Farbmodelle, Farbdarstellungen und Farbkreise Teil 1

Seit dem Altertum beschäftigen sich Menschen mit den Farben, ihrem Zusammenspiel, ihrer Darstellung, ihrer psychologischen und physiologischen Wirkung oder ihren philosophischen und künstlerischen Aspekten.



Egal in welchem Kulturkreis, ob Europa oder Asien, ob streng Naturwissenschaftlich, künstlerisch oder aus Sicht des Feng Shui, seit je her wird versucht, das Thema Farbe visuell darzustellen. Für nahezu jedes Gebiet wurden Modelle entwickelt die die jeweils relevanten Angaben darzustellen vermochten.

Farbkreise wurden unter physikalischen, technischen, psychologischen, ästhetischen, künstlerischen und anderen Aspekten erstellt, wobei es bislang nicht gelang alle Aspekte in einem Modell zu vereinen.

Die kreisförmige Anordnung vieler Darstellungen rührt daher, dass nahezu alle Versuchspersonen angebotene Farbmuster rein dem Empfinden nach in die gleiche Reihenfolge bringen. Beginn und Ende dieser Reihenfolge sind sich dabei so ähnlich, dass es nahe liegt sie kreisförmig anzuordnen, obwohl das physikalisch eigentlich Unfug ist.

Innerhalb einer solchen Kreisanordnung können Farbzusammenstellungen nach geometrischen Mustern angefertigt werden.

Je nachdem welche Eigenschaften der Farben dargestellt werden sollen, ob physikalische Aspekte die Grundlage bilden oder die Wahrnehmung des Menschen, ergeben sich weitere denkbare Formen, über Würfel, Polygone bis hin zu sehr komplexen Farbkörpern. Keines dieser Systeme ist allerdings in der Lage alle Aspekte der Farben zu erfassen, was bis heute zu hitzigen Diskussionen führt.

Folgend werden einige der Farbmodelle der Vergangenheit und Gegenwart kurz vorgestellt. Die Ausführungen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, einige der angesprochenen Modelle würden den Rahmen dieser Website sprengen.

Pythagoras, Aristoteles, Platon

Schon zu Zeiten von Pythagoras (um 570 v. Chr. – 510 v. Chr.), Aristoteles (384 v. Chr. – 322 v. Chr.) und Platon (428/427 v. Chr. – 348/347 ) beschäftigte man sich mit Farben, deren Wirkung und Darstellung.

Vermutlich hat Aristoteles in Europa als erster damit begonnen, Farbmischungen zu untersuchen und sich Gedanken zu machen wie sie entstehen und anzuordnen sind. Durch Versuche mit farbigen Glasscheiben kam er zur der Auffassung, dass eine Mischung von gelbem und blauem Licht grünes Licht ergäbe. Dass eine farbige Scheibe keinesfalls Farbe hinzufügt, sondern dem Licht einen Teil seines Spektrums entzieht, war ihm damals freilich unbekannt.

Die Anordnung der Farben entnahm er den zu beobachtenden natürlichen Gegebenheiten. Da sich die Welt in einem ständigen Kampf zwischen Weiß und Schwarz befindet, muss das Farbspektrum logischerweise eine Linie zwischen Schwarz und Weiß bilden. Die Anordnung der einzelnen Farben entnahm er dem Verlauf des Tages vom weißen Mittagslicht über gelb, rot, violett bis Schwarz in der Nacht.

Platon ging davon aus, dass die visuelle Wahrnehmung auf einem vom Auge ausgesandten Sehstrahl beruht, der mit den Teilchen auf die er trifft eine Wechselwirkung bewirkt. Ein interessanter Ansatz, den die Physik freilich bald zunichte machte.

Robert Grosseteste

Robert Grosseteste (vor 1170 – 9. Oktober 1253), der erste Kanzler der Universität Oxford, beschäftigte sich mit den Gedanken von Aristoteles und hat daraus ein eigenes Weltbild entworfen.

Er hat Farben nicht nur nach Farbigkeit festgelegt, sondern auch nach Helligkeit und Leuchtkraft. Zudem hat er erstmals zwischen Unbuntfarben (Schwarz, Grau und Weiß) und Buntfarben (alle übrigen) unterschieden.

Leonardo da Vinci

Leonardo da Vinci (15. April 1452 – 2. Mai 1519) beschäftigte sich mit den Farben in seiner Eigenschaft als Maler. Er wollte zunächst die Farbe Grün nicht als Grundfarbe aufnehmen, da diese aus Gelb und Blau gemischt wurde.

Dies war die erste Unterscheidung zwischen Primär- und Sekundärfarben.

Leon Battista Alberti

Leon Battista Alberti (18. Februar 1404 – 20. April 1472) ging es ebenfalls darum, ein für Maler geeignetes System der Farben zu entwickeln. Er ging von vier Grundfarben Gelb, Grün, Blau und Rot aus, die in einem Quadrat oder einem Kreis nebeneinander angeordnet werden konnten.

Franciscus Aguilonius

Franciscus Aguilonius (1567 – 1617), Jesuit zu Brüssel, beschäftigte sich weniger mit den konkreten zum Malen zu verwendenden Farben sondern mehr mit theoretischen Farbqualitäten.

Bei ihm gibt es neben der schon bekannten linearen Anordnung der Farben auch eine bogenförmige. Die verwendeten fünf Grundfarben, Schwarz, Weiß, Rot, Gelb und Blau, bezeichnet er als einfache Farben aus denen unendlich viele Mischfarben entstehen können.

Auch unterscheidet er zwischen wahren Farben der körperlichen Dinge, apparenten Farben göttlicher und unerklärlicher Geheimnisse und intentionellen Farben.

Robert Fludd

Der Engländer Robert Fludd (1574 – 1637) entwarf den ersten jemals gedruckten Farbkreis der aus Blau, Grün, Rot und zwei Arten von Gelb bestand, Schwarz und Weiß standen nebeneinander, Rot in der Mitte.

Er ging bei seinen Farbbetrachtungen von einer Dualität zwischen Schwarz und Weiß aus, die sich auf der Erde durch Licht und Dunkelheit manifestiert. Sein Farbkreis diente dazu, die jeweiligen Farben darauf zurückzuführen. Farben waren für ihn Essenzen die Teil der vorhandenen Kreaturen waren.

Athanasius Kircher

Athanasius Kircher (1601-1680) ging von einer linearen Anordnung der Grundfarben Schwarz, Weiß, Gelb, rot und Blau aus. Mögliche Mischfarben wurden durch halbe Kreisbögen dargestellt.

Richard Waller

Richard Waller versucht die Farben in einem Quadrat anzuordnen. Die vier Grundfarben Gelb, Rot, Blau und Grün stehen dabei an den Seiten des Quadrates, die dadurch entstehenden Felder stellen die Mischfarben dar.

Die Mischtöne bestimmte er, indem er die Pigmente der Grundfarben im Gewichtsverhältnis 1:1 mischte.

Isaac Newton

Isaac Newton (1642-1726) gehört sicher zu den einflussreichsten Naturforschern unserer Geschichte, und beschäftigte sich intensiv mit Farben und deren Entstehung.

Durch umfangreiche optische Versuche mit Prismen fand er heraus, dass weißes Licht die Mischung verschiedener farbiger Strahlen ist und nicht, wie von seinen Vorgängern angenommen, ein reines Licht. In Wirklichkeit ist das farbige Licht rein, weiß entsteht durch Mischung dieser reinen Farben im richtigen Verhältnis.

Um die sieben Farben die bei der Lichtbrechung im Prisma entstehen darzustellen, führte Newton erstmals einen Farbkreis ein. Die Spektralfarben Rot, Orange, Gelb, Grün, Cyanblau, Ultramarinblau und Violettblau waren in dieser Reihenfolge darauf angeordnet, Weiß befand sich in der Mitte.

Newton war der Ansicht, Licht bestünde aus Teilchen, den Korpuskeln wodurch die Lichtbrechung im Prisma zustande käme. Die großen Rotteilchen wurden am wenigsten abgelenkt die kleinen Blauteilchen am stärksten. Sieben Grundfarben wählte er in Anlehnung an die sieben Tonintervalle einer Oktave, wobei die einzelnen Töne mit den Grenzen der Farbintervalle übereinstimmten.

Tobias Mayer

Der deutsche Mathematiker und Astronom Tobias Mayer (1723-1762) versuchte die Zahl der vom menschlichen Auge wahrnehmbaren Farben zu ermitteln. Er verwendete die Grundfarben Rot, Gelb und Blau. Schwarz und Weiß nahm er um hellere oder dunklere Schattierungen herzustellen.

Mayer hatte erkannt, dass zu kleine Farbnuancen vom Auge nicht mehr erkannt werden können, weshalb die Abstufung nicht beliebig klein gewählt werden kann. Als Grundlage für seine Berechnungen nahm er zwölf Stufen zwischen zwei Grundfarben an.

Eine neue Mischfarbe musste sich also von der reinen Ausgangsfarbe durch mindestens ein Zwölftel einer weiteren Farbe unterscheiden um wahrnehmbar zu sein. Die reinen Farben machte er anschließend zu Eckpunkten eines Dreiecks, wodurch er eine geometrische Figur konstruierte die die theoretisch entstehenden 91 Mischfarben darstellen konnte.

Diese 91 Mischfarben konnte noch durch Zugabe von Weiß oder Schwarz in ihrer Heiligkeit verändert werden, wodurch rein theoretisch 910 Farben entstehen.

Moses Harris

Der englische Entomologe und Kupferstecher Moses Harris (1731-1785) wollte sich als Naturforscher damit beschäftigen, welche Beziehungen Farben untereinander haben. Er fand unter Anderem heraus, dass die drei Grundfarben Rot, Gelb und Blau ausreichten um jede andere Farbe zu erzeugen und dass sie alle drei übereinander Schwarz ergeben. Nicht zu verwechseln mit der Mischung von farbigem Licht, denn die ergäbe Weiß.

Harris entwickelte mehrere Farbkreise für Grundfarben (Rot, Gelb und Blau) und Mischfarben (Orange, Grün und Purpur) sowie ein System das durch Vermischung benachbarter Hauptfarben 18 verschiedene Töne ergibt, die durch Unterschiede in der Sättigung in insgesamt 360 Farbtöne zu unterteilen sind.

Für die Mischfarben entwickelte er ein ähnliches System, das durch 15 Mischungen mit je 20 Sättigungen 300 Farbtöne ergibt.

Johann Heinrich Lambert

Johann Heinrich Lambert (1728-1777) versuchte alle natürliche Farben in einem einzigen geometrischen Körper unterzubringen. Er verwendete dazu eine Pyramide, die auf mehreren Dreiecksdarstellungen basierte wie sie bereits von Tobias Mayer bekannt waren.

Das Basisdreieck bestand wie bei Mayer aus Blau, Gelb und Rot an den Ecken und Mischfarben an den Seiten. Über diesem Dreieck erheben sich weitere, die nach oben hin jeweils heller werden. Im Basisdreieck sind 45 Farbtöne enthalten, im obersten nur noch drei.

Insgesamt lassen sich so 112 Farben darstellen, die Spitze der Pyramide bleibt weiß. Er hoffte, sein System würde bei Textilhändlern, Färbern und Druckern Anklang finden.

Ignaz Schiffermüller

Ignaz Schiffermüller veröffentlichte etwa zeitgleich zu Lambert einen Farbkreis der aus zwölf Farben bestand und als Besonderheit fließende Übergänge von einer Farbe zur anderen aufwies.

James Sowerby

Der Engländer James Sowerby (1757-1822) machte es sich zur Aufgabe, zum einen wieder die Bedeutung der Helligkeit und der Dunkelheit der Farben zu betonen und zum anderen einen Unterschied deutlich zu machen, der zwischen Farben besteht. Denn Licht und Pigmente verhalten sich verschieden, wenn man sie mischt.

Während die Komplementärfarben des Lichtes, miteinander gemischt, Weiß ergeben, verhält es sich mit den Pigmenten genau anders herum. Gemischte Pigmente der Komplementärfarben ergeben Schwarz.

Sowerby geht dabei wieder von den bereits bekannten Grundfarben Rot, Gelb und Blau aus, die er miteinander kombiniert.

Goethes Farbenlehre

Johann Wolfgang von Goethe beschäftigte sich nicht nur mit der Dichtkunst sondern auch intensiv mit der Lehre von den Farben. 1810 erschien sein Werk „Zur Farbenlehre“ in der er Isaac Newtons Theorie des Lichtes widersprach.

Newton verstand weißes Licht als Summe aller Farben, während Goethe der Meinung war, weißes Licht sei nicht zusammengesetzt und Farben würden aus einer Wechselwirkung von Licht und Finsternis entstehen.

Bei Künstlern fand Goethes Farbenlehre zwar durchaus Anklang, gegen die physikalischen Erkenntnisse konnte sie sich allerdings nicht durchsetzen.

Die Farbanordnung von Philipp Otto Runge

Etwa zeitgleich mit Goethe beschäftigte sich der Maler Philipp Otto Runge (23. Juli 1777 – 2. Dezember 1810) mit dem Zusammenspiel und der Darstellung von Farben. Er entwickelte eine kugelförmige also dreidimensionale Darstellung, die Farbenkugel die er 1810 also in seinem Todesjahr veröffentlichte.

Ihm ging es nicht so sehr darum, die Mischungsverhältnisse der verschiedenen Farben nachvollziehbar aufzuzeigen. Vielmehr wollte er die Harmonien der Farben untereinander anschaulich darstellen und damit nicht nur rein technische Aspekte aufzeigen sondern auch künstlerische und philosophische.

Er beklagte sich unter Anderem darüber, dass die Wissenschaftler der damaligen Zeit nur diejenigen Aspekte beachteten, die durch physikalische Vorgänge erklärbar waren. Alle die Wirkungen die damit nicht erklärbar waren, versuchte der in seinem Modell mit einzubeziehen.

Die drei Grundfarben Blau, Rot und Gelb sah er als das Symbol der „Dreyeinigkeit Gottes“, Schwarz und Weiß waren für ihn keine Farben, sondern Ausdruck von gut und böse.

Runges Farbkugel ähnelt der Erdkugel. An den Polen befinden sich Schwarz und Weiß, entlang des Äquators befinden sich die reinen Farben, ausgehend von den Primärfarben Rot, Gelb und Blau, die in gleichen Abständen voneinander postiert werden.

Zwischen den Grundfarben stehen die Mischfarben. Jede der Farben auf der Kugeloberfläche kann sich in fünf Richtungen bewegen. Nach rechts und links, oben und unten und in Richtung der Kugelmitte auf das Graue zu und hindurch bis zur jeweiligen Komplementärfarbe auf der anderen Seite der Kugel.

Die Besonderheit der Kugel ist, dass der Mittelpunkt das Grau darstellt, das sich ergibt wenn Schwarz und Weiß aber auch jeweils die Komplementärfarben miteinander gemischt werden.

Charles Hayter

Der Architekt und Maler Charles Hayter (1761-1835) ging ebenfalls von den drei Grundfarben Rot, Blau und Gelb aus, aus denen sich alle anderen Farben mischen lassen. Seine Darstellung ähnelt allerdings sehr der Darstellung von Moses Harris, bot also nichts wirklich neues.

Michel Eugène Chevreul

Der Chemiker Michel Eugène Chevreul (1786-1889) beschäftigte sich aus dem Themenfeld der Färberei heraus mit den Farben und speziell mit Farbkontrasten. Erstmals wurde die Rolle des menschlichen Gehirns in die Betrachtung der Farben und ihrer Wirkungen mit einbezogen.

Er entwarf einen 72teiligen Farbenkreis, der aus den drei Primärfarben Rot, Gelb und Blau, sowie drei Sekundärfarben Orange, Grün und Violett besteht und sechs sekundäre Mischfarben enthält. Diese Grundfarben wurden zudem in verschiedenen Helligkeitsstufen dargestellt.

George Field

Der Chemiker George Field (1777-1854) erstellte ebenfalls aus den Grundfarben Rot, Gelb und Blau einen Farbenkreis.

Er versuchte zudem, die Farben mit Tönen und Bedeutungen zu verbinden. Er ordnete den Farben die Eigenschaften heiß und kalt zu, sowie weitere Bedeutungen.

James Clerk Maxwell

James Clerk Maxwell (13. Juni 1831 – 5. November 1879), ein in Wissenschaftskreisen sehr berühmter Physiker, beschäftigte sich logischerweise auf physikalischer Ebene mit den Farben. Auf ihn gehen die vier Feldgleichungen zurück, die beschreiben wie sich Licht ausbreitet. Ebenso entwickelte er Gleichungen die Farbmischungen erfassen konnten und er beschäftigte sich mit der Theorie des Farbensehens.

Er stellte die Farbkombinationen innerhalb eines Dreiecks dar, auf dessen Eckpunkte die drei primären Spektralfarben Rot, Grün und Blau angeordnet waren. Mit dieser Dreieckskonstellation war er in der Lage, das Ergebnis einer Farbmischung zu berechnen und damit vorherzusagen wenngleich seine Formeln schnell an ihre Grenzen stießen.

Hermann von Helmholtz

Hermann von Helmholtz (1821-1894), ebenfalls Physiker, beschäftigte sich wie Maxwell mit der physikalischen Erklärung von Farbmischungen. Er veränderte das Farbdreieck von Maxwell, da er bemerkt hatte dass die Spektralfarben unterschiedliche Abstände zu Weiß haben müssen, welches im Zentrum des Dreiecks liegt.

Er veröffentlichte die drei, auch heute noch verwendeten, Variablen Farbton, Sättigung und Helligkeit.

William Benson

Der englische Architekt William Benson baute sein Farbsystem auf einem Würfel auf. Dieser steht auf der schwarzen Ecke, von dort führen drei Kanten zu einer roten, grünen und blauen Ecke. Von der oben liegenden weißen Ecke führen drei Kanten zu Gelb, Meergrün und Rosa.

Die Bedeutung der Helligkeit kann dieser Würfel allerdings nicht darstellen, weshalb er schnell auf Kritik stieß.



Eine sehr gute Website mit näheren Informationen zu den hier vorgestellten Personen und Systemen finden Sie unter: www.colorsystem.com



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