Die Kurzbeschreibung des Vortrags im Programm des Symposiums lass sich etwas widersprüchlich. Der Titel „Entstehung und Geschichte der chinesischen Schrift mit ihrer Wirkung auf das Denken der Chinesen“ und die Unterzeile „Vortrag mit Ausstellung und Demonstration als unterhaltsame Ergänzung“ bedeuteten für mich zwei unvereinbare Erlebnisqualitäten. Das ganze fand auch noch zur späten Stunde nach opulentem Abendessen statt.Nun ja, da ich Herrn Wang Ning bereits beim Symposium 2006 als äußerst netten und interessanten Menschen kennen gelernt habe, wagte ich der Einladung zu folgen.
Meine Entscheidung erwies sich als absolut richtig! Es ist eine wahre Kunst, zum Tagesabschluss den recht müden und satten Zuhörer in ca. einer Stunde das Wesentlichste zu der chinesischen Schrift nicht nur zu erzählen, sondern auch noch anschaulich darzustellen.
Herr Wang Ning begann seine Ausführungen mit den ersten, uns heute bekannten Zeichen, die an Höhlenmalerei erinnerten. Die Logik, mit der die damaligen Menschen ihre schriftliche Kommunikation aufgebaut haben, ist verblüffend. Es entsteht fast der Eindruck, man müsste die Sprache bzw. die Zeichen gar nicht lernen, ein Nachdenken und logische Ableitung wären ausreichend. Doch diese Schlussfolgerung zu ziehen, wäre verfrüht gewesen. Die naturgetreuen Zeichen wurden bald zu abstrakten Linien- und Punktemuster, die zwar immer noch der eigenen Logik folgten, aber für ungeübte nur noch „Kritzelkratzer“ wurden. Dank der anschaulichen Erläuterungen und lockeren Beispielen aus dem Leben, gelang es mir den Ausführungen mühelos zu folgen.
Die Ernüchterung kam zum Schluss als wir erfuhren, dass die chinesische Sprache heute über mehr als 30.000 Zeichen verfügt und es werden immer mehr. Ein Grundschulkind lernt für den täglichen Bedarf mind. 3.000 Zeichen schreiben, lesen und kontextgerecht anwenden. Als uns Herr Wang Ning auch noch seine geübte chinesische Handschrift demonstrierte, wusste ich: deutsche Sprache, leichte Sprache!
Mehr über Herrn Wang Ning und die Kunst der Kalligraphie können Sie erfahren unter: http://www.wang-ning.de/kalligraphien.html
In diesem Sinne, es gibt viel zu lernen,
Hedwig Seipel
www.fengshui-classic.de





