Nanopartikel, die Industrie preist sie als die Revolution der letzten zwanzig Jahre, Wissenschaftler warnen vor den gesundheitlichen Gefahren und Verbraucher wissen oft gar nicht, dass sie bereits Produkte mit Nanopartikeln kaufen.
Nanopartikel sind inzwischen in über 500 Produkten auf dem europäischen Markt enthalten. Man findet sie im im Imprägnierspray, in der Sonnencreme, in den geschliffenen Gläsern einer Brille, im antibakteriellen Kühlschrank, in antibakteriellen Socken und Schuhen, im Autolack, in Wandfarben.
Nun will die EU-Regulierungsbehörde mehr Transparenz durchsetzen. Sie will eine Liste der Produkte anfertigen, die Nanopartikel enthalten. Außerdem soll es zu jedem Produkt eine Beurteilung der möglichen Risiken geben. D.h. in jedem Einzelfall wird geprüft, ob das Produkt wirklich eine Gefahr für die Gesundheit darstellt. Viel Arbeit!
Aber bis zum Abschluss der Prüfung bleiben die Produkte erst einmal auf dem freien Markt erhältlich. Wieder einmal ein großer Lebendversuch an der Bevölkerung. Der Europäische Verbraucherverbands BEUC plädiert verständlicherweise für ein Verbot von Produkten mit Nanopartikeln bis die Risiken abgeklärt sind.
Auch Baubiologen stehen dem Ganzen sehr skeptisch gegenüber. Es gibt bereits Studien darüber, dass Nanopartikel plazentagängig sind, die Blut-Hirn-Schranke überwinden und sich im Körper anreichern. Auch für die Umwelt sind z.B. Silber-Nanopartikel (werden meist für die antibakterielle Ausstattung verwendet) nicht ohne Risiko. Eine Untersuchung an wirbellosen Tieren zeigte, dass die Aufnahme von Silbernanopartikeln schon nach 24 Stunden zum Tod führte.
Da kommt es nicht von ungefähr, dass Nanopartikel schon als das neue Asbest bezeichnet werden. Zur Erinnerung: Dass Asbest die Lungenkrankheit Asbestose auslöst, war bereits Anfang des 20. Jahrhunderts bekannt. Trotzdem hat es 80 (!) Jahre gedauert, bis die Verwendung von Asbest zumindest in Deutschland verboten wurde. Abgebaut und verbaut (z.B. in China)wird es übrigens immer noch. Und Asbest fordert weltweit immer noch jährlich 100.000 Menschenleben.
Hier wird mal wieder ganz klar Industrienutzen über Verbrauchergesundheit gestellt. Noch dazu hat der Verbraucher gar keine Wahl, weil es keine Deklarationspflicht für Nanopartikel gibt. Wir sind also – wie so oft – auf uns allein gestellt, es bleibt nur permanentes und insistentes Nachfragen.
Birgit Geistbeck – Baubiologin IBN
Quelle: www.welt.de





