Oftmals werden wir Feng Shui Berater dann geholt, wenn es ein Problem zu lösen gibt. Das ist schließlich neben der Planung von Umgebungen eines unserer Hauptaufgabengebiete.
Ein Fall aus der näheren Vergangenheit hat mir allerdings zu denken gegeben.
Ich wurde von einem Unternehmen beauftragt, ein Büro zu gestalten. In diesem Büro sitzt ein leitender Angestellter, der kurz zuvor erkrankte. Sein Arzt hat ihm wohl geraten, sein Leben in Ordnung zu bringen und sich vor allem von unnötigem Ballast zu trennen. Seine Erkrankung war eindeutig stressbedingt.
Ich sollte nun dazu beitragen, ihm zumindest ein möglichst optimales Büro zu verschaffen. Das Büro räumlich zu verlegen, war nicht möglich, also beschränkte ich mich notgedrungen auf gestalterische Maßnahmen.
Ein Punkt, der mir von Anfang an von der zuständigen Mitarbeiterin (der Büroinhaber selbst war nicht anwesend) nahe gelegt wurde war, das Büro müsse unbedingt ausgemistet werden.
Das war sicherlich korrekt, ich habe selten eine derart große Ansammlung persönlicher Gegenstände und Krimskrams in einem Büro gesehen. Das Ganze machte doch einen etwas konfusen Eindruck.
Im Laufe der Beratung kristallisierte sich dieser Punkt zusehends als einer der Hauptgründe für meine Beratung heraus. Aus dem Kollegenkreis kamen wohl auch schon deutliche Kommentare zum Zustand des Büros, es musste also bald etwas geschehen.
So schlich sich langsam aber sicher das Gefühl ein, ich wurde nicht engagiert um den Raum tatsächlich zu optimieren, sondern um dem Chef das Büro auszumisten. Von seinen Mitarbeitern war er nämlich bislang nicht dazu zu bewegen gewesen. Immer wieder sollte ich entscheiden, welche der Gegenstände nun raus müssen und welche nicht.
Das machte es für mich natürlich nicht einfacher, denn es widerstrebt mir, über die privaten Dinge anderer Leute und besonders abwesender Leute zu entscheiden. Erst als ich definitiv klar gemacht habe, dass die Anzahl der Dinge zwar reduziert werden muss, ich aber keinesfalls eine Auswahlentscheidung treffen würde, war das Thema vom Tisch.
Mit etwas Abstand betrachtet drängt sich mir der Verdacht auf, dass man mich nicht als Feng Shui Berater geholt hatte, sondern als Vorwand für die Reduzierung der Gegenstände im Büro. Es sollte nur jemand von Außen eine klare Entscheidung treffen, nachdem der Kollegenkreis nichts ausrichten konnte.
Nun ja, ganz bin ich dieser Erwartung wohl nicht gerecht geworden, aber immerhin habe ich in meinem Bericht deutlich gemacht, dass der Krimskrams (ich habe es etwas diplomatischer ausgedrückt) drastisch reduziert werden muss. Nur welcher Gegenstand weg muss und welcher bleiben darf, wollte ich nicht entscheiden.
Vielleicht sollte ich demnächst doch Aufräumberatungen anbieten?
Gerhard Zirkel
Ausmister
www.feng-shui-direkt.de





