April 8, 2009 at 21:09
·in Kategorie Belletristik
Schon im Vorwort des Buches „Verbotene Rhetorik“ macht die Autorin Gloria Beck klar, dass es sich hier nicht um eine gewöhnliches Rhetorikbuch handelt, in dem aufgezählt wird wie man eine Rede hält oder wie eine Präsentation erstellt wird.
Vielmehr hat sie es sich zur Aufgabe gemacht, all die Techniken vorzustellen die der normale Rhetoriktrainer lieber nicht anspricht. Nämlich die Techniken mit denen man seine Mitmenschen manipuliert, belügt und kontrolliert. Ethische Bedenken werden nicht nur über Bord geworfen, sie werden erst gar nicht zugelassen.
Nach einer kurzen Einführung zur Herkunft und Definition des Begriffes Rhetorik gibt es eine Gebrauchsanleitung für das Buch, welches sich mehr als Nachschlagewerk versteht denn als Lehrbuch. Zumindest gibt es eine Übersicht der Rhetorikmethoden nach den zu erreichenden Zielen.
Der Leser kann also sehr schnell nachschlagen, welche Technik er anzuwenden hat wenn er beispielsweise jemanden aggressionsbereit machen, jemanden hintergehen oder unter Druck setzen möchte.
Nun geht es an die Beschreibung der einzelnen Techniken, jeweils mit den theoretischen Hintergründen, Funktionsweise und einer Schritt für Schritt Anleitung wie man die Technik anwendet, welche Zielpersonen dafür geeignet sind und wie man hinterher den Erfolg kontrolliert.
Besonders interessant ist die Bewertung der ethischen Bedenklichkeit der jeweiligen Methode mittels einer Skala. Diese Skala geht von unbedenklich für die Einschmeicheltechnik über etwa mittel für die Abhängigkeitstechnik bis hin zu einem vollen Balken für die Hypnosetechnik, die allerdings nur für Profis geeignet ist.
Insgesamt werden 30 Möglichkeiten vorgestellt, seine Opfer hinterlistig zu täuschen und für eigene Zwecke brauchbar zu machen. Manche harmlos, andere alles andere als das.
Fazit:
Genial, wenn man skrupellos genug ist, ethische Bedenken einmal völlig außer Acht zu lassen. Das Buch ist kein gewöhnliches Rhetorikbuch, sondern eine Anleitung wie man seine Mitmenschen so manipuliert wie man sie haben möchte – oder wie man sich vor Manipulationen schützt, je nach Bedarf.
Nicht nur für Menschen die häufig vor Publikum reden müssen, sondern für normale Angestellte oder Selbständige gedacht, die sich tagtäglich gegen Manipulationsversuche wehren müssen oder darauf angewiesen sind sich gegen Konkurrenten durchzusetzen.
Während des Lesens ist mir mehr als ein Mal klar geworden dass auch ich ständig, bewusst oder unbewusst, manipuliert und hintergangen werde.
Vermutlich geht das allen so, das Buch zeigt Wege diese Manipulationen zu erkennen und sich dagegen zu schützen.
Die Autorin:
Gloria Beck, geboren 1968, arbeitet heute als Autorin und Managementberaterin in Bern. Die ausgebildete Philosophin, Germanistin, Arbeitswissenschaftlerin und Erwachsenenpädagogin bekam den Anstoß zu ihrem 2005 bei Eichborn erscheinenden Bestseller Verbotene Rhetorik.
Die Kunst der skrupellosen Manipulation durch Teilnehmer ihrer Seminare, die immer wieder an »bösen Manipulationstechniken« interessiert waren. Ihr aktuelles Buch Komplimente. Eine Gebrauchsanleitung erscheint im Frühjahr 2009 bei Eichborn und widmet sich der Wiederentdeckung einer vergessenen Kunst.
Gloria Beck
Verbotene Rhetorik
Oktober 2005 329 Seiten
Format: 22,4 x 15,4 x 3,2 cm
€ [D] 22,90
ISBN-10: 3821858826
ISBN-13: 978-3821858821
Gerhard Zirkel
Belesener Unternehmer
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Stichwörter:Buchtipp, fengshui, Kunst, Rhetorik, verboten, Vortrag
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Spamela schrieb am 9 April 2009 um 14:58 Uhr:
Hi Gerhard,
Mich nervt nichts mehr, als die ganzen antrainierten Profi-Rhetoriker.
Wenn das Telefon läutet und am anderen Ende säuselt mir jemand *einen wunderschönen guten was- weiß- ich – was ins Ohr, hab ich mir angewöhnt zu sagen:
Entweder sie reden ganz normal mit mir weiter oder ich leg auf.
Dann ist kurz Funkstille, dann kriegen sich die meisten ein und formulieren in ihren eigenen Worten weiter, was ich total entspannend finde.
Das Buch eignet sich als Navigationshilfe durch den Manipulationsdschungel, sich daran ein Beispiel zu nehmen, find ich nur so mittel.
Vielleicht ist es an der Zeit für eine neue Seminarreihe:
natürliche Rhetorik – oder wie werde ich wieder der, der ich eigentlich bin.
Spamela
PS: Der Blog wird im Übrigen *Eigentliches* heissen. Wann geht’s los ?
Dahinter kann sich nur Angst verbergen – Angst, sich ohne Manipulation kein Gehör verschaffen zu können. Es ist das alte Konkurrenz-Denken “nur wenn ich dem anderen meinen Willen aufzwinge, komme ich weiter im Leben”. Das ist schade – und funktioniert auf Dauer nicht. Menschen sind nicht blöd. Manipulation wird durchschaut – und wenn nur ein merkwürdiges Gefühl zurück bleibt. Authentische Kommunikation ist weniger anstrengend und führt zum MIteinander. Und das führt auch im business zum Erfolg.
Sylvia schrieb am 10 April 2009 um 10:36 Uhr:
Hallo Frau Weinberger,
Ihr Buch *Flyer* zählt zu meiner Lieblingslektüre, oft und öfter gelesen.
Und ist unbedingt allen zu empfehlen, die einen Flyer machen wollen.
Ich habe auch das Gefühl, dass es schön langsam genug ist mit Gesprächtools und *nimm die gleiche Haltung ein wie Dein Gegenüber* und blablabla.
Früher dienten Körpersprache und Ausdruck der Orientierung, mit wem ich es zu tun habe.
Heute dient es eher dazu wieder mal lapidar festzustellen, dass der andere auch eine NLP Ausbildung oder Ähnliches gemacht hat.
Mittlerweile ist die natürliche Rhetorik eher exotisch, aber sehr herzerfrischend, fast wie ein Brief, den man handgeschrieben verfasst.
Ja, diese ganzen gekünstelten Profi-Rhetoriker gehen mir auch auf den Nerv. Aber das gute an dem Buch ist ja, dass genau diese Dinge nicht darin vorkommen. Es geht mehr um die Strategie dahinter und um das Erkennen dieser Strategie am Gegenüber.
Angst verbirgt sich sicherlich manchmal hinter solchen Strategien, aber auch kühle Berechnung oder gar eine Betrugsabsicht. Interessant ist auch, wie oft wir ganz unbewusst genau die beschriebenen Strategien anwenden ohne zu wissen dass wir eine Strategie anwenden.
Zum Thema “Natürliche Rhetorik” empfehle ich das Buch “Neulich in Neukölln: Notizen von der Talsohle des Lebens”, bei Amazon (Werbung): Neulich in Neukölln: Notizen von der Talsohle des Lebens
Gerhard Zirkel
Hallo Sylvia,
das freut mich, dass Ihnen mein Flyer-Buch weiter geholfen hat!
Ich glaube, dass auch heute noch Körpersprache und der Gesamteindruck, den ein Mensch bei einem hervor ruft, entscheidend sind für den Erfolg in der Kommunikation.
Hallo Herr Zirkel,
der Aspekt ‘sich selbst auf die Schliche’ kommen, ist sicher interessant. Denn guter Wille allein macht noch keine gewaltfreie Kommunikation, wie das ja auch oft genannt wird. Also, wenn ich mal wieder die Gelegenheit habe in einem Buchladen zu stöbern, schau ich in das Buch auf jeden Fall rein.
Annja Weinberger
Mit der Rhetorik ist es wie mit Feng Shui:
gut gemachtes Feng Shui sieht man nicht, man spürt es,
gute Rheorik hört man nicht, man folgt ihr.
Grüße
Hetti
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