Teure Kolleginnen, werte Kollegen, hochverehrte Leserinnen und Leser,

2010_09im August galt es, glitzernde Fassaden ohne Hintergrund zu erkennen und als solche zu entlarven, sich dem vielen Lärm um Nichts zu entziehen und Position zu beziehen.

Bei dem Beziehen von Position machten (und machen auch weiterhin) viele Demonstranten in der Stuttgarter Innenstadt ganz viel Lärm. Und das ist gut so. Sie haben die Zeichen des August erkannt und richtig gedeutet. Der unter Denkmalschutz stehende Stuttgarter Kopfbahnhof (www.hauptbahnhof . . . .html) soll abgerissen werden, Schienenführungen unterirdisch verlegt und die oberirdisch frei gewordene Fläche städtebaulich neu angelegt werden. Die geplante Kosten liegen derzeit bei etwa 4 Milliarden Euro (http://de.wikipedia . . . art_21).
Zum einen: wie teuer sollen die Denkmäler noch werden, die sich einige Profilierungsneurotiker mit solchen Prunkbauten meinen errichten zu müssen? Zum anderen: erfahrungsgemäß schießen bei solchen Großprojekten die Kosten gewaltig ins Kraut. Meine Prognose – wenn dann dieser Wahnsinn tatsächlich realisiert wird: Gesamtkosten mindestens 10 Milliarden Euro. Aber jetzt mal unter uns . . . was soll das ganze???? Viele soziale Projekte werden durch Rotstifte verstümmelt oder gar exekutiert und hier wird die Kohle nach feinster Fratzenmachermanier aus dem Fenster geschaufelt. Ganz zu schweigen davon, dass ein Teil eines historisches Stadtbildes städteplanerischem Verstümmelungswahn anheim fallen soll.

Personalausweis 2.0 soll es ab 01.11.2010 heißen. Auf einem integrierten Chip sollen persönliche Daten gespeichert werden, auch biometrische Daten können gespeichert werden. Im echten Leben soll dieser neue Ausweis letztendlich auch die Glaubwürdigkeit beim Online-Einkauf zu verbessern. 1 Millionen Bürger sollen kostenfrei die passenden Lesegeräte dazu bekommen. Der Chaos Computer Club (CCC) hat diese Geräte untersucht und gravierende Sicherheitsmängel entdeckt (http://www.netzwelt.de . . . gehackt.html). Gut, dass wir diesen Club haben. Nutzt nur nichts, wenn die Regierung keinen Handlungsbedarf sieht. Nicht nur, dass es äußert fragwürdig ist, den Ausweis derart mit Informationen, die niemanden etwas angehen, zu überfrachten. Nein, damit nicht genug. Wir erleben eine Neuauflage von Stasi 2.0 (wir erinnern uns, Herr Schäuble hatte damals maßgeblich seine Finger im Spiel). Nicht wahr, Herr Minister de Maizière, es macht nichts, dass wir nicht nur noch gläserner werden, sondern jetzt auch noch von jedermann ausspioniert werden können. Wozu leben wir schließlich in einer Informationsgesellschaft?!

Nachdem am 01.01.1999 der neue EU-Führerschein eingeführt wurde, hat dieses Thema wieder Konjunktur. Nach einer EU-Richtlinie sollen Führerscheine ab 2013 nur noch 15 Jahre Gültigkeit haben (http://www.focus.de . . . 545549.html). Mit diesem Austausch wären die „Fleppen“ dann jeweils auf dem neuesten Stand der Sicherheitstechnik. Sicherheitstechnik? Werden wir alle wieder als potentielle Straftäter oder Terroristen hingestellt? Und wieder einmal die unverzichtbare Frage: wozu das ganze?? Ein Führerschein ist ein Befähigungsnachweis und keine Ausweispapier. Wird eine neue Ausgabe des Führerscheins beantragt, muss die Befähigung ein Kfz führen zu können, nicht erneut nachgewiesen werden. Auch wird kein ärztliches Attest verlangt. Ja nicht einmal ein aufgefrischter Erste-Hilfe-Kurs muss belegt werden. Das ist doch wohl wieder eine echte . . . upppss, beinahe hätte ich Tintenpisserei geschrieben . . . Geschichte, die ganz gut nach Schilda passt. Notorisch überlastete Verwaltungen bekommen noch mehr sinnfreie Arbeit. Und was hat der Bürger davon, außer noch mehr bürokratischen Aufwand, Rennerei und nicht zuletzt Kosten? Nix. Wie sieht es da mit der Sinngebung aus? Ein kleiner Trost: die Führerscheine, die vor 2013 ausgestellt wurden, behalten bis 2033 Gültigkeit. Klasse, da kann ich ja noch ne Weile mit meiner grauen“Pappe“ über Land schreddeln.

Lassen wir den August nun ruhen und wenden uns dem September zu. Was kommt auf uns zu?
Selbst ist die Frau, selbst ist der Mann. Das ist im neuen Monat angesagt. Ideen, Pläne und Vorhaben selbst auf die Schiene zu stellen und zu realisieren, ist das, was uns voran treiben wird. Wie gesagt „selbst“! Der hochherrschaftlich arrogante Ansatz „wo lassen Sie arbeiten?“ wirkt nicht. Klingt nach einer gewaltigen Umstellung für so manche, gelle?!
Doch Eile mit Weile! Ein Tunnelblick, der unseren Fokus einzig und allein auf dieses eine Ziel richtet, wird nicht zum gewünschten Ergebnis führen. Sonst erkennen wir in dem Licht am Ende des Tunnels wirklich den entgegen kommenden Güterzug. Wir müssen mal wieder über den viel zitierten Tellerrand schauen und uns vor allem Flexibilität aneignen. Aber bitte nicht bis zur Konzeptionlosigkeit.
Ein weitere wichtiger Aspekt im September ist Vertrauen. Vertrauen in uns selbst und in andere. Engstirnige Alleingänge sind genauso wenig angesagt wie sich ungeprüft mit jedem/r x-beliebigen einzulassen. Aber mit dem Vertrauen ist das so ‘ne Sache. „Wenn man einem Menschen trauen kann, erübrigt sich ein Vertrag. Wenn man ihm nicht trauen kann, ist ein Vertrag nutzlos“. Soweit Jean Paul Getty zu diesem Thema. Drum prüfe, was sich ewig bindet . . . ob sich nicht was bess’res findet. Ist doch die Konsequenz daraus, oder?! Und das gilt nicht nur für persönliche Beziehungen, sondern auch für geschäftliche Kooperationen. Der September, genau der richtige Monat für Kündigungen.
Althergebrachtes darf im September ruhig in Frage gestellt werden, unkonventionelle Vorgehensweisen und Lösungen werden honoriert. Warum nicht wirklich mal höher, schneller oder weiter?! Warum nicht mal auf anders steinigen, noch nicht ausgetretenen, Pfaden zu den Sternen?!
So wie es aussieht, wird der September ganz bestimmt nicht langweilig. Er fordert uns, wird uns aber auch fördern. Und belohnen wird er uns, der September. Aber nur, wenn wir in der Lage sein werden, uns zu wandeln und weiter zu entwickeln. Weg von dem in Stein gemeißelten Zweikampf „das haben wir schon immer so gemacht“ und „da könnte ja jeder kommen“. Prinzipienreiter haben im September keine Chance.
Wenn wir dahin kommen, dass wir wenigstens einen Hauch von jenem Hans bekommen, der Dampf in allen Gassen macht, sind wir auf dem richtigen und für uns gesunden Weg.

Einen umtriebigen September wünscht
Bodo Trieb
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2 Kommentare »

  Nadja schrieb am 1 September 2010 um 07:54 Uhr:

Es ist sicherlich ärgerlich, wenn man einen Behördengang zusätzlich erledigen muss, doch ich denke es ist überhaupt kein Problem bis 2033 den Führerschein erneuern zu lassen, wenn man jetzt schon einen besitzt.

  Gerhard Zirkel schrieb am 1 September 2010 um 07:55 Uhr:

Na toll, nachdem der August schon so schwierig war, soll ich jetzt auch noch selber arbeiten? Was kommt nächsten Monat? Fenster putzen? :)

Nötig hätten sie es ja … Jedenfalls habe ich im August mehr als genug Positionen bezogen, vor glitzernden Fassaden hinter denen allenfalls etwas Arroganz steckte. Vielleicht kann ich jetzt ein paar davon niederreißen. Damit würde ich zumindest keine Altstadt zerstören.

Gerhard

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