Harmonik und Maß in Feng Shui und Geomantie
Teil 1: Der Goldene Schnitt
Es ist für mich interessant und erstaunlich, dass im Feng Shui, in dem das Wort “Harmonie” eine so große Rolle spielt, die Harmonik keine große Rolle zu spielen scheint. Jedenfalls ließt man selten etwas darüber in der gängigen Literatur. Dabei ist die harmonikale Gestaltung in West und Ost gleichermaßen vertreten, ja, sie bildet geradezu einen Grundpfeiler geomantischer Gestaltungstechniken.
Die Harmonik (von harmonia Zusammenführung, Einklang) entstammt zunächst der Musiktheorie. Sie beschreibt die Lehre des Zusammenklangs verschiedener Töne oder Stimmen. In der Gestaltungspraxis wird die Rolle der Töne von Maßen übernommen. Die gestalterische Harmonik beschreibt daher den Einklang und Zusammenklang von Maßen zu Raumproportionen, die ihrerseits auf die menschliche Seele zurückwirken.
Eines der bekanntesten und am häufigsten verwendeten Proportionierungsschemata ist der Goldene Schnitt. Divina Proportione, Goldenes Mittel, Goldene Proportion, Heiliger Schnitt oder Goldenes Verhältnis wurde dieses Verhältnis von Maßen in den Jahrhunderten genannt. Der Goldene Schnitt beschreibt ein einfaches Verhältnis:
A:B = B:C. Der Goldene Schnitt teilt eine Strecke (Maß) so, dass sich die ganze Strecke (A) zur größeren Teilstrecke (B) genauso verhält wie die größere Teilstrecke (B) zur kleineren (C).

“Du sollst einen Kasten machen aus Akazienholz zwei und eine halbe Elle lang, eine und eine halbe Elle breit, und eine und eine halbe Elle hoch”
So lautet die Anweisung Gottes zur Gestaltung der Bundeslade (Exodus 25:10). Es sind die Maßverhältnisse des Goldenen Schnittes!
Der Experimentalpsychologe Gustav Theodor Fechner (1801 – 1887) führte eine umfangreiche Zahl an Experimenten durch, die um die Wirkung des Goldenen Schnittes kreisten. So bat Fechner Personen auf das Rechteck in einer langen Reihe von Rechtecken mit verschiedenen Proportionierungen zu zeigen, das ihnen am angenehmsten erschien. Die statistische Verteilung zeigte dabei eindeutig eine Favorisierung der Maßverhältnisse des Goldenen Schnitts.
Doch warum ist der Schnitt “golden”, ja sogar “heilig” (“Divina Proportione”). Nun, zum einen wegen der starken Anziehungskraft, die diese Proportion auf den Menschen innerlich ausübt. Aber nicht nur dies, der Mensch selbst ist z.T. nach ihm gestaltet. So teilt die Linie des unteren Nasenansatzes die Strecke Kinnspitze-Augen im Goldenen Schnitt. Die Mundlinie wiederum teilt die Strecke Kinnspitze-Nasenansatz im Goldenen Schnitt usw. Auch Albrecht Dürer war von dieser Proportionierung fasziniert und stellte umfangreiche Gesichtsstudien an.
Obgleich also der Mensch u.a. auf diesem Proportionierungsschema beruht und sich zutiefst davon angesprochen fühlt, ist der Goldene Schnitt dennoch eine irrationale Zahl, also eine Zahl, die nicht als ein Verhältnis von ganzen Zahlen dargestellt werden kann. Ihre dezimale Erweiterung ist unendlich und bildet keine Periode. So ist der exakte Goldene Schnitt eben eigentlich nur geometrisch, aber nicht algebraisch zu fassen [(1+ √5):2]. Luca Paciolo, der Lehrer Leonardo da Vincis schrieb in seinem Werk “De divina proportione” dem Goldenen Schnitt 5 Eigenschaften Gottes zu:
* Einheit und Einzigartigkeit
* Dreifaltigkeit
* Unmöglichkeit in menschlichen Termini ausgedrückt zu werden
* Unvergänglichkeit
Zuletzt beschreibt Paciolo den sich auf dem Goldenen Schnitt aufbauenden Pentagondodekaeder (einen aus Fünfecken zusammengesetzten Zwölfflächner):
“Wie Gott Leben durch die fünfte Essenz in den Kosmos atmete und in die vier Elemente und in jedes in der Natur existierende Ding, so flößte der Goldene Schnitt Leben in das Dodekaeder.”
Und tatsächlich: Berechnungen von Jean-Pierre Luminet vom Observatorium in Paris nehmen an, dass unser Universum eine aus 120 Dodekaedern bestehende dreidimensionale Hyperfläche ist.
Im Goldenen Schnitt atmet Gott die “fünfte Essenz”, die Quinta Essentia, den Äther, das Qi in das Universum. Kein Wunder also, dass gerade die Nase das menschliche Gesicht im Goldenen Schnitt teilt….
Versuche mit Seminarteilnehmern haben gezeigt, dass Linien, die im Goldenen Schnitt geteilt werden eine starke Energetik entfachen und Rechtecke, die nach der Heiligen Proportion gebildet sind, den Menschen in ein harmonisierendes und trotzdem spannendes Verhältnis zu seiner Umwelt setzen.
Fortsetzung folgt …
Teilweise Buchauszüge aus Stefan Brönnle: Heiliger Raum, Neue Erde Verlag.
www.stefan-broennle.de
www.inana.info
www.geomantie-zentrum.de
Stefan Brönnle
Büro für geomantische Planung
Kloster Moosen 12
84405 Dorfen





