Teil 4: Die Nutzung des Ortsmaßes in den geomantischen Systemen
Ein alter Maya-Mythos lässt eine Beziehung des Ortes zum verwendeten Maßsystem erkennen. Nach diesem gab es am Anfang nur den Himmel und den Urozean. Die Götter des Himmels und des Meeres beschlossen, Menschen zu erschaffen.
Dazu schufen sie einen Ort, wo diese Geschöpfe leben konnten. Also sprachen sie das Wort “Erde” aus und sofort formte sich diese. Die Schöpfung wurde durch “vier Strecken, vier Ecken, vierfaches Abmessen, vier Pfosten, Halbieren der Schnur, Spannen der Schnur in den Himmel, auf die Erde, die vier Seiten, die vier Ecken” ausgedrückt. So vermaßen auch später weiterhin die Bauern ihr Ackerland und die Bauherren den Baugrund. Der Ort und der Kosmos sollten nach dem Willen der Götter über das Maß im Einklang sein.
Die geomantische Lehre des Vastu in Indien hat eine Vielzahl von Regeln entwickelt, um diesen Einklang von Mensch, Baukörper, Zeit und Ort zu erzeugen. Perfektion gilt als das Kennzeichen von Brahma. Das Wesen der Erscheinungswelt hingegen ist Unvollkommenheit. Diese spiegelt sich z.B. auf dem Gebiet der Mathematik, der Bruchrechnung, wider. Ganze Zahlen stehen mit der Vollkommenheit in Einklang, Ergebnisse, die nicht zu einem ganzzahligen Ergebnis führen entsprechen der Unvollkommenheit unserer Welt.
Es bleibt ein Rest. Dieser Rest ist das wichtigste Element der Maßverhältnisse beim Bauen. Durch verschiedenste Formeln wurde die Breite des Tempels und die Länge bestimmt, ferner der Stern, unter welchem der Tempel errichtet werden muss, die Himmelsrichtung, in die er weisen soll, der Wochentag, an dem der Bau begonnen werden soll, ja selbst die Kaste des Tempelstifters und das Alter, das der Tempel (energetisch) erreichen soll.
Die Länge des am Ort verwendeten Maßes ist der Grundton der architektonischen Symphonie.
Der Kammerton a des 17. Jahrhunderts in Deutschland entspricht – umgerechnet in Wellenlängen – der Megalithischen Elle, die heutige Stimmung des Kammertons dagegen entspräche der historischen Wiener Elle.
Regt man eine träge Flüssigkeit mit einem Ton an, so entstehen Schwingungsbilder. Es entstehen stehende Wellen, die am Ort fixiert bleiben, solange der Ton anhält. Dieses Verfahren wird z.B. bei kymatischen Bildern oder chladnischen Klangfiguren angewandt. Auch die Grundschwingung eines Ortes erzeugt eine solche Resonanz. Diese Resonanz wird eben gerade dadurch verstärkt, dass die Grundschwingung Eingang in das örtlich genutzte Maßsystem findet und z.B. Bauten darauf abgestimmt werden.
Eine Stadt wird so zum Resonanzkörper der Eigenschwingung des Ortes. Das Ortsmaß von Augsburg ist der Stadtwerkschuh (“Augsburger Fuß”) mit 29,4 cm Länge. Es ist so wie in alten Zeiten am Rathaus als Metallschiene angebracht und für jedermann zugänglich. Zieht man vom Stadtzentrum aus – in diesem Falle vom Augsburger Perlachturm als energetischer Mitte, als Omphalos mit Einstrahlpunkt – Radien mit dem tausendfachen Wert des Stadtmaßes (294 Meter; also 294 m, 2 x 294m = 588m, 3 x 294 m = 882 m), so erkennt man, dass die Kirchen St.Moritz, St. Anna (294 m), das Dominikanerkloster (Hl Kreuz) und St. Maximilian (588 m), St. Georg und St.Ulrich und Afra (882 m) exakt auf diesen “stehenden Wellen” dieses Grundtones stehen.

Der Augsburger Dom und St. Jakob stehen dagegen bei einem Radius von (1,5 x 294m =) 441 m, bzw 1500 mal der Stadtwerkschuh. Nicht nur der heilige Raum selbst fügt sich in die Grundschwingung des Ortes ein, sondern auch die Bezüge der Orte untereinander.
Fortsetzung folgt …
Teilweise Buchauszüge aus Stefan Brönnle: Heiliger Raum, Neue Erde Verlag.
www.stefan-broennle.de
www.inana.info
www.geomantie-zentrum.de
Stefan Brönnle
Büro für geomantische Planung
Kloster Moosen 12
84405 Dorfen





