Lange ist es her als ich am Fernseher klebte und mit Spannung eine neue „Star Trek“ – Folge erwartete. In meinem diesjährigen Urlaub hatte ich gleich zweimal die Gelegenheit gehabt, an den Film erinnert zu werden. Das erste Mal, als wir auf der Hinfahrt im Stau standen und ich mir gewünscht habe, augenblicklich an das Reiseziel gebeamt zu werden. Es hat leider nicht geklappt.
Einige Tage später stöberte ich in einer Buchhandlung und fand dabei das Buch von Anton Zeilinger „Einsteins Spuk“ mit dem Untertitel „Teleportation und weitere Mysterien der Quantenphysik“ (ISBN 978-3-442-15435-7). Da Quantenphysik mein echtes Steckpferd ist, habe ich das Buch sofort gekauft. Beim Lesen entdeckte ich, dass es genau um „beame mich Scotty“ ging. Ohne jetzt mit quantenphysikalischen Phänomenen langweilen zu wollen, versuche ich kurz und äußerst vereinfacht zu erläutern, worum es dabei geht. Also…
Man nehme ein Photon (so etwas wie ein elementares Lichteilchen) und erzeugt aus ihm zwei sogenannte „verschränkte Photonen“ (wie die Prozedur vor sich geht, ist jetzt nicht so wichtig). Das Paar der verschränkten Photonen hat eine sehr wichtige Eigenschaft. Diese Photonen besitzen keine spezifische, eigene Merkmale. Sie sind einfach ein „Nichts“. Doch das „Nichts“ kann beliebige Eigenschaften annehmen. Um mit unseren groben Sinnen das Phänomen sich vorstellen zu können, hilft folgendes Bild: man hat zwei Kugel aus klarem, farblosem Glas. Eine der Kugel wird in eine 1000km weit entfernte Stadt gebracht. Die erste Kugel wird rot eingefärbt und siehe da, die zweite Kugel färbt sich von alleine auch rot. Die Kugeln sind „verschränkt“, d.h. unsichtbar so verbunden, dass sie kein eigenständiges Leben mehr führen können. Was die eine macht, macht die andere sofort und ohne jeglichen Zeitverzug nach. Genau das nannte Einstein ein Spukphänomen, weil die Geschwindigkeit des Prozesses weit höher als die Lichtgeschwindigkeit liegen müsse. Und das hielt Einstein für ausgeschlossen. Heute sind die Physiker weiter gekommen. Es stellte sich heraus, dass die Lichtgeschwindigkeit nur eine Grenzgeschwindigkeit für Energie und Teilchen, spricht Materie ist. Nur am Rande erwähnt, Licht ist ein Teilchen und eine Welle = Energie zugleich. Reine Information kann viel schneller als Licht transportiert werden. Die verschränkten Photonen tauschen nämlich nicht die Eigenschaft aus (Farbe bei Kugel), sondern nur die Information (werde rot). Alleine aus der Information entsteht dann die Eigenschaft. Damit wäre Beamen möglich. Natürlich reicht dazu nicht ein Photon aus. Man müsste ein „verschränktes Objektpaar“ als Transportmittel haben. Ein Objekt befindet sich am Ort A und das verschränkte Gegenstück am Ort B. Da die Objekte keine Eigenschaften besitzen, lassen sich alle Informationen draufladen. Also wird die zu transportierende Person in reine Information „zerlegt“ und auf das verschränkte Objekt drauf projiziert. In dem selben Augenblick nimmt auch das andere verschränkte Objekt die Information auf und wandelt sie in Energie bzw. Materie um. Die Person, bzw. besser gesagt ein neu aufgebautes Modell der Person landet am Ort B. Fantastisch oder? Das ist kein Hirngespinst, die ersten Versuche mit elementaren Teilchen haben funktioniert. Man hat zwar nur eine mikromikrosoundso Entfernung überwunden, doch jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt. Tatsache ist, das Phänomen ist wissenschaftlich bewiesen, man kann es reproduzieren und vielleicht sogar bald nutzen, doch man weiß nicht, warum und wie es funktioniert. Deshalb suchen immer mehr Physiker die Antwort im metaphysischen bzw. philosophischen Bereich. Hier liegen die Antworten und warten nur, endlich gefunden zu werden. Ich habe inzwischen für mich sehr viele gefunden, vor allem in den taoistischen Prinzipien. Die einen nennen es Tao, die anderen „verschränkte Photonen“, beides heißt eigentlich „Nichts“ und doch bedeutet es alles. Das folgende Zitat aus dem Tao Te King liest sich fast wie eine Einleitung zum quantenphysikalischen Versuch:
„Aufgetansein in die All-Leere, ist Beschlossenheit von Nichts-Fülle. Was da geblüht hat, vergeht. Was da vergangen ist, wird wieder blühen. Was da endet ins Nichts, ist unendend wie All. Dieser Vorgang entspricht der Gesetzmäßigkeit.“
Information ist Gedanke und Gedanke schafft die Realität. Wir beamen tagtäglich und brauchen dabei keine komplizierte Versuchsanordnungen.
Kaum war ich mit dem Buch fertig, stieß ich auf das Buch „The Secret“. Spannend, genau zur selben Zeit wurde das Buch hier im Blog vorgestellt und diskutiert, ganz ohne meine Beteiligung, da mich ja der Blitzschlag vom Webspace abgeschnitten hat. Verschränkte Information?
Nun ja, ich habe „The Secret“ gelesen und wurde unsanft in die Realität zurück gebeamt. Im Prinzip geht es in den beiden Bücher um das selbe, nämlich um die Kraft und Macht unserer Gedanken oder dessen, was uns denkt
. Doch was für ein Unterschied! Zeilinger beschenkte mich auf fast jeder Seite mit einem Aha-Erlebnis, ohne den geringsten Ansatz zu missionieren zu haben. Beim „Secret“ hatte ich das Gefühl, einem typischen Prediger aus USA live zuzuhören: „liebt euch, denkt nur gutes und alles wird gut“. Die herausragende Stellung der hier zitierten Wissenschaftler weckt einige Zweifel in mir. Alles in allem, nichts verkehrtes aber wieder mal ein Beispiel dafür, wie man die Trend der Zeit kommerziell ausnutzen kann. Für mich drängt sich an dieser Stelle eine Parallele zu der Feng Shui Entwicklung im Westen auf. In den 80er Jahren war die Zeit für asiatische Lebensphilosophie reif. Da die Materie aber sehr komplex ist und eine echt harte Nuss für die auf Schnelligkeit und Leistung fokussierte westliche Welt darstellt, haben sich tüchtige Menschen (in USA, oh was für ein Zufall) gefunden, die vieles vereinfacht, abgespeckt und leicht anwendbar gemacht haben. Das Ergebnis wurde in zahlreichen Bücher mit ähnlichem Erfolg wie jetzt „The Secret“ oder „Bleep“ präsentiert. Die Leute stürzten sich drauf, probierten aus und schon bald gaben sie frustriert auf. Es funktionierte nämlich nicht auf die Dauer. Es ist wie beim Essen, man kann ein vollwertiges Menü durch Fast Food ersetzen und die Leute satt bekommen. Ob sie auf die Dauer dabei gesund bleiben, ist eine andere Frage. Also ohne es prophezeien zu wollen: Feng Shui ist tot, es lebe die Quantenwelt!
Während ich so lese, was ich heute geschrieben habe, zweifle ich, ob man überhaupt noch nachvollziehen kann, was ich mitteilen will. Egal, todgesagte leben länger.
Mit einem Quantengruß,
Hedwig Seipel
www.fengshui-classic.de





