Mein Vater Der Apfel Herr Ribbeck und Der Tod

Als mein Vater nach kurzem Siechtum gestorben war, waren wir alle sehr traurig und gleichzeitig erleichtert. Die Vorbereitungen der Beerdigung trafen uns dennoch überraschend.

Mein Vater war von Beruf Kaufmann und sein Lebensinhalt war das Kaufen und Verkaufen von Obst und Gemüse. Vor allem die verschiedenen Apfelsorten hatten ihn immer fasziniert.
Wenige Jahre vor seinem Tod pflanzte er einen kleinen Apfelbaum in seinen Garten. Eine kleine Erinnerung an eine alte Leidenschaft.

Am Tag der Beerdigung steckte ich daher einen Apfel in meine Anzugtasche und am Grab gab ich einen Apfel vor den staunenden Augen meiner Kinder und aller anderen Anwesenden mit ins Grab.

Nach seinem Tod wurde sein Garten umgestaltet. Der Apfelbaum sollte verschwinden. Wir haben ihn ausgegraben und ihm in unserem Garten einen Platz gegeben. Opas Apfelbaum.

Jedes Jahr im Frühling wenn das Bäumchen blüht und im Herbst wenn die Früchte reifen und geerntet werden, denke ich intensiver als sonst an meinen Vater. Auch meine Kinder denken an ihren Großvater und lieben das Apfelmus von Opas Apfelbaum. Mein Vater lebt weiter, nicht nur in uns. Auch in diesem kleinen Apfelbaum und wahrscheinlich in jedem Apfel dieser Welt.

Auf die Idee hatte mich natürlich meine Großmutter gebracht, als sie mir als Kind folgendes Gedicht auswendig erzählte:

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland,
Ein Birnbaum in seinem Garten stand,
Und kam die goldene Herbsteszeit
Und die Birnen leuchteten weit und breit,
Da stopfte, wenn’s Mittag vom Turme scholl,
Der von Ribbeck sich beide Taschen voll,
Und kam in Pantinen ein Junge daher,
So rief er: »Junge, wiste ‘ne Beer?«
Und kam ein Mädel, so rief er: »Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick hebb ‘ne Birn.«

So ging es viel Jahre, bis lobesam
Der von Ribbeck auf Ribbeck zu sterben kam.
Er fühlte sein Ende. ‘s war Herbsteszeit,
Wieder lachten die Birnen weit und breit;
Da sagte von Ribbeck: »Ich scheide nun ab.
Legt mir eine Birne mit ins Grab.«
Und drei Tage drauf, aus dem Doppeldachhaus,
Trugen von Ribbeck sie hinaus,
Alle Bauern und Büdner mit Feiergesicht
Sangen »Jesus meine Zuversicht«,
Und die Kinder klagten, das Herze schwer:
»He is dod nu. Wer giwt uns nu ‘ne Beer?«

So klagten die Kinder. Das war nicht recht -
Ach, sie kannten den alten Ribbeck schlecht;
Der neue freilich, der knausert und spart,
Hält Park und Birnbaum strenge verwahrt.
Aber der alte, vorahnend schon
Und voll Mißtraun gegen den eigenen Sohn,
Der wußte genau, was damals er tat,
Als um eine Birn’ ins Grab er bat,
Und im dritten Jahr aus dem stillen Haus
Ein Birnbaumsprößling sproßt heraus.

Und die Jahre gingen wohl auf und ab,
Längst wölbt sich ein Birnbaum über dem Grab,
Und in der goldenen Herbsteszeit
Leuchtet’s wieder weit und breit.
Und kommt ein Jung’ übern Kirchhof her,
So flüstert’s im Baume: »Wiste ‘ne Beer?«
Und kommt ein Mädel, so flüstert’s: »Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick gew’ di ‘ne Birn.«

So spendet Segen noch immer die Hand
Des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.

www.vonribbeck.de ( hier ist das Original)

Darum… wenn jetzt wieder der Herbst kommt, die Tage kürzer werden, und wir öfter an unsere Vorfahren und gestorbenen Wegbegleiter und Vorfahren denken, steckt nicht nur Kerzen aufs Grab…. esst auch Äpfel.

Sven Christeleit

www.feng-shui-owl.de

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