Was gibt es Neues aus der Welt der Baubiolgie

Nun ist er also zu Ende, der 2. Internationale Baubiologische Kongress. Und ich muss sagen, es waren sehr informative und auch kommunikative Tage. Was gibt es Neues?
Ein ganz großes Thema sind die Schimmelpilze, dazu gab es gleich mehrere Vorträge von Umweltmedizinern, Toxikologen und Messtechnikern. Die Häuser werden aufgrund der Energiesparverordnung immer besser gedämmt und dadurch immer dichter, was zu massiven Schimmelproblemen führen kann, wenn es kein Lüftungskonzept gibt. In einem komplett gut gedämmten Haus müssten die Bewohner 10 – 15 mal pro Tag Stoßlüften, um einen gesunden Luftaustausch zu gewährleisten, was man natürlich niemandem zumuten kann. Deshalb bleibt in solchen Fällen meist nur eine Lüftungsanlage, was unter Baubiologen sehr kontrovers diskutiert wird, da auch hier wieder die Gefahr der Verkeimung besteht.
Sehr interessant aber auch schockierend fand ich den Vortrag von Kathrin Otte, der Leiterin der Hamburger MCS-Selbsthilfegruppe Umweltgeschädigter (MCS = Multiple Chemikalien Sensibilität). MCS und Elektrosensiblität nehmen immer mehr zu und diese Leute reagieren wirklich auf geringste Einflüsse, sei es Chemikalien oder Elektrosmog, und werden immer noch auf die Psychoschiene geschoben, weil keiner die Zusammenhänge zwischen Schadstoffen, Elektrosmog und der Krankheit glaubt. MCS Kranke leben schon mal in Höhlen (so berichtete ein Kollege aus Frankreich), da sie keine geeigneten Wohnungen finden. Umso lobenswerter ist es, dass in der Schweiz gerade die erste Wohnsiedlung für MCS-Kranke gebaut wird. Ein ähnliches Projekt wird übrigens in Deutschland angestrebt.
Am Samstag berichteten dann die Kollegen aus anderen Länder, wie es mit der Baubiologie bei ihnen bestellt ist. Es wurden tolle Projekte vorgestellt, ein baubiologisch errichteter Waldorfkindergarten in Tschechien, ein ganzer Universitätskomplex, der in Spanien nach baubiologischen Kriterien gebaut wurde. Aber auch die Probleme mit dem Mobilfunk wurden geschildert, die Verstrickung der Politik mit den Mobilfunkbetreibern, da ist es in den anderen europäischen Ländern nicht anders als in Deutschland. Mobilfunk war natürlich auch auf dem Kongress ein großes Thema, da verwundert es einigermaßen, dass trotz des ausdrücklichen Hinweises, aus Rücksicht auf umwelterkrankte Teilnehmer Handys ausgeschaltete zu lassen, einige Handys im Saal klingelten. Ich habe meines übrigens komplett abgeschafft und mein erstes Wochenende ohne und weg von zuhause verbracht (ein kleiner Erfahrungsbericht dazu hier).
Ergänzt wurde der Kongress von einer kleinen Auswahl an Ausstellern aus den Bereichen der Messtechnik und der Mobilfunkgegner.
Genetzwerkt wurde natürlich auch viel, wobei ich viele getroffen haben, die Feng Shui und Baubiologie kombinieren.
Für mich heißt es jetzt erstmal, die zahlreichen Unterlagen, Notizen, Linktipps und Visitenkarten zu sichten, sortieren und bearbeiten.
Fazit des Kongresses: Wir haben noch einen weiten Weg und vor allem auch großen Kampf vor uns, dass unsere Umwelt von allen so gestaltet wird, dass alle gesund darin leben können. Aber es werden immer mehr, die dafür kämpfen.

Birgit Geistbeck
www.birgit-geistbeck.de

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13 Kommentare »

  Hedwig Seipel schrieb am 12 Oktober 2010 um 06:47 Uhr:

Hallo Birgit,

danke für den spannenden Bericht. Was mich noch interessieren würde, hat man auch das Thema der psychischen Probleme in Passivhäusern angesprochen?

Grüße
Hetti

  Birgit Geistbeck schrieb am 12 Oktober 2010 um 15:01 Uhr:

Hallo Hetti,

das Thema psychische Probleme in Passivhäusern wurde auf dem Kongress nicht angesprochen. Wußte gar nicht, dass da ein Zusammenhang besteht. Hast du damit Erfahrungen gemacht oder irgendwo einen Artikel dazu?
Das Thema psychische Probleme wurde allerdings im Zusammenhang mit Elektrosmog kurz angesprochen, denn gerade die Hochfrequenzstrahlung führt immer wieder zu solchen Problemen bis hin zu ausgewachsenen Depressionen und Selbstmord.

Grüße
Birgit

  Hedwig Seipel schrieb am 12 Oktober 2010 um 15:24 Uhr:

Hallo Birgit,

ja, ich habe darüber gelesen, dummerweise finde ich den Link nicht mehr :-( . Es ging darum, dass vor allem Menschen, die latent zu Fobien neigen, in Passivhäusern besonders gefährdet sein sollten. Das Gefühl “eingesperrt zu sein”, die Fenster nicht nach Belieben öffnen zu dürfen begünstigt die Psychosen.
Für mich sind Passivhäuser typische Ssu Chi Gruben, weil frische Luft, der wichtigste Chi-Träger nicht wirklich direkt ins Haus einströmen kann. Auch schon der Name löst Unbehagen aus: man ist passiv der Technik ausgeliefert ;-) .

Viele Grüße
Hedwig

  Birgit Geistbeck schrieb am 12 Oktober 2010 um 15:37 Uhr:

Hallo Hetti,

das mit dem “Ich darf die Fenster nicht öffnen” ist totaler Mumpitz! Ich kenne einen Architekten, der fast nur noch Passivhäuser baut, bei dem stehen im Sommer die Fenster sperrangelweit auf, die Familien läßt auch im Winter mal Luft über das Fenster rein. In einem “normalen” Haus reiße ich die Fenster ja im Winter auch nicht ewig lange auf.
Aber dass man passiv der Technik ausgeliefert ist, das macht mir auch Unbehagen, und dass ich für alle Räume diesselbe Temperatur habe. Im Schlafzimmer brauche ich keine 20°.
Aus baubiologischer Sicht ist einfach auch die Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung das Problemthema. Ich sauge von außen Luft an, die durchs Erdreich ins Haus geführt wird. D.h. im Sommer sauge ich warme Luft an, die kühlt im Erdreich ab und kondensiert. Wenn hier im Zuluftrohr kein Gefälle da ist, hab ich ganz schnell eine Verkeimung, weil Wasser, wenn es eben steht, ganz schnell Leben entwickelt.

Grüße
Birgit

PS: Den Link müsste man ja wieder “ergooglen” können. Ich versuchs einfach mal.

  Hedwig Seipel schrieb am 13 Oktober 2010 um 07:09 Uhr:

Hallo Birgit,

mit dem Fenster “Mumpitz” bin ich nicht einverstanden. Ich kenne selbst echte Passivhäuser, bei denen das der Fall ist. Die Fenster lassen sich einfach nicht öffnen. Die Lüftung erfolgt ausschließlich über die Belüftungsanlage. Du beschreibst eher ein Haus mit Erdwärmenutzung. Das ist aber m.E. nicht unbedingt bei jedem Passivhaus der Fall. Vielmehr kommt ein echtes Passivhaus völlig ohne eine Heizung. Lediglich eine Solaranlage auf dem Dach sorgt für warmes Duschwasser. Die benötigte Energie in solchen Häuser wird ausschließlich aus der Sonneneinstrahlung durch die Scheiben und aus der von den Bewohner produzierten Wärme gewonnen. Vor ca. 1 Jahr hatte ich sogar die Anfrage beim Neubau eines solchen Hauses als FS-Beraterin mitzuwirken, was ich aber abgelehnt habe.

Viele Grüße
Hedwig

  Birgit Geistbeck schrieb am 13 Oktober 2010 um 08:31 Uhr:

Guten Morgen Hetti!

Das von mir beschriebene Haus ist ein echtes Passivhaus ohne Erdwärme! Und der besagte Architekt (hat sogar schon Preise für seine Häuser bekommen) betont immer wieder in seinen Vorträgen, dass es einfach nicht stimmt, dass man in Passivhäusern die Fenster nicht öffnen darf. MAN DARF!!!!! Und wenn sich bei einem Haus die Fenster nicht öffnen lassen, dann ist das meines Erachtens ein völliger Blödsinn vom Architekten verbrochen. Und Passivhäuser brauchen immer noch eine Heizung, weil manchmal die Wärmerückgewinnung und die Sonneneinstrahlung nicht ausreicht im Winter und die Solaranlage auf dem Dach auch nicht bei unserer Wetterlage. In dem von mir beschriebenen Haus wird mit Holz zugeheizt. Aber das Heizen beginnt natürlich nicht – wie bei “normalen” Häusern – schon im Oktober, sondern oft erst im Januar, wenn es wirklich bärig kalt wird (jedenfalls bei uns im Süden) und endet meist schon wieder Ende Februar.
Die überwiegende Lüftung erfolgt natürlich über die Lüftungsanlage, aber wie schon in den vorigen Kommentaren gesagt, kommen die gedämmten Häuser (auch ohne Passivhausstandard) nicht ohne kontrollierte Lüftung aus, da die natürliche Lüftung über Ritzen und Undichtigkeiten einfach wegfällt (was ja auch gut ist -> Zugerscheinungen). Und über kurz oder lang werden wir nicht umhin kommen, unseren Energieverbrauch drastisch zu senken, auf welche Art und Weise auch immer.

Übrigens eine nette Diskussion, die sich hier entwickelt.

Grüße
Birgit

  Hedwig Seipel schrieb am 13 Oktober 2010 um 08:55 Uhr:

Hallo Birgit,

ich denke, der Begriff “Passivhaus” ist einfach zu vielschichtig und bedeutet nur einen entsprechenden Standard für Energieeffizienz (eine weitere Entwicklung des “Niedrigenergiehauses”). Wie man dahin kommt, über welche Bauweise und Tricks, das ist ein anderes Thema und wird auf unterschiedlichen Wegen gelöst. M.E. sind pauschale Aussagen wie “Fenster auf, Fenster zu” gar nicht möglich, weil es immer auf das Konzept des Architekten ankommt. Gibt’s nicht, gilt nicht ;-) .

Grüße
Hetti

  Birgit Geistbeck schrieb am 13 Oktober 2010 um 09:36 Uhr:

Hallo Hetti,

ich hab mal in meine Baubiologieunterlagen nachgeschaut, was ein Haus aufweisen muss, damit es als Passivhaus bezeichnet werden darf: Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung, Jahres-Heizwärmebedarf kleiner gleich 15 kWh/m²a und ein Primärenergiebedarf von kleiner gleich 120 kWh/m²a (inkl. Heizung, Warmwasser, Strom) und laut Passivhaus Insitut auch noch bestimmte U-Werte für Fenster und Bauteile.
Diese Vorgaben lassen für den Architekten und Bauherrn noch genügend Spielraum. Du hast Recht, gibt’s nicht, gilt nicht.

Grüße
Birgit

  Gerhard Zirkel schrieb am 13 Oktober 2010 um 10:41 Uhr:

Also ich finde immer noch, die beste Variante Heizenergie zu sparen ist in ein warmes Land auszuwandern :)

Gerhard
der Kälte selbst dann nicht leiden kann, wenn sie draußen bleibt …

  Birgit Geistbeck schrieb am 13 Oktober 2010 um 11:29 Uhr:

Hallo Gerhard,

denkst du da etwa an Bali? Mir persönlich würde schon die Toskana reichen.

Birgit
die gerade im Büro friert, weil sie zu knausrig zum Heizen ist!

  Sylvia schrieb am 13 Oktober 2010 um 15:35 Uhr:

Gerhard: Aber um dort passiv die Wärme nutzen zu können, mußt du vorher umso aktiver sein :-)

Birgit: Feine Artikel schreibst du da !

  Birgit Geistbeck schrieb am 13 Oktober 2010 um 16:28 Uhr:

@Sylvia
Danke!
Birgit

  Gerhard Zirkel schrieb am 14 Oktober 2010 um 14:05 Uhr:

@Birgit

An Bali denke ich erst, wenn die dort einen gescheiten Internetzugang haben :) Aber mich interessiert ja nicht nur Bali, gibt ja noch mehr schöne Gegenden.

@Sylvia

bin ja schon dabei …

Gerhard

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