Über den Einfluss der zeitlichen Differenz der Deklination auf die Fliegenden Sterne
Fliegende Sterne gehören zum täglichen Handwerkszeug in meiner beruflichen Praxis und ich hätte nie erwartet, dass ich dabei noch große Überraschungen erleben werde.
Im folgenden Praxisfall bin ich auf ein Phänomen gestoßen, über das ich bisher keine fachliche Informationen gefunden habe. Mein Beitrag ist als ein Diskussionsanstoß zu verstehen, um dem Phänomen auf den Grund zu gehen.
Es begann mit einem gewöhnlichen Beratungsauftrag für ein EFH mit gewerblichen Nebengebäuden auf einem großen Grundstück, gelegen in einer Gemeinde an der Grenze zwischen der Bergstrasse und dem hessischen Ried.
Die durchgeführte Kompass-Messung, die ich mehrmals überprüft haben, ergab für die Blickrichtung des Hauses 200° (S2, Ting), Sitzrichtung 20° (N2, Kuei). Das Haus wurde 1966 gebaut und seitdem nicht umgebaut. Die Eigentümer, die das Haus gebaut haben, leben selbst bis heute darin. Die Betrachtung der Landschaftsformen ergab keine bedeutende Erkenntnisse.
Die Daten führen zum folgenden Chart:
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SO |
S |
SW |
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O |
2 1 |
W |
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NO |
N |
NW |
Als ich mit der Auswertung des Charts begann, kamen in mir Zweifel auf. Die Wirklichkeit und das tatsächliche Geschehen der 40 Jahre Hausgeschichte passten gar nicht zum Chart. Hier einige markantesten Differenzen:
| Sternenkombination | Interpretation | Tatsächliche Situation |
| 6/6 an der Frontseite bedeutete in der Bauperiode sog. “double facing house”, das vorne sowohl Wasser, als auch Berg braucht | Wasser fehlt vorne. Hier befindet sich lediglich eine ruhige Zufahrtstrasse mit enger Bebauung auf der gegenüberliegenden Seite. Dies hätte zu finanziellen Schwierigkeiten geführt haben müssen. |
Die Familie hat ein sehr gut gehendes Schreinerei-Unternehmen aufgebaut und geführt. |
| 8/4 im SW und 4/8 im W liegen zum größten Teil in den Kinderzimmern | Unfallgefahr und Krankheiten bei Kindern | Die Kinder der Familie sind ohne nennenswerte Schwierigkeiten groß geworden. Seit vielen Jahren betreut die Frau kleine Kinder als Tagesmutter in ihrem Haus. Keine Probleme. |
| 2/1 im Zentrum, das Zentrum ist offen zu allen Bereichen, liegt im Flur, in der Nähe der Treppe, Gestaltung in Erde (beige Fliesen, brauner Klinker an den Wänden, dunkle Holzdecken) | Ehestreit, Frau dominiert den Mann, evtl. Bauchprobleme bei der Frau | Die Eheleute haben bereits ihre goldene Hochzeit gefeiert, die Frau freut sich bester Gesundheit. |
| Wasserstern 5 in der Sitzrichtung, wo sich die Schreinerei und andere Geschäftsräume befinden. Kein echtes Wasser, nur große offene Fläche, die zum Lagern von Holz diente. | Finanzielles Desaster. | Die Familie hat “ausgesorgt” und schließt das Unternehmen aus Altersgründen und mangels Nachfolger. |
Meine Verwirrung war groß und langsam zweifelte ich an meiner Fähigkeit als Feng Shui Praktikerin. Wiederholte Kompass-Messungen, radiästhetische Untersuchungen und geomantische Betrachtung haben nichts Neues zur Lösung des Problems beigetragen.
Beim Betrachten der Charts für die 6. Periode fiel mir plötzlich auf, dass in dieser Periode die seltene Drei Kombination 1-4-7, 2-5-8, 3-6-9[1] vorkommt und zwar bei der Blickrichtung 202,5?-217,5? (SW1, Kun). Doch davon ist das Haus mind. 3° entfernt.
Würde sich das Haus um diese 3° nach Westen “drehen”, würde diese ausgesprochen günstige Konstellation greifen und die Übereinstimmung mit der Wirklichkeit wieder herstellen.
Wie der Zufall(?) so will, arbeitete ich gerade an einem Arbeitskript für meine Seminare, in dem ich den richtigen Umgang mit einem Kompass erläutere. Als ich das Thema der Deklination bearbeite, Schoß mir eine Idee in den Kopf!
Der magnetische Nordpol stimmt nicht mit dem geographischen Nordpol überein, wobei sich die Lage des magnetischen Nordpols ständig leicht verändert.
Den Winkel zwischen geographischem und magnetischem Nordpol bezeichnet man als Mißweisung oder Deklination
Je nachdem wo man sich befindet ist die Mißweisung größer oder kleiner.
Der Kompass zeigt fast nirgendwo exakt nach Norden, sondern je nach Standort entweder mehr nach Osten oder mehr nach Westen.
Für die Bestimmung des Charts der Fliegenden Sterne wird die Messung des magnetischen Nordens zugrunde gelegt. Wenn nur eine Karte zur Verfügung steht und eine Messung vor Ort nicht möglich ist, muss die Richtung um den Deklinationswert des Ortes korrigiert werden.
Die Deklination ändert sich aber nicht nur nach Lage eines Ortes in Relation zum geographischen Nordpol, sondern auch im Laufe der Zeit. Es ist wichtig zu wissen, wie sich der Deklinationswert über die Jahre verändert. In Mitteleuropa haben wir z.Zt. mit östlicher Deklination zu tun, d.h. der magnetischer Nordpol befindet sich östlich vom geographischen Nordpol und wandert kontinuierlich in östliche Richtung weiter. Die jährliche Veränderung ist nicht konstant. Für Frankfurt a.M.(49°53′ nördlicher Breite und 8°40′ östlicher Länge) veränderte sich die Deklination wie folgt:
Jahr 1960 – 3°41′ West
Jahr 1970 – 3°20′ West
Jahr 1980 – 2°30′ West
Jahr 1990 – 0°59′ West
Jahr 2000 – 0°04′ West
Jahr 2006 – 0°55′ Ost.
Was heißt es in der Praxis?
Stellen Sie sich vor, Sie sind z.B. im Jahr 1960 auf der Baustelle eines Hauses in Frankfurt und messen die Himmelsrichtungen. Die Blickrichtung könnte z.B. 250° betragen, was die Richtung W1, Yu ergibt. Sie erstellen ein Chart für das Haus.
über 40 Jahre später, im Jahr 2006 sind Sie wieder an dem Haus und machen eine neue Messung. Sie erhalten ein Messwert von knapp 247° und plötzlich hat das Haus die Blickrichtung SW3, Keng und damit ein vollkommen anderes Chart.
Für ein Haus aber gilt (die Meinung einiger Lehrmeister weicht davon ab) sein “Geburtschart” so lange, bis totale Sanierungsmaßnahmen oder Abriss stattgefunden haben und damit die Energie erneuert wurde. Blieb ein Haus unverändert stehen, hat sich auch sein Chart, das Grundmuster nicht verändert.
Um also die heutige Messung mit der Messung zum Zeitpunkt des Baujahrs anzugleichen, müßte die Differenz der Deklinationen berücksichtigt werden.
Wie wirkt sich diese Erkenntnis auf mein “Sorgenhaus”?
Nun, die Deklination für das Ort im Baujahr 1966 betrug 3°14′ West. Zum Zeitpunkt der Messung im Jahr 2003 galt die Abweichung von 0°55′ Ost. Daraus ergibt sich eine Differenz der Deklination in dem Zeitraum 1966-2006 von 3°69′. Bei einer Messung im Jahr 1966 hätte mein Kompass keine 200° für die Blickrichtung, sondern fast 204° angezeigt. Mit der Blickrichtung 204° würde für das Haus das günstige Chart gelten und die tatsächlich stattgefundene Ereignisse könnten von der theoretischen Seite nachvollzogen werden.
Der Praxisfall bekräftigt die logische Konsequenz der Deklinations-Auswirkung. Doch ist es ein Zufall? Können noch weitere Fälle beobachtet werden? Die Kriterien, die ein Haus erfüllen müsste, um als “Deklinationsfall” zu gelten sind recht eng:
- Die Blickrichtung des Hauses darf max. ca. 4° von der Grenze der Himmelsrichtung (eines der 24-Berge) entfernt sein.
- Das Baujahr sollte relativ weit zurückliegen (mind. 20-30 Jahre).
- Die tatsächliche Geschehnisse im Haus während diese Zeit müssten rekonstruierbar sein.
Für mich wäre sehr interessant zu erfahren, ob Sie, liebe Feng Shui PraktikerInnen, in Ihrer Arbeit ähnlichen Fällen begegnet sind. Ein Erfahrungsaustausch würde uns sicher weiterhelfen, dieses Thema zu erforschen.
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