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verfasst am 13 Juni 2011 von Gerhard Zirkel in Kategorie
Der Bambus steht in China für Langlebigkeit und Reichtum. Bei der Gestaltung chinesischer Gärten ist er daher sehr beliebt. In einem typischen Feng Shui Garten darf er nicht fehlen. Möchte man ihn einer der fünf Wandlungsphasen zuordnen, so steht er für das Element Holz.
Zudem ist der Bambus neben Kiefer und Pflaume einer der “Drei Freunde der kalten Jahreszeit”
Aber auch hierzulande erfreut sich der Bambus wachsender Beliebtheit. Weniger wegen seiner Symbolik, sondern weil er eine sehr pflegeleichte, schöne und schnell wachsende Pflanze ist.
Der Bambus (Banbusoideae) gehört einer Unterfamilie der Süßgräser, zu denen auch der Mais zählt, an. Das ist der Grund dafür, dass die Hauptstängel Halme genannt werden, obwohl sie bei manchen Bambusarten durchaus als Baumstämme durchgehen könnten. Bereits vor 3000 Jahren bezeichneten die Chinesen den Bambus als Gras.
Der Name:
Der deutsche Name Bambus soll aus einer frühen Begebenheit entstanden sein. Eine Philippinische Geschichte erzählt von einem Reisenden, der ein Bambus-Feuer beobachtet hat.
Bambus macht beim Verbrennen ohren- betäubenden Lärm, da die einzelnen Kammern der Stämme platzen. Diesen Lärm beschrieb er in seinem Tagebuch mit “bam” und “bu” woraus die englische Bezeichnung “Bamboo” stammen soll. Daraus wurde dann das deutsche Bambus.
Erscheinung:
Die Halme der großen Bambusarten können bis zu 30m Höhe erreichen, an Ihnen wachsen grasartige Blätter.
Unterteilt werden die Bambusarten in vier Gruppen. Zwergbambus bis 1,5m, kleiner Bambus 1,5 – 3m, mittlerer Bambus 3-9m und Riesenbambus über 9m Höhe.
Es gibt prinzipiell zwei Wuchsformen. Die Pachymorphen Arten wachsen eher in Form von Büschen die sich nicht all zu weit horizontal ausbreiten. Die leptomorphen Arten verbreiten sich sehr schnell und können ganze Wälder bilden.
Verbreitung:
Bambus ist auf allen Kontinenten außer Europa und der Antarktis beheimatet.
Insgesamt sind über 1000 Arten weltweit bekannt, von denen die meisten in den wärmeren Klimaregionen der Erde wachsen. Einige Arten gedeihen aber auch in unseren Breitengraden und sind teilweise sehr frosthart. Einige Arten wie den Chusquea aristata findet man sogar in Höhen jenseits der 4700m und oberhalb der Schneegrenze.
Ca. 500 Arten des Bambus stammen aus Asien, vor allem China, Japan, Burma, Indien, Nepal, ca. 100 aus Japan. Weitere Arten stammen aus Nord- und Südamerika, Afrika und Australien.
Fossilienfunde zeigen jedoch, dass der Bambus auch bei uns heimisch war. Er ist jedoch während einer extremen Trockenzeit des Tertiärs ausgestorben.
Kultur:
In China ist der Bambus ein Symbol für langes Leben und Reichtum, in Indien ein Symbol für Freundschaft. In Japan steht er für Reinheit
Die chinesische Symbolik leitet sich aus der unbändigen Lebenskraft der Bambuspflanze ab. Im Winter biegen sich die Stämme unter der Last des Schnees bis zum Boden herab, jede andere Pflanze würde brechen. Nicht so der Bambus, der sich nach dem Abschmelzen des Schnees wieder aufrichtet als ob nichts gewesen wäre.
Nach dem verheerenden Atomangriff auf Hiroshima trieben bereits im folgenden Jahr neue Bambussprosse aus, als ob nichts gewesen wäre.
Zudem legt ein Bambus im Frühjahr ein derartiges Wuchstempo vor, dass man meint ihm beim Wachsen zusehen zu können. Wuchsraten von 30cm pro Tag kommen bei guten Bedingungen durchaus vor.
Blüte:
Ein ganz besonderes Ereignis ist die Bambusblüte. Diese ist ein sehr seltenes Ereignis, welches sich bislang nicht voraussagen lässt. Manche Spezies blühen alle 20 Jahre, andere nur alle 120. Das Besondere daran ist, dass dann weltweit alle Pflanzen dieser Spezies gleichzeitig blühen, egal auf welchem Kontinent und unter welchen Bedingungen sie wachsen.
Das Hervorbringen der Blüten und der Samen schwächt die Pflanze so stark, dass sie danach abstirbt. Ganze Wälder können so komplett zusammenbrechen.
In Asien, wo der Bambus teilweise große wirtschaftliche Bedeutung hat, kann eine solche Blüte ganze Produktionszweige ruinieren. Denn es dauert oft 20 Jahre bis auf einer zusammengebrochenen Plantage wieder neue Sprosse zu sehen sind.
Verwendung:
Ein Chinese hat einmal berechnet, dass es über 1300 Möglichkeiten gibt, Bambus zu verwenden.
Nahrungsmittel:
Bambussprossen erfreuen sich besonders in der chinesischen Küche großer Beliebtheit. Die jungen Schösslinge einiger Bambusarten (z.B. Bambusa, Dendrocalamus und Phyllostachys ) werden als Gemüse zubereitet oder in Essig eingelegt.
Frische Bambussprossen besitzen ein hellgelbes, recht festes Fruchtfleisch mit kleinen Luftbläschen in der Mitte. Geerntet werden sie, indem man sie aus dem Boden ausgräbt und von den umgebenden braunen Blättern befreit.
Vor dem Verzehr müssen sie unbedingt gekocht werden, da die Sprossen Gifte und Bitterstoffe enthalten, die durch das Kochen zerstört werden.
Angeboten werden sie entweder als Frischware oder vorgekocht und eingelegt in Gläsern und Dosen.
Tee:
Aus den Blättern des Bambus lässt sich ein Tee zubereiten der angeblich gegen Migräne wirken soll. Zudem enthält er Kohlenhydrate, Ballaststoffe, Mineralstoffe und Vitamine.
Für den Bambustee kommen nur die ganz jungen, meist Handgepflückten, Blätter einiger Bambusarten zu Einsatz. Der Tee enthält kein Teein und verursacht keine Reizung der Schleimhäute. Er ist von daher auch für kleine Kinder bekömmlich.
Zur Zubereitung werden die Blätter mit 80-90 °C heißem Wasser übergossen. Nach 15 Sekunden bis 3 Minuten ist der Tee trinkfertig. Die Blätter können 1-2 Mal aufgebrüht werden.
Medizin:
In der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) werden Bambussprossen häufig eingesetzt. Sie enthalten viel Kieselsäure (bis zu 77%) die für das Wachstum von Haaren, Haut und Knochen notwendig ist. Zudem sollen die Sprossen lindernd bei Depressionen, Nervosität, Blutungen, Fieber, Bronchitis und Wirbelsäulenschwächen wirken.
In Indien werden Bambusextrakte als Blutstillung, bei Asthma und Lepra eingesetzt und sollen die Menstruation anregen. Auch zur Stärkung der Verdauung und des Magens werden sie eingesetzt.
Tierwelt:
Bambus ist die Hauptnahrungsquelle des Großen Panda-Bären. Bild links: Panda im Zoo von Chongqing (China).
Textilien:
Bambus besitzt lange und stabile Fasern. Diese können aus der Pflanze gewonnen und direkt zu Garn gesponnen werden. Diese Art der textilen Nutzung ist heutzutage allerdings unüblich.
Hauptsächlich wird das Pflanzenmaterial zu Cellulose verarbeitet und daraus eine Viskosefaser gewonnen. Die so produzierten Textilien werden häufig fälschlicherweise als Bambus-Textilien angeboten, obwohl die so gewonnenen Fasern nichts mit der originalen Bambusfaser zu tun haben.
Baustoff:
Das Bambus-Holz ist leicht und sehr hart. Schon immer wurden aus Bambusholz Möbel, Bodenbeläge und ganze Häuser hergestellt.
Schon zu früheren Zeiten wurden aus Bambus ganze Städte erbaut, ein großer Teil von Siam schwamm auf Bambusflößen. Brücken, Wasserleitungen, Baugerüste, Straßen und vieles mehr wurden aus Bambus hergestellt.
Beispielsweise überspannt schon seit rund 1000 Jahren eine Seilbrücke aus Bambus den 70m breiten Min-Fluss im chinesischen Setschun.
Vor der Verwendung als Baustoff muss der Bambus allerdings gegen Pilz- und Insektenbefall resistent gemacht werden. Das geschieht häufig unter gewaltigem Chemikalieneinsatz.
Zudem muss Bambus immer vor Feuchtigkeit geschützt werden, Bambushäuser sollten also auf Steinsockeln errichtet werden.
Garten:
In der chinesischen Gartenbaukunst war Bambus schon immer ein vielseitiges Gestaltungsmittel. In letzter Zeit hält er aber auch in europäische Gärten Einzug. Speziell die Winterharten Sorten erfreuen sich großer Beliebtheit.
Die Verwendung reicht dabei von strauchartigen Sorten über Hecken und Haine bis hin zum Bodendecker oder als Kübelpflanze.
Der Bambus ist immergrün, behält also auch im Winter seine Blätter. Einige Arten vertragen kurzzeitig Temperaturen unter -20 °C. Probleme bereitet er lediglich bei der Kompostierung, da er sich nur langsam zersetzt und sich schwer zerkleinern lässt.
Gebrauchsgegenstände:
Aus Bambus werden neben Möbeln auch Körbe, Vorhänge, Hüte und aus den Spänen sogar Sitzpolsterungen hergestellt.
In China verwendete man zusammengebundene Bambusstreifen als Schreibmaterial. Ein aufgefaserter Bambusstängel kann als Pinsel benutzt werden, auch Schreibfedern aus Bambus sind bekannt.
Musikinstrumente:
Auch Musikinstrumente werden aus Bambus gefertigt. Hierzulande sind unter Anderem Didgeridoos aus Bambus zu finden, als Ersatz für die viel teureren Originalinstrumente aus Eukalyptus oder anderen Holzsorten.
In Japan finden sich Bambusflöten, in anderen Regionen dieser Erde Blas und Zupfinstrumente aus diesem Material.
Waffen:
Vom Blasrohr über Pfeile bis zu Lanzen und Wehranlagen wurden natürlich auch Waffen aus Bambus gefertigt. Die Bögen der japanischen Samurai sind ebenfalls aus Bambus. Im Vietnamkrieg wurden mit Bambuslanzen bestückte Fallgruben eingesetzt.
Weitere Informationen zu den verschiedenen Bambusarten, sowie deren Pflege finden Sie unter www.werkstoff-bambus.de.
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Stichwörter:
Bambus
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