches Sonnensymbol, das seinerseits für das göttliche Selbst steht. Auch dieses Symbol fand letztendlich Einzug in die Gestaltung des Fachwerks .

Die Sprache des Fachwerks

Auch das Fachwerk ist weit mehr als eine statische Konstruktion. Es enthält zahlreiche Formen, die meist aus der Symbolsprache der Runen stammen. Wenn wir uns diesem Thema nähern, können wir nicht umhin, auch auf dessen Problematik zu verweisen. Insbesondere in den Jahren 1880-1945 erlebte die Runenforschung einen Höhepunkt und setzte ihre Theorien in Bezug zu den Verstrebungen des Fachwerkbaus.

Da mit den Thesen stets auch völkisch-nationale Thesen verbunden waren, glitt die symbolische Deutung der Verstrebungen des Fachwerks meist ab in allzu spekulative Szenarien. Wichtiger Vertreter war hier u.a. Karl Theodor Weigel (1892-1953), der ein (hypothetisches) “Runenalphabet” erstellte.

Auch Werke wie “Farbiges Fachwerk” von Manfred Gerner (Erstauflage 1983, Neuauflagen 1993 und 2000) greifen meist allzu unkritisch auf diese Thesen zurück. Aus diesem Grunde wird ein Zusammenhang von Fachwerk und Runensymbolik heute sehr oft schlichtweg abgelehnt und zur “Phantasterei” erklärt.

Vertreter dieser Auffassung sehen im Fachwerkbau rein statisch-konstruktive Ursachen. In den obigen Ausführungen ist aber bereits erkenntlich, dass ein so grundlegender Akt wie der Hausbau stets auch symbolisch-rituelle Züge trug und daher ein “rein konstruktiver” Aspekt mir schlichtweg undenkbar erscheint, wenngleich er natürlich mit ursächlich für die Formensprache ist (Ein Symbol, das keinen statischen Nutzen hat, kann auch schlecht als tragendes Element verbaut werden).

Bevor wir die mögliche Symbolsprache des Fachwerks betrachten daher die Frage: Was sind Runen eigentlich?

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Stefan Brönnle
Büro für geomantische Planung
www.stefan-broennle.de
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