Die Inklinationsfalle – oder warum wir nicht in Australien messen

In meinem letzten Artikel, der Vorstellung von „Orientierung mit Karte, Kompass, GPS“ erwähnte ich das Phänomen der Inklination.

Der Kompass, bzw. die Kompassnadel macht nichts anderes als sich entsprechend dem vor Ort herrschenden Magnetfeld in Nord-Süd-Richtung auszurichten. Im Volksmund sagt man „Die Nadel zeigt nach Norden“.

Abgesehen vom Unterschied zwischen dem geographischen und magnetischen Norden, der Deklination, gibt es noch ein weiteres Phänomen das uns hierzulande erst einmal gar nicht auffällt.

Das Erdmagnetfeld verläuft nämlich nicht parallel zur Erdoberfläche, vielmehr taucht es je weiter man in Richtung der Pole kommt, in den Erdkörper ein. Dass bedeutet in der Praxis, dass eine Kompassnadel die am Äquator noch schön waagerecht liegt in Polnähe immer weiter kippt. An den Polen würde sie sich gar senkrecht stellen.

Eine Kompassnadel, die sich nicht in der Waagerechten befindet, läuft Gefahr den Boden der Kompassdose zu berühren oder sich in der Aufhängung zu verkanten. Das würde eine Messung ungenau oder gar unmöglich machen.

In den Breiten auf denen Deutschland liegt beträgt diese Abweichung aus der Waagerechten 63° bis 70° (von Süden nach Norden), die Nadel würde also ganz schön schief hängen, bei uns würde das Nordende der Nadel nach unten zeigen. Auf der Südhalbkugel wäre das ungekehrt, hier hinge das Südende der Nadel nach unten.

Die Kompasshersteller wissen das natürlich und gleichen aus, indem ein Ende der Nadel etwas schwerer konzipiert wird. So gleicht sich die Neigung aus und man kann exakt messen.

Da diese Neigung aber je nach Breitengrad variiert, funktioniert ein Kompass auch nur in dem Bereich für den er ausgelegt wurde. Versucht man nun mit einem in Europa gekauften Kompass in Australien zu messen, wird man eine böse Überraschung erleben. Denn hier würde sich die Nadel verkanten.

Aber was heißt das nun für unseren Lo Pan? Der wird in der Regel in China produziert und ist auch für dortige Breitengrade ausgelegt. Da wir uns aber auf der gleichen Halbkugel befinden wie die Chinesen sind unsere Lo Pans auch hier geeignet.

Problematisch wird es nur auf der Südhalbkugel. Ob es chinesische Lo Pans auch für dort gibt, kann ich nicht sagen. Wenn nicht, kann man ja auf einen Kartenkompass ausweichen, ein Lo Pan ist ohnehin nur ein gewöhnlicher Kompass mit einem Spickzettel.

Roland Steiner
Berater für klassische Inklinationsfragen
www.feng-shui-direkt.de


Ähnliche Artikel:

Gastautor werden? Möchten Sie gerne einen Gastartikel auf Haus Bau Planung veröffentlichen? Kein Problem, hier finden Sie die nötigen Infos: Gastautoren ... >>

Diese Seite zu Mister Wong hinzufügen

5 Kommentare

Sorry, the comment form is closed at this time.