Ich besuchte das Haus zum ersten mal im Frühling. Die rote Haustür fiel mir als erstes auf. Sie wurde erst vor wenigen Tagen eingebaut, war aber innen noch nicht richtig verputzt, zudem fehlte noch ein sauberer Anschluss bei den Hausflurkacheln.
Die Familie mit den drei Kindern sagten, sie würden die Restarbeiten demnächst erledigen. Von außen konnte man die Baustelle auch nicht erkennen. Alles sah tadellos und intakt aus.
Ein halbes Jahr später kam ich wieder in das Haus. Die Haustür war immer noch nicht verputzt, der Wind zog durch, und die Kacheln im Flur nicht eingesetzt.
Ich fragte nach: Nun, sagte der Mann. Diese Tür spiegelt unsere Ehe. Sie ist eine Baustelle. Nach außen wirkt alle heil, aber in unserer Beziehung zieht und fröstelt es. Der Stillstand in unserer Ehe zeigt sich am Stillstand unserer Haustürbaustelle.
So kann man doch vom Äußeren auf das Innere blicken.
Sven Christeleit
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