Der nächste Winter kommt und es wird kräftig saniert und vor allem gedämmt, was das Zeug hält. Leider ist es so, dass bei vielen Sanierungsmaßnahmen nur die Energie-Aspekte berücksichtigt werden. Die Baubiologie wird meistens vernachlässigt.
Damit können aber zum einen Probleme entstehen oder bereits vorhandene Probleme verstärkt werden. Bei der Dämmung ohne Lüftungskonzept kann es zu Schimmelbildung kommen. Kauft man sich neue Möbel, verlegt neue Böden, streicht die Wände, kann die Schadstoffbelastung im Innenraum durch die Ausdünstungen der neuen Baustoffe steigen.
Die Wahl der richtigen Baustoffe hat also einen wesentlichen Einfluss auf das Wohlbefinden der Bewohner. Aber worauf sollte man beim Einkauf achten? Das ist gar nicht so einfach, es gibt zwar einiges an Prüfsiegeln, aber leider kann man sich auf die auch nicht immer verlassen.
Bevor Sie mit dem Renovieren beginnen, sollten Sie sich darüber klar sein, was Sie ersetzen möchten. Laut Verband der Baubiologen sind zirka 80 Prozent der deutschen Altbauten mit gesundheitlich äußerst bedenklichen Baustoffen belastet. In alten Häusern finden sich immer noch Asbest oder PAKs (Polycyklische aromatische Kohlenwasserstoffe) in Fußböden. Solange diese Fußböden nicht entfernt werden, ist das Asbest nicht problematisch. Wird der Fußboden aber entfernt, wird das gebundene Asbest freigesetzt. Holzschutzmittel und Formaldehyd sind auch ein Thema. Die damit verseuchten Baustoffe sollten am besten entsorgt werden.
Wenn Sie neu streichen, schauen Sie sich die Inhaltsstoffe genau an. Verzichten Sie auf Farben und Lacke, die Formaldehyd und chemische Lösungsmittel wie Xylol, Toluol und Styrol enthalten. Aber auch die Naturfarben und -lacke kommen nicht ohne Lösungsmittel aus. Sie enthalten meistens Terpene, die bei empfindlichen Personen auch Allergien und Beschwerden wei Kopfschmerzen, Schleimhautentzündungen oder Atemwegserkrankungen auslösen können. Wenn Sie sehr empfindlich sind, sollten Sie Baustoffe immer vorher “ausprobieren”, also eine Woche lang neben das Bett legen und schauen, ob und welche Beschwerden auftreten.
Bei Möbeln sollten Sie auf Vollholzmöbel zurückgreifen, die entweder unbehandelt oder mit einem diffusionsoffenen Naturöl behandelt sind. Spanplatten sind meist formaldehydbelastet, auch die E-1-Spanplatten sind nur formaldehydarm. Zudem werden immer mehr Isocyanate an Stelle von Formaldehyd eingesetzt. Auch sie gelten als gesundheitlich sehr problematisch.
Auch für den Boden gibt es eine Menge baubiologisch empfehlenswerter Möglichkeiten: Massivholz, Linoleum, Kork, Naturfaserteppich. Aber hier heißt es wie bei den Möbeln: vorsichtig sein. Wenn die Böden mit den “falschen” Ölen, Harzen, Lacken behandelt sind, dünsten Schadstoffe aus. Naturfaserteppiche sind oft mit dem Insektizid Permethrin behandelt. Also auch hier nachfragen, was drin ist.
Bei der Aussendämmung wird meistens Polystyrol verwendet. Nun gilt zwar in der Baubiologie das Prinzip, von innen nach außen baubiologisch verträgliche Baustoffe zu verwenden, aber auf das Raumklima wirkt sich das Polystyrol auch nicht besonders förderlich aus. Wer wohnt schon gerne in einem Haus mit Plastikhaut. Rein ökologisch ist das Polystyrol natürlich nicht vertretbar. Die umwelt- und baubiolgiefreundlicheren Alternativen wären Hanf, Holzfasern oder Kokosfasern.
Da man sich als Laie nur schwer im Dschungel der Inhaltsstoffe auskennt, lässt man sich am besten bei der Renovierung und Sanierung von einem der inzwischen zahlreichen Baubiologen beraten. Es gibt inzwischen auch baubiolgische Energieberater. Zur Vorsicht ist aber auch hier geraten, denn die Bezeichnung „Baubiologe“ ist in Deutschland keine geschützte Berufsbezeichnung. Wenn der Experte aber bei einem der baubiologischen Berufsverbände Mitglied ist, sind Sie auf der sicheren Seite.
Birgit Geistbeck – Baubiologin IBN
Quelle: www.pnp.de





