Februar 25, 2008 at 07:57
·in Kategorie im Business
Von Margit Lipczinsky und Helmut Boerner
Schon das Vorwort macht dem Leser schnell klar, dass er kein Esoterikbuch vor sich hat. Es ist die Rede von der Wirkung der Umgebung auf die Psyche des Menschen. Ein schlechter Arbeitsplatz bedingt schlechte Leistung, das dürfte auch dem Laien einleuchten.
Die Autoren kündigen an, das fernöstliche Feng Shui mit der westlichen Tiefenpsychologie nach C.G.Jung zu verknüpfen. Das kann spannend werden.
Die Einleitung macht dann erstmal einen Abstecher in die westliche Geomantie und auf die Tatsache, dass das Wissen um den Einfluss unserer Umgebung heute fast nicht mehr vorhanden ist und von daher kaum noch angewandt wird.
So verwundert es auch nicht, dass sich moderne Gebäude nicht mehr an den Bedürfnissen des Menschen orientieren sondern nur noch coole und Aufsehen erregende Verpackungen für gewöhnlich Unternehmen sind. Diese Verpackungen etwas weniger cool und dafür menschlicher zu machen haben sich die Autoren mit ihrer Raumpsychologie vorgenommen.
Es folgt eine kurze aber angenehm detaillierte Einführung in die Geschichte und Herkunft des Feng Shui. Es wird deutlich darauf hingewiesen, dass im Zuge der hiesigen Esoterikwelle viele seltsame Dinge dem Feng Shui zugeschrieben wurden. Auch die teilweise widersprüchlichen Aussagen der verschiedenen Lehrmeinungen werden erwähnt, sowie die Tatsache dass sich Widersprüche nicht immer ausschließen müssen.
Nun kommen einige leicht verständliche und sehr ausführliche Einführungen in die Systeme Yin und Yang, das Qi, die fünf Elemente, die Feng Shui Maße, das Bagua und, sehr interessant, morphische Felder. Diese sind zwar nicht Teil des Feng Shui, passen aber durchaus in den psychologischen Ansatz des Buches.
Sehr positiv ist der wiederholte Hinweis, dass die Erklärungen im Buch zwar Hinweise geben, nicht aber eine professionelle Beratung ersetzen können. Solch ein Hinweis fehlt den meisten angeblichen „Fachbüchern“ immer noch.
Es folgt der zweite Aspekt des Buches, die Tiefenpsychologie. Unser Unterbewusstsein lässt sich nicht bewusst steuern, es ist abhängig von unserer Umgebung. Alles was wir wahrnehmen löst unbewusste Reaktionen in uns aus.
Unser Unterbewusstsein macht dabei den weitaus größten Teil von uns aus, was auch die enorm große Wirkung unserer Umgebung auf uns erklären dürfte. Diese Aussagen beruhen, was den westlich denkenden Menschen erfreuen dürfte, auf wissenschaftlich anerkannten Studien des Schweizer Tiefenpsychologen Carl Gustav Jung.
Wichtige Einflussfaktoren auf unser Unterbewusstsein werden jetzt beschrieben. Archetypen, Komplexe (positiv wie negative), Bedürfnisse und Ängste geben unserer Umgebung ständig die Gelegenheit uns positiv oder negativ zu beeinflussen.
Ein ganz wichtiger Punkt ist das Sicherheitsbedürfnis des Menschen. Wird die Umgebung dem nicht gerecht, muss viel Energie zur Kompensation aufgebracht werden. Die fehlt dann bei der Leistungsfähigkeit. Die Analogie von Büro und Mensch wird erklärt, sowie das Gesetz der Resonanz.
Nun geht es in die Praxis, wie muss ein Gebäude aussehen um einen guten Eindruck auf das Unterbewusstsein zu machen.
Welche Form darf es haben und welche nicht, wie soll der Eingang aussehen. Welche Umgebungsfaktoren sind zu beachten, wie ist der Eindruck des Firmenschildes oder Logos zu bewerten, welche verstecken Botschaften kann der Eingangsbereich vermitteln, wie können Warte- Meeting- und Konferenzbereiche sinnvoll gestaltet werden.
Schritt für Schritt geht das Buch in das Innere des Gebäudes, in Konferenzräume, Flure und Korridore, Treppen und Rampen, Lifte, Aufenthaltsräume und Teeküchen, Sanitärräume, bis hin zum eigenen Schreibtisch.
Das eigene Büro und der eigene Schreibtisch werden dann auch entsprechend ausführlich behandelt. Eine solide Rückendeckung ist ebenso wichtig wie eine geeignete Perspektive. Geeignete Beleuchtungskonzepte werden ebenso besprochen wie mögliche Dekoration und das leidige Thema Elektrosmog.
Auch die Notwendigkeit, das Büro des Entscheiders sorgfältiger zu platzieren als das eines einfachen Angestellten wird nicht verschwiegen. Auch wenn das auf den ersten Blick nicht “politisch Korrekt” erscheint.
Nicht fehlen dürfen natürlich das antiquierte Großraumbüro und die daraus abgeleitete modernere Form des Kombibüros. Weitere moderne Büroformen wie das Homeoffice, das Callcenter und virtuelle Arbeitsplätze werden besprochen.
Schritt für Schritt wird der Leser so durch ein komplettes Gebäude geleitet und erhält einen gut strukturierten und umfassenden Überblick über Problemstellen und mögliche Lösungsansätze.
Auch auf die Schwierigkeiten, östliche Philosophie, Psychologie, Architektur, gesetzliche Vorgaben und wirtschaftliche Belange zu vereinen wird deutlich hingewiesen.
Abgerundet wird das Werk durch Tabellen und Checklisten, die es dem Laien erlauben schon mal erste Verbesserungen umzusetzen. Nicht jedoch ohne den Hinweis, dass für eine Umfassende Beurteilung eine individuelle Beratung Pflicht ist.
Fazit:
Ein richtig gutes Buch! Den Autoren ist es gelungen die komplexen Sachverhalte in Feng Shui und Psychologie so auf den Punkt zu bringen, dass der Laie den Hintergrund erkennen kann.
Details werden zwar auch angesprochen, der Fokus des Buches liegt aber darauf, dem Leser das Prinzip der Wechselwirkung zwischen uns und unserer Umgebung aufzuzeigen, sowie Möglichkeiten diese gezielt zu beeinflussen.
Sehr positiv ist, dass das unnötige Esoterikgebimmel vieler Feng Shui Bücher komplett fehlt und darauf hingewiesen wird, dass es einer individuellen Betrachtung bedarf um etwas zu ändern und nicht nur eines Baguas zum auflegen.
Ich persönlich, kann es nur empfehlen.
Die Autoren:
Margrit Lipczinsky verfügt über langjährige Wirtschaftserfahrung als Chefjuristin in einem internationalen Konzern.
Helmut Boerner besitzt umfangreiches Wissen aus jahrelanger Seminartätigkeit im Bereich der Persönlichkeitsentfaltung.
Parallele Lebensstationen: Studium der Tiefenpsychologie am C. G. Jung-Institut in Küsnacht, Ausbildung zum diplomierten Feng Shui-Consultant und kontinuierliche Weiterbildung bei diversen Feng Shui-Lehrern. Heute arbeiten sie als Unternehmensberater in Konstanz und beraten Geschäfts- und Privatklienten im In- und Ausland.
Margrit Lipczinsky/Helmut Boerner
Büro, Mensch und Feng Shui
Raumpsychologie für innovative Arbeitsplätze
2000. 192 Seiten, ca. 140 farbige Abbildungen
und 15 farbige Zeichnungen.
Format 21,5 x 26,7 cm. Gebunden.
€ [D] 44,95; € [A] 46,30; SFr 78.-
ISBN 3-7667-1422-8
Gerhard Zirkel
Berater für klassisches Feng Shui – auch für Büros
www.feng-shui-direkt.de
Stichwörter:Buchtipp, Büro, Feng, Feng Shui, fengshui, Mensch, Shui
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sylvia schrieb am 25 Februar 2008 um 09:34 Uhr:
Hi Gerhard !
Das Jahr der Ratte macht sich bei Dir offensichtlich tierisch bemerkbar.
Das Jahr der “Leseratte”.
Danke für’s Zusammenfassen, kannst Du das auch für QMDJ so machen ?
Liebe Grüße
Sylvia
Hallo Gerhard!
Dieses Buch und das andere von ihnen “Shop-Design für erfolgreiche Läden” sind zwei meiner Lieblingsbücher im Feng-Shui-Bücher-Wald.
Herzliche Grüße
Sonja
sylvia schrieb am 25 Februar 2008 um 13:27 Uhr:
Hi Gerhard !
Soviel zum “westlich” denkenden C.G.Jung, den ich über alles schätze:
Das Schicksal scheint uns die Rolle von zwei Brückenpfeilern zugeteilt zu haben, welche die Brücke zwischen Ost und West tragen.” C. G. Jung an Richard Wilhelm (Übersetzer I Ging)
Buch: Das Geheimnis der goldenen Blüte
Jung hat sich sehr viel mit der östlichen Kultur auseinandergesetzt, das I Ging faszinierte ihn sichtlich.
Ein sehr empfehlenswertes Buch von ihm : C.G.Jung : Gedanken, Erinnerungen, Träume
Sylvia
Hi Sylvia,
so bald Manfred sein Buch fertig hat, fasse ich es gerne zusammen
Gerhard Zirkel
sylvia schrieb am 26 Februar 2008 um 08:33 Uhr:
Freu !!!!!!
Sag, sollten wir nicht charts rechnen für eben dieses Buch ?
Ich schreib diese Woche noch die Wechselwirkungen der HS zusammen, sofern ich mein Gekritzel noch lesen kann.
Haste schon eine Tabelle gemacht ?
faule, bequeme Grüße aus Wien
Sylvia
Vielen Dank für die dezidierte Rezension. Wie ich daran sehe, geht es Feng Shui ähnlich wie Reiki: Im Zuge der Esoterikwelle sowie entsprechend den Sehnsüchten der Menschen werden diesen beiden Formen der Energiearbeit Dinge zugeschrieben, die sich in den Ursprüngen nicht unbedingt finden.
Ansonsten: Viel Erfolg mit diesem schön gemachten Blog!
Ralf Zeuge schrieb am 30 August 2008 um 19:51 Uhr:
Zunächst:
Gratulation zu diesem Blog. Manchmal tut ja auch der Blick über den Tellerrand gut und
führt zu neuen Erkenntnissen.
Zum Buch:
Die Stärke des Buches liegt sicher darin, den Leser für mögliche Wechselwirkungen architektonischer Gestaltungselemente im Arbeitsumfeld (Bürogestaltung, Arbeitsplatzgestaltung) zu sensibilisieren.
Ebenso positiv zu bewerten ist der Ansatz, psychologische Theorien einzubeziehen –
wenngleich mit “Raumpsychologie für innovative Arbeitsplätze” der Untertitel eher unglücklich
gewählt wurde.
Ein tatsächlich innovativer Ansatz hätte in der Berücksichtigung architekturpsychologisch –
und daher empirisch gesicherter – Erkenntnisse bestanden.
Weder Feng-Shui noch der tiefenpsychologische Ansatz Jungs können beispielsweise erklären,
weshalb eine Sekretärin ungern mit dem Rücken zur Tür sitzt.
Gleichwohl liefern beide Ansätze sicher ebenfalls einen großen Erfahrungsschatz, worüber
nachzudenken sich lohnen mag.
Mein Rat: take it all!
Gern verweise ich auf einen persiflierenden Beitrag in meinem Blog “Zeugs aus dem Alltag”
(da auch in diesem Blog Augenzwinkerei betrieben werden darf):
“Feng-Shui meets Know-WAU”.
Und bitte:
besser einander verstehen als missverstehen!
Vielen Dank für die Blumen
Warum eine Sekretärin ungern mit dem Rücken zur Tür sitzt, lässt sich ohne jegliche Methode erklären. Nur mit dem gesunden Menschenverstand. Immerhin ist die Zeit in der wir uns vor Feinden schützen mussten noch nciht all zu lange her – in Relation zur Menschheitsgeschichte. Unbewusst schützen wir uns also noch immer.
Feng Shui ist, aufgrund seiner 2500-3000 Jährigen Entstehungsgeschichte mit Sicherheit hinreichend empirisch belegbar. Nur sahen die Chinesen keine Notwendigkeit das so zu dokumentieren wie westliche Wissenschaftler das gerne hätten.
Aber ehrlich gesagt interessiert es die Unternehmen die mit Feng Shui zu mehr Erfolg gelangen herzlich wenig ob die Methode nun wissenschaftlich ist oder nicht. Am Ende zählt das Ergebnis.
Gerhard Zirkel
Ralf Zeuge schrieb am 31 August 2008 um 18:38 Uhr:
Mein Beitrag war eher der Versuch, die Hand zu reichen.
Gestatten Sie mir noch einen letzten Versuch:
Mir liegt nicht daran, die Erfolge des Feng-Shui zu diskreditieren!
Warum nicht einfach mehrere Betrachtungs- und Herangehensweisen nebeneinander gelten lassen?
Im Übrigen bin ich durchaus der Auffassung, dass wissenschaftliche Herangehensweisen spätestens seit der Aufklärung ihre Berechtigung haben dürften. Der gesunde Menschenverstand mag zunächst ausreichen, scheinbar harmlose Fragestellungen zu lösen.
Oft hört man: „Jeder ist ein Künstler.“ oder „Jeder ist ein Psychologe.“ und natürlich:
„Wer heilt hat recht!“.
Wollen wir es uns wirklich so einfach machen?
Wird nicht gerade unter dem Deckmantel solch vereinfachter Formeln viel Unfug getrieben?
Bei genauer Betrachtung lauern hier gewaltige Fallstricke.
Aufklärend noch zum „Schutzbedürfnis“ der Sekretärin: tatsächlich handelt es sich um das Streben nach territorialer Kontrolle. Wozu? Das mag eine Frage der Interpretation sein.
Noch eine Ergänzung:
Feng-Shui lässt sich ausdrücklich nicht empirisch belegen (wie wollen Sie z.B. den Energiefluss nachweisen, gleiches gilt z.B. für die Zuordnung der fünf Grundelemente) – allein der Verweis auf eine Jahrtausende alte Tradition stellt keinen empirischer Beleg dar.
Aber gut – ist ja nicht wirklich schlimm.
Übrigens – und: dies ist nicht als Affront gemeint:
Die Wirksamkeit eines Placebo-Effekts konnte inzwischen in zahlreichen Studien belegt werden.
Der Mensch lässt sich in vielerlei Hinsicht täuschen – manchmal (und das ist gut so) – auch zu seinem Vorteil.
Und Sie haben recht: am Ende zählt das Ergebnis.
Mein kleines Schlussplädoyer:
Akzeptieren wir einander, lernen wir voneinander und versuchen wir gemeinsam, die Welt ein bisschen besser zu machen. Jeder auf seine Weise 
Und: geben wir den Blumen Wasser!
Herzliche Grüße
Ralf Zeuge
Sehr geehrter Herr Zeuge,
ich handle im Leben sehr pragmatisch. Dazu gehört, dass ich mir über etwas erst dann eine Meinung bilde, wenn ich es kennen gelernt und/oder ausprobiert habe. Dazu gehört, sich mit dem Thema intensiv auseinander zu setzen.
Ich freue mich, dass Sie den Weg zu uns gefunden haben und vielleicht so das Wesen und das Prinzip des klassischen Feng Shui näher kennen lernen werden.
Das Leben ist eine Wandlung, genauso wie unsere Meinungen.
Ich hoffe, es war kein “Schlussplädoyer”, sondern der Beginn eines interessanten Austausches.
Mit herzlichen Grüßen
Hedwig Seipel
http://www.fengshui-classic.de
Hallo Herr Zeuge,
dass haben sie schön ausgedrückt:
“Geben wir den Blumen Wasser.”
Ich ergänze: Und lassen wir uns von den Blumen betören, verzaubern, heilen und leiten.
Mit Grüßen
Sven Christeleit
Hallo Herr Zeuge,
den Versuch, die Hand zu reichen habe ich möglicherweise etwas missverstanden. Mir kam das auf den ersten Blick fast wie ein leicht herablassender Kommentar zu einer vermeintlich esoterischen Methode vor. Verfasst von einem Menschen, der sich bislang noch zu wenig mit jener Methode befasst hat um sie beurteilen zu können.
Vielleicht habe ich das in den falschen Hals bekommen, all zu oft sieht man sich in meinem Berufsfeld Anfeindungen ausgesetzt, von Menschen die die Methoden des Feng Shui gar nicht kennen. Denn das ist wie in jedem anderen Wissensgebiet erst nach einer entsprechenden Ausbildung möglich.
Ich persönlich würde die Methoden der Architekturpsychologie sehr gerne näher kennenlernen, bin also sehr für einen engeren Kontakt zum Zwecke des Austausches. Dazu müssten nur auch Sie bereit sein sich etwas tiefer in das Thema des Feng Shui einzuarbeiten, womit wir Ihnen gerne behilflich sind.
Vermutlich fänden sich dann einige Schnittstellen, die eine gewinnbringende Zusammenarbeit beider Methoden ermöglichen.
Dinge wie Energiefluss, Wandlungsphasen, Yin und Yang etc. sind im Übrigen lediglich Denkmodelle, die es dem Anwender etwas leichter machen sollen, die komplexen Zusammenhänge in unserem Umfeld zu beurteilen.
Der eigentliche Kern des Feng Shui basiert auf Messungen, Berechnungen und Analysen der gesamten Umgebung eines Menschen und bezieht sehr viel mehr Faktoren ein, als auf den ersten Blick ersichtlich ist.
Den Placebo-Effekt kann ich mit Feng Shui nicht wirklich in Verbindung bringen. Oder wie erklären Sie sich das Eintreten der gewünschten Wirkung bei Personen die gar nichts davon wissen dass Feng Shui zur Anwendung kam, wie das im geschäftlichen Bereich fast immer der Fall ist?
Gerhard Zirkel
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